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Schuster bleibt bei seinen Leisten - und Filip Kostic auf seiner angestammten linken Seite.  

Gegner Leipzig

Eintracht Frankfurt: Kostic ohne Robben-Move

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Eintracht Frankfurt baut gegen Tabellenführer RB Leipzig auf eine starke Defensive, schnelle Umschaltmomente und ihren besten sowie wertvollsten Spieler: Filip Kostic.

Ante Rebic hat in Italien immerhin zwei gute Spiele und zwei Tore benötigt, um nicht zu Eintracht Frankfurt zu wechseln und weiter für den AC Mailand spielen zu dürfen. Jesus Vallejo, noch so ein ehemaliger Frankfurter Spieler, der zuletzt als Verstärkung bei den Hessen gehandelt wurde, hat dies alles nicht geschafft: Zuletzt spielte er bei den Wolverhampton Wanderers ganze siebenmal, kehrte enttäuscht zu Real Madrid zurück (wo er auch nicht spielt) und wird jetzt, wie die spanische Sportzeitung „Marca“ schreibt, zum FC Granada verliehen, spanisches Mittelmaß, Tabellenplatz zehn.

In Frankfurt bestritt der mittlerweile 23 Jahre alte Verteidiger 27 Pflichtspiele, er erzielte in dem einen Jahr in Frankfurt ein Tor, und zwar am 20. Mai 2017 am letzten Spieltag - gegen RB Leipzig. Bis sieben Minuten vor dem Ende lag seinerzeit der Brauseklub mit 2:0 vorn, ehe Jesus Vallejo mit seinem Anschlusstor in der 83. Minute noch mal Schwung in die Partie brachte, Danny Blum erzielte in letzter Minute den 2:2-Ausgleich. Das Ergebnis hatte keinerlei Auswirkungen mehr auf die Tabelle, weder für die Eintracht noch für Leipzig. Das ist am Samstag anders.

Der Sieg in Hoffenheim hat Druck vom Kessel genommen

Der ganz große Druck ist nach dem gelungenen Rückrundenauftakt bei der Eintracht erst einmal raus, die Karten an diesem Samstag in Frankfurt sind aber klar verteilt: Selbst wenn RB Leipzig in der Bundesliga noch nie hatte in Frankfurt gewinnen können, so sind die Sachsen als amtierender Tabellenführer doch Favorit. Bei den Gastgebern wird sich zeigen müssen, ob die gegen eher harmlose Hoffenheimer an den Tag gelegte Kompaktheit schon so weit hergestellt ist, dass sie auch der Leipziger Angriffswucht standhält. Sicher ist das nicht. David Abraham und Martin Hinteregger zentral, aber auch Almamy Touré und Evan Ndicka auf den Außenverteidigerpositionen, werden einen Sahnetag erwischen müssen, um etwa einen Timo Werner in Schach zu halten. Der Nationalstürmer hat nach 18 Spieltagen bereits mehr Tore erzielt als Gerd Müller zum gleichen Zeitpunkt, nämlich 20. Die Bayern-Legende hatte in der Saison 1971/72 nach 18 Spielen „erst“ 18 Tore auf dem Konto, am Ende dann allerdings unfassbare 40.

Eintracht Frankfurt setzt auf die Defensive

Ihr Heil werden die Frankfurter dieses Mal also eher im Umschaltspiel suchen, und da wird es auf jenen Spieler besonders ankommen, der als einziger im Frankfurter Ensemble über richtig Tempo verfügt: Filip Kostic. Der Serbe hat schon im Kraichgau unter Beweis gestellt, dass er seine hervorragende Form aus der Hinrunde hinüber gerettet hat in die Rückserie. In Sinsheim traf der 27-Jährige in jeder Halbzeit je einmal die Latte, er war erneut einer der Aktivposten, und von kaum einem Hoffenheimer Verteidiger ernsthaft zu stoppen. Das war insofern nicht direkt zu erwarten gewesen, weil wegen der Änderung von Dreier- auf Viererkette Beobachter unkten, Kostic würde der Platz für seine raumgreifenden Soli fehlen. Genau diese langen Sprints mit Anlauf und viel Platz nach vorne sind ja die Stärken des Linksfußes. Diese Sorge erwies sich als unbegründet. Für Kostic sei es ideal, begründete Trainer Adi Hütter, dass er defensiv nach hinten (durch Ndicka) abgesichert werde - auch wenn sich „Filip vorne jetzt nicht ausruhen darf“.

Eine andere Variante indes fand nicht die Zustimmung des Fußballlehrers: In die Diskussion war geworfen worden, ob es grundsätzlich nicht eine Überlegung wert sei, Kostic vom linken auf den rechten Flügel zu versetzen, so dass er stärker nach innen ziehen könnte, um mit seinem starken Fuß vermehrt den Torabschluss zu suchen. Perfektioniert hat diese spiegelverkehrte Variante einst Arjen Robben, der Zeit seiner Karriere auf der „falschen“ Seite des Feldes gespielt hat und mit seinem berühmt gewordenen „Robben-Move“ für anhaltende Torgefahr gesorgt hat. Dieses verstärkt nach innen Ziehen verlangt Trainer Hütter explizit nach der Systemänderung von seinen beiden Außenbahnspielern.

Der „falsche“ Kostic

„Überlegungen gibt es immer“, sagte Hütter zu diesem Denkmodell. „Wenn ich aber ehrlich bin“, hatte der Coach in der letzten Woche zu dieser Idee gesagt, halte er nicht so viel davon. „Ich weiß nicht, ob man ihn damit nicht seiner Stärke beraubt. Ich glaube, er wird sich auf der rechten Seite eher unwohl fühlen.“ Kostic lebt vielmehr von seiner Wucht, seinem Durchsetzungsvermögen und dem starken linken Fuß. Der Serbe zieht mit Dampf in Richtung Grundlinie, tankt sich förmlich durch seine Gegenspieler durch und spielt seine in der Bundesliga überragende Athletik damit aus.

Allerdings könnte der Serbe dessen Kontrakt mit der Eintracht noch bis 2023 läuft, durchaus mehr Tore erzielen, in 17 Bundesligaspielen ist ihm lediglich eines gelungen, gegen Bayern München, in allen 29 Pflichtspielen sechs, allein drei in der Europa League-Qualifikation. Am Samstag gegen Leipzig wäre ein guter Zeitpunkt, die persönliche Torbilanz aufzubessern - gerade auch über „seine“ Seite.

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