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Eintracht fightet, kommt gegen Tottenham aber an Grenzen

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Von: Thomas Kilchenstein

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Die Frankfurter Eintracht kämpft bis zur allerletzten Minute, muss sich den Tottenham Hotspur letztlich aber doch verdient geschlagen geben.

London – Das letzte Mal, dass Eintracht Frankfurt ein Auswärtsspiel auf internationaler Bühne verloren hat, liegt zwei Jahre zurück, und da hatte die Pandemie noch das Land und den Spielbetrieb gelähmt. 0:1 im August 2020 hatten die Hessen gegen den FC Basel in der Europa League verloren, ohnehin war die Sache nach dem 0:3 aus dem Hinspiel im Grunde vorentschieden. Seitdem war es keinem Team mehr gelungen, die Hessen vor heimischen Publikum zu bezwingen.

Tottenham Hotspur freilich ist es jetzt gelungen, diese stolze Serie zu brechen, mit 3:2 (3:1) schlugen sie die Frankfurter hochverdient. Zeitweise tat sich ein Klassenunterschied auf. Die Londoner, die seit ewigen Zeiten kein Heimspiel mehr im Tottenham-Hotspur-Stadium verloren haben, waren in allen Belangen überlegen, sowohl individuell als auch als Mannschaft. Selbst wenn sie in der Schlussphase noch einmal in Bedrängnis kamen. Die Eintracht belegt nun mit vier Zählern den letzten Platz in Gruppe D. Um international zu überwintern, kommt es im nächsten Spiel der Gruppe D für die Eintracht zu Hause gegen Olympique Marseille (sechs Zähler) zum Schwur: Da sind die Hessen zum Siegen verdammt.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner stellt um

Oliver Glasner hatte natürlich seine Mannschaft gegenüber dem miesen Bochum-Spiel verändert und verändern müssen, Randal Kolo Muani, zuletzt gesperrt, war wieder dabei, auch Daichi Kamada und Makoto Hasebe, dem Sportvorstand Markus Krösche eine mögliche Vertragsverlängerung angeboten hat: „Er allein entscheidet, ob er noch weiterspielen will oder nicht. Wenn Makoto sagt, er will noch ein Jahr spielen will, dann spielt er weiter.“

Enttäuschte Frankfurter in London.
Enttäuschte Frankfurter in London. © Arne Dedert

Er sei ein „sehr schlauer Spieler“, und dank seiner Erfahrung enorm wichtig für die Mannschaft. Vor der Partie in Nord-London stärkte Krösche via Sky noch einmal Trainer Glasner den Rücken, „Oliver passt sehr gut zur Eintracht“, seine Art Fußball zu spielen korrespondiere sehr gut mir jener, die Eintracht Frankfurt spielen wolle. Im Vorfeld hatte es in der Öffentlichkeit diesbezüglich gewisse Irritation gegeben.

Eintracht Frankfurt: Götze zunächst auf der Bank

Allerdings hatte Glasner in diesem vierten Gruppenspiel Mario Götze zunächst auf der Bank belassen, an seiner Stelle begann Jesper Lindström, der mit seinem Tempo die Engländer in Verlegenheit stürzen sollte. Tatsächlich stürzte er den kurz zuvor schon mit Gelb verwarnten Stopper Eric Dier in Verlegenheit, der nach 14 Minuten beim Spielaufbau, vom Däne attackiert, den Ball verspringen ließ. Dann ging es ruck-zuck, Lindström passte auf Sebastian Rode, der auf Daichi Kamada und der Japaner blieb wenige Meter vor dem Tor kühl und schob zur überraschenden Frankfurter Führung ein. Das war, wie man so schön sagt, ein Auftakt nach Maß. Es war das, was Trainer Glasner im Vorfeld von seinen Mannen gefordert hatte: einen mutiger, keinen zögerlichen Auftritt hinzulegen.

Aber der Rückstand beeindruckte die Gastgeber weniger. Sie erhöhten alsbald die Schlagzahl und konnten sich natürlich auf ihre überragende individuelle Klasse verlassen. Es waren Harry Kane und Heung-Min Son, die beiden Ausnahmestürmer der Spurs, die den Unterschied machten und dem Spiel relativ zügig eine Wende gaben. Vor allem Kane, den Hasebe im Hinspiel noch abgekocht hatte, drehte richtig auf. Immer wieder ließ sich die Sturmspitze zurückfallen und setzte die Mitspileer brillant ein, etwa in der 20. Minute: Erst hatte er sich im Mittelfeld seines Gegenspielers entledigt und mit links Son auf die Reise geschickt, der Koreaner ließ sich nicht zweimal bitten und markierte überlegt den Ausgleich.

Kurz darauf setzte Kane persönlich zu einem atemraubenden Solo an, an vielen Frankfurtern vorbei, und erst Kristijan Jakic stoppte den Angreifer - dummerweise im Strafraum. Nach Intervention durch den VAR und nach Ansicht der Bilder deutete Schiedsrichter Del Cerro Grande auf den Punkt, Kane erledigte auch diese Aufgabe souverän. Schließlich erhöhte Son nach feiner Flanke von Pierre-Emile Hojbjerg mit einer Volleyabnahme sehenswert auf 3:1.

Erfolgreiche U19

In der Youth League hat die U19 von Eintracht Frankfurt einen Riesenschritt in Richtung K.o.-Spiele gemacht - dank dreier Tore binnen sieben Minuten. Bei den Tottenham Hotspur setzten sich die Hessen am Mittwoch mit 3:2 (0:2) durch. Dabei hatte es aus Sicht der Frankfurter lange Zeit nicht gut ausgesehen, zur Pause lagen sie 0:2 zurück. Nach dem Seitenwechsel aber drehte die Mannschaft von Trainer Damir Agovic auf. Erst schoss der niederländische Offensivspieler Divaio Bobson eine Flanke ins Tor (47.), dann staubte der gerade mal 16-jährige Stürmer Anas Alaoui zum Ausgleich ab (49.). Für den Siegtreffer sorgte schließlich Rechtsverteidiger Tim Hannak, der von der Strafraumgrenze mit einem sehenswerten Volleyschuss in den Winkel traf (53.). In der Folge entwickelte sich ein umkämpftes Spiel, in dem ein Londoner kurz vor Schluss die Rote Karte infolge einer Tätlichkeit sah.

Die Eintracht hat nun acht Punkte auf dem Konto, ebenso wie Sporting Lissabon, das sich am Mittwoch 1:1 von Olympique Marseille trennte. Tottenham, drei Zähler, und die Südfranzosen, zwei Punkte, hinken in der Gruppe hinterher. Nur die jeweiligen Tabellenersten qualifizieren sich direkt für die Runde der letzten 16 Teams, die Zweiten müssen vorab noch in einem Playoffspiel antreten. (FR)

Eine klare Sache, zumal Son und Cristian Romero noch die eine oder andere Gelegenheit liegen ließen. Dabei waren die Frankfurter so schlecht nicht. Sie versuchten ihr möglichstes, versuchten Paroli zu bieten, hatten durchaus häufig den Ball, aber in den Zonen, in denen es gefährlich hätte werden können, kamen sie nicht durch. Da verpufften die gut gemeinten Spielzüge. Es wurde auch viel zu sehr in die Breite gespielt, oft zurück, was natürlich daran lag, dass Tottenham die Räume enorm verdichtete. Ein Durchkommen gab es für die Frankfurter da nicht. Allein Lindström prüfte (32.) noch einmal Hugo Lloris.

Dagegen war, wie schon, im Hinspiel, die Frankfurter Angriffsspitze Randal Kolo Muani weitgehend angekoppelt. Der Franzose bekam kaum verwertbare Bälle, rieb sich förmlich zwischen den beiden Londoner Kanten auf.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp glänzt

Die Kreativabteilung bekam Kolo Muani nie ins Laufen. Und somit gelang es den Hessen nie, die Londoner Defensive auseinanderzuziehen oder so, wie nach 14 Minuten, in die Bredouille zu bringen.

Im Gegenteil: Die Eintracht musste aufpassen,nicht noch höher in Rückstand zu geraten. Es war Kevin Trapp, er mit einer Reihe von Paraden Schlimmeres,verhinderte, etwa in der 52. Minute nach einem Schuss aus nächster Nähe von Emerson oder bei einem Kracher von Son.

Dann kam es knüppeldick für die Hessen: Tuta, schon gelbverwarnt, hatte sich bei einem Duell mit dem nicht zu haltenden Son nur mittels eines weiteren Fouls behelfen können, prompt sah der Brasilianer die Ampelkarte. Nach seinem Disput vom Samstag in Bochum mit Kollege Trapp leistete sich Tuta erneut eine zumindest Ungeschicklichkeit. Und Makoto Hasebe musste nach einem Zusammenprall mit Beschwerden in der Kniekehle ausgewechselt werden. Da sah nicht gut aus.

Immerhin gab es noch einmal ein Lebenszeichen von der Eintracht: Eine Ecke köpfte der eingewechselte Faride Alidou zum Anschlusstreffer ins Tor. Und auf einmal wackelte Tottenham, Kane verschoss in der Schlussminute gar noch einen Elfmeter. Für die Eintracht sollte es aber nicht reichen. (Thomas Kilchenstein)

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