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Auf ihn wird es ankommen: Filip Kostic (rechts). 

Eintracht Frankfurt

Filip Kostic: Eintracht Frankfurt wird immer abhängiger von ihm

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Eintracht Frankfurt wird immer stärker von Flügelmann Filip Kostic abhängig.

Der Frankfurter Rechtsverteidiger Erik Durm, der die erste Heimniederlage in dieser Saison auch nicht verhindern konnte, hat, kaum war das 0:2 gegen den VfL Wolfsburg bestätigt, den Schalter umzulegen versucht. Kein Wunder, steht schon das nächste „absolut wegweisende Spiel“ an, jenes am Donnerstag in der Europa League gegen den FC Arsenal. Auch die Partie in der Liga gegen die Wölfe hatte die Frankfurter Entourage als „wegweisend“ umschrieben, um Anschluss nach oben zu halten, dieses Unterfangen ist gescheitert. Und das in Nordlondon?

Eintracht Frankfurt steht vor schwerer Aufgabe gegen Arsenal

Die Aufgabe auf der Insel gegen den bislang ungeschlagenen Tabellenführer der Gruppe F ist ungleich schwerer. Arsenal kann mit einem Remis im Wettbewerb überwintern, der Tabellenachte der Premier League ist Favorit in dieser Partie, selbst wenn es derzeit nicht gerade rund läuft bei den Gunners: Seit sechs Spielen wartet der FC Arsenal wettbewerbsübergreifend auf einen Sieg, Trainer Unai Emery steht in der Kritik, selbst zu Hause gegen den Tabellenvorletzten FC Southampton reichte es am Wochenende nur zu einem mageren 2:2 in letzter Sekunde. Also sagte Erik Durm, der als einer der wenigen Frankfurter Spieler schon mal im Arsenal-Stadion gespielt hat, im vergangenen Jahr mit Huddersfield Town: „Wir wollen in London ein anderes Gesicht zeigen und etwas mitnehmen. Wenn wir offensiv draufgehen, ist dort etwas drin. Am besten ein Dreier.“

Das ist jetzt sehr zuversichtlich gedacht. Aber in einem hat der 27-Jährige Recht: Eintracht Frankfurt wird nicht umhin kommen, aggressiver, energischer und ungestümer den Gegner zu bearbeiten als zuletzt. Die Frankfurter müssen wieder zu jener Wucht, zu jener Entschlossenheit zurückfinden, die sie etwa an den Tag gelegt hatten, als Bayer Leverkusen oder Bayern München sehr deutlich in die Schranken gewiesen worden waren. Das hat Trainer Adi Hütter im Wesentlichen auch gemeint, als er jüngst davon sprach, „zu den Wurzeln“ zurückkehren zu müssen. Das, was die Hessen stark und unbändig hat werden lassen, müsse wieder gezeigt werden.

Eintracht Frankfurt hat einen Rückschlag erlitten

Eintracht Frankfurt, das wissen die Verantwortlichen, befindet sich im Augenblick an einer Weggabelung. Wohin geht die Reise? In der Bundesliga haben die Hessen auf ihrem Weg nach oben einen Rückschlag erlitten, auch in der Europa League hätte es leicht viel besser laufen können, ein Unentschieden in Lüttich hätte bekanntlich schon gereicht. Es kam in letzter Sekunde anders, die Hessen haben sich selbst um eine hervorragende Ausgangsposition gebracht. Jetzt ist die Hürde ungleich höher geworden, die Eintracht hat derzeit die schlechteren Karten auf der Hand. Ausgeschlossen ist ein Weiterkommen dennoch keinesfalls, die Herausforderung für Hütter ist aber enorm gewachsen.

Der Fußballlehrer wird liefern müssen, er wird sein Team anders einstellen und ihm eine andere Spielweise mit auf den Weg geben müssen. Gegen extrem massiert stehende Wolfsburger vermisste der erfahrene Coach eine gewisse Variabilität seines Teams, er vermisste auch mal „Pässe mit Tiefgang“, Bälle in die Schnittstellen. Dazu muss schneller, direkter gespielt werden, muss auf den Spielfluss lähmende Querpässe verzichtet werden. Arsenal wird sich im eigenen Stadion sicher nicht verbarrikadieren, es dürfte Räume geben, die zu schnellen Läufen über die Flügel genutzt werden sollten.

Das ist bislang eine Stärke, die sich Eintracht Frankfurt bewahrt hat, selbst wenn es sich in der Branche herumgesprochen hat. Aktuell verlassen sich die Hessen zu sehr auf die Soli von Filip Kostic. Der Serbe, im letzten Jahr in beeindruckend guter Form, macht den Unterschied aus, wenn er ins Laufen kommt, ist er nicht zu halten. Er ist allein aufgrund seines Tempos unersetzlich in dieser Mannschaft, er ist mittlerweile aber auch der Einzige, der diese Geschwindigkeit regelmäßig noch ausspielt.

Eintracht Frankfurt: Schmerzgrenze für Kostic liegt bei 50 Millionen

Inzwischen ist die Eintracht, die an Wucht und Dynamik im Vergleich zur vergangenen Saison verloren hat, ziemlich abhängig von den Soloauftritten des Filip Kostic geworden. So lange er auf seinem linken Flügel durchkommt, etwa gegen Leverkusen und gegen Mitchell Weiser, entwickeln die Hessen genau diese zuletzt schmerzlich vermisste Wildheit, Entschlossenheit, ja Gewalt. Kostic ist der Schlüssel zum Erfolg bei der Eintracht, hätte der 27-jährige Linksfuß in Lüttich getroffen, wären die Frankfurter fürs Sechzehntelfinale qualifiziert. Und wehe, Kostic wird aus dem Spiel genommen, wie etwa gegen Wolfsburg, als William ihn ausbremste, in Straßburg (gegen Kenny Lala) oder gegen Lüttich (gegen Collins Fai), dann ist schnell die Luft raus aus dem Frankfurter Spiel.

Und der andere, rechte Flügel, lahmt derzeit. Durm hat seine Chance nicht genutzt, Danny da Costa, der in London spielen wird, ist nicht in der Form der vergangenen Runde.

Es wird also in London verstärkt auf Filip Kostic ankommen. Kommt er mit seinen rasanten Läufen durch, hat die Eintracht eine Chance. Und er dürfte der nächste sein, der am Saisonende den Klub verlässt. Die Schmerzgrenze liegt bei 50 Millionen Euro, und Vorstand Fredi Bobic hat schon öffentlich angedeutet, dass es ihm bei solchen Summen schwer falle, „nein zu sagen“. Für die Eintracht „wird es nie möglich sein, dass ein Spieler unverkäuflich ist.“ Auch Filip Kostic nicht.

Rönnow wieder fit

Unterdessen ist Sportdirektor Bruno Hübner optimistisch, dass Frederik Rönnow in der Europa League gegen Arsenal wieder in den Kasten der Hessen zurückkehren kann. Der Vertreter von Kevin Trapp hat seine Erkältung offensichtlich auskuriert. 

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