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Filip Kostic von Eintracht Frankfurt.
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Filip Kostic von Eintracht Frankfurt.

SGE

Eintracht Frankfurt: Abhängigkeit von Filip Kostic ist zu groß

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt fehlt Kreativität, spielerische Klasse und ein kompletter Flügel, um sich zu entscheidend zu verbessern.

Frankfurt - Der lahmende rechte Eintracht-Flügel ist in den vergangenen Wochen schon häufiger ins Zentrum der Kritik geschoben worden, auch die FR arbeitete sich kürzlich an der großen Frankfurter Schwachstelle ab, beleuchtete alle fünf Kandidaten, die in dieser Saison schon gewogen und für zu leicht befunden wurden. Wie harmlos die Eintracht gerade in der Offensive über rechts ist, zeigt auch ein Blick in die Statistik, der die optischen Eindrücke bestätigt und ungläubiges Erstaunen hinterlässt. Demnach ist bislang kein einziger der ohnehin nur zwölf Saisontreffer über diese Seite vorbereitet worden, zudem auch kaum Torschüsse und Chancen. Das ist alarmierend – und rekordverdächtig: Kein anderer Bundesligist kann laut „Kicker“ so viel Arglosigkeit und Ungefährlichkeit nachweisen wie die Eintracht. Bedenklich.

Das Phänomen ist nicht neu und längst erkannt, aber nie wirklich angegangen oder behoben worden. Seit Danny da Costa in eine veritable Schaffenskrise rutschte, ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Der 28-Jährige ist nur noch Tribünengast und könnte schon im Winter wechseln, beim FC Augsburg steht er auf der Liste. Sein gut dotierter Vertrag läuft im Sommer aus, Verlängerung zum momentanen Zeitpunkt ausgeschlossen.

Eine Position weiter vorne sollte eigentlich der blutjunge Fabio Blanco an die erste Elf herangeführt werden, doch der Rechtsaußen verdingt sich zurzeit in der A-Jugend. Der 17-Jährige selbst kann das, wie sein Entdecker Ben Manga im Eintracht-Podcast sagt, nicht so wirklich verstehen. „Es ist schwierig für ihn, das zu kapieren.“

Eintracht Frankfurt: Manga glaubt an Blanco

Manga, Direktor Profifußball in Frankfurt, findet es „völlig normal, dass er etwas unzufrieden ist“, schließlich seien „namhafte Klubs an ihm dran gewesen.“ Blanco habe die Chance gehabt, „bei Real Madrid, dem FC Barcelona oder Juventus Turin bei den Profis zu trainieren und in den Reserveteams zu spielen.“ Also kein Unterschied zu seiner jetzigen Situation in Frankfurt. Ben Manga glaubt aber weiter fest an das Talent. „Er ist ein super Junge - sportlich und menschlich. Ich weiß, dass er irgendwann für die Eintracht spielen wird.“

Ob sie so lange dieses Ungleichgewicht in der Statik des Spiels mit sich herumschleppen wird? Die Disbalance könnte sich zu einem echten Problem ausweiten. Denn es führt zwangsläufig dazu, dass das Eintracht-Spiel kinderleicht auszulesen und dechiffrierbar ist. Es ist das Gegenteil von dem, was Trainer Oliver Glasner erreichen wollte und proklamiert hat. Der 47-Jährige ist angetreten, um das Spiel variabler und weniger ausrechenbar zu machen. Hat bisher nicht so ganz geklappt. Keinen wurmt das so sehr wie den Österreicher selbst.

Die Analysten der Spielvereinigung Greuther Fürth etwa trugen, wie die FR erfahren hat, vor der Partie gegen die Frankfurter zur internen Spielvorbereitung zu keinem Kontrahenten so wenig Material zusammen wie über die Eintracht. Viel mehr als ganz viel Filip Kostic, ein bisschen Daichi Kamada und reichlich Ecken – mehr ist in der Bestandsaufnahme kaum zu Tage zu fördern.

Eintracht Frankfurt: Gegner neutralisieren Kostic

Die Gegner setzen längst also alles daran, den serbischen Linksaußen Kostic zu neutralisieren, stellen ein, zwei, drei ihrer zweikampfstärksten und schnellsten Spieler ab. Auch das ist nicht neu, konnte den 29-Jährigen aber nicht darin hindern, fünf Tore vorzubereiten und zwei selbst zu erzielen – er ist damit an mehr als der Hälfte aller Treffer beteiligt. Die anderen fielen durch die Mitte.

Das ist schon eher das, was Coach Glasner vorschwebt, tiefe Läufe in die Spitze, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr – doch das alles ist noch viel zu schemenhaft und allenfalls in Bruchstücken zu erkennen.

Glasner ist die bekannte Abhängigkeit von Kostic zu groß, er moniert, dass das „extrem über Flanken“ geprägte Spiel aufgebrochen werden müsse. „Wir landen immer noch zu oft bei der Eckfahne, und Filip schlägt dann die Flanke rein.“ Oft genug klappt das auch, so fiel der Siegtreffer in Fürth in der Nachspielzeit, ohne den die Unruhe in Frankfurt schon deutlich größere Ausmaße angenommen hätte. Glasner weist aber daraufhin, dass Evan Ndicka entscheidenden Anteil am Treffer hatte, weil der Verteidiger entschlossen nach vorne geeilt war und die Kugel verlängert hatte. „Sonst wäre die Flanke abgefangen worden.“ Wie so viele.

Die Bedingtheit vom Besten ist in dieser Runde trotz des gegenteiligen Vorhabens sogar noch gestiegen, in der zurückliegenden Spielzeit gingen von links „nur“ 33 Prozent Torbeteiligungen aus, aus der Mitte 54 und über rechts läppische 13 Prozent.

In der letzten Saison startete die Eintracht erst kometenhaft durch und punktete wie ein Meisterschaftskandidat, als Adi Hütter im Mittelfeld auf zwei Zehner umstellte, Daichi Kamada und Amin Younes aufbot und das Spiel damit tatsächlich unausrechenbarer machte. Die Frankfurter glänzten durch Finesse, Witz und Ballsicherheit; Kostic auf links wurde entlastet, es gab viele potenzielle Gefahrenherde, die der Kontrahent im Auge behalten musste.

Eintracht Frankfurt: Tür bei Younes bleibt zu

Kostic schoss zwar selbst vier Tore und gab sensationelle 17 Vorlagen, doch auch die Spiellenker ind er Zentrale überzeugten: Kamada etwa war an insgesamt 26 (!) Treffern beteiligt, Younes, obzwar seltener und zum Schluss kaum noch eingesetzt, immerhin an zehn. Zahlen, von denen die aktuelle Mannschaft nur träumen kann.

Für Younes ist die Zeit in Frankfurt ohnehin abgelaufen, für der freigestellte Kreativkopf gibt es definitiv kein Zurück. Eine fristlose Kündigung steht noch immer im Raum, das Gehalt ist reduziert worden. Die Eintracht hatte eigentlich gehofft, dass der Fußballer einer einvernehmlichen Trennung zustimmen und womöglich gar einen neuen Verein präsentieren würde. Doch momentan ruht der See. Und die winterliche Transferperiode ist nicht mehr weit weg.

Klar ist, dass der 28-Jährige, der es erst im März sogar noch mal zum Nationalspieler geschafft hatte, im Sommer zum SSC Neapel zurückkehren wird, aber dort wohl kaum mehr durchstarten wird. Da hat einer seine Karriere binnen weniger Monate so ziemlich den Sand gesetzt.

Dabei würde ein Younes in Topform, rein sportlich betrachtet, sehr wohl helfen. Auch weil die Neuen noch nicht so einschlagen wie erhofft und Zeit brauchen. Man brauche Geduld mit Spielern wie Jens Petter Hauge oder Jesper Lindström, findet Ben Manga. „Die Jungs haben alle was drauf“, sagt er. „Wann sie explodieren? Wir hoffen schnell.“

Eintracht Frankfurt: Unterer Durchschnitt der Liga

Die Zahlen aus der aktuellen Saison lesen sich nämlich wie die aus einer anderen Zeit, in allen statistischen Erhebungen, die auf fußballerische Qualität schließen lassen, liegen die Hessen unter dem Durchschnitt der Liga: Tore, Schüsse, gespielte Pässe, angekommene Pässe, Passquote. Selbst die Zweikampfwerte sind schlecht. Zumindest ist das Team bei anderen Primärtugenden vorne dabei: Laufstärke, Sprints, erzwungene Ballgewinne im letzten Drittel. Doch das reicht nicht.

Die spielerische Armut ist frappierend, und es ist genau so frappierend, wie leicht der Eintracht der Schneid abzukaufen ist: mit harten Duellen Mann gegen Mann über den ganzen Platz – und schon gehen dem Team die Lösungen aus, weil eben kaum ein Spieler solche Stress- und Drucksituationen vernünftig lösen kann. Auch die beiden defensiven Mittelfeldspieler Djibril Sow und Kristijan Jakic sind eher Zerstörer denn Strategen.

Meistens wird der Ball aufgrund der fehlenden fußballerischen Ruhe und Abgeklärtheit irgendwann hoch nach vorne geschlagen – wo ihn der 1,74 Meter große Rafael Borré kaum gewinnen und festmachen kann. Dafür kann die lahmende rechte Flanke ausnahmsweise mal nichts.

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