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Eintrachtler Michael Fink haute sich rein gegen Fener - vor 15 Jahren. Foto: AFP
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Eintrachtler Michael Fink haute sich rein gegen Fener - vor 15 Jahren.

Europa League

Eintracht Frankfurt gegen Fenerbahce Istanbul: Showdown am Bosporus

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht will in Istanbul den Gruppensieg klarmachen, dazu braucht sie nicht mal ein Wunder - das war vor 15 Jahren noch anders.

Frankfurt am Main - Das letzte Mal, als Eintracht Frankfurt zu Gast bei Fenerbahce Istanbul am Bosporus war, in Kadiköy auf der asiatischen Seite der Weltstadt, da hatte der FR-Reporter die Überschrift des Artikels schon in seinen Laptop getippt: „Das Wunder von Kadiköy.“ Der hessische Vertreter im Uefa-Cup (so hieß der Wettbewerb 2006 noch) führte 2:0 im Hexenkessel vor 50.000 frenetischen Fans; Naohiro Takahara, der Stürmer aus Nippon, hatte einen astreinen Doppelpack geschnürt, und die Eintracht, damals noch deutlich kleiner als heute, schien in Istanbul tatsächlich den großen Coup zu landen und die Gruppenphase zu überstehen. Wundersam.

Doch dann versagten die Nerven. Benny Köhler etwa, der mutterseelenalleine vor dem Tor das 3:0 hätte machen müssen, aber kläglich scheiterte. Oder Albert Streit, der ebenfalls eine dicke Chance versiebte. Oder Markus Pröll, dem verlässlichen Torwart, der plötzlich bedenklich wackelte. Die Türken, die nach einer Stunde mit zwei Toren in Rückstand lagen, drehten das Spiel: 1:2 nach 64, Ausgleich nach 82 Minuten. 2:2, Ende Gelände. Die Eintracht musste nach der Gruppenphase die Segel streichen, obwohl Trainer Friedhelm Funkel vor Stolz fast platzte: „Jeder hat um sein Leben gekämpft und den Adler in der Brust getragen.“ Und der FR-Reporter fügte seiner Überschrift, ganz pragmatisch, flugs zwei Worte hinzu: „Das Wunder von Kadiköy bleibt aus.“

Eintracht Frankfurt ist kein Underdog mehr

Wenn Eintracht Frankfurt am Donnerstag (08.12.2021, 18.45/RTL+ und im Livestream) fast auf den Tag genau 15 Jahre später im letzten Gruppenspiel der Europa League wieder in Istanbul aufschlägt, sind die Vorzeichen gänzlich anders. Die Eintracht ist längst nicht mehr das kleine Licht, das zufälligerweise mal irgendwie ins internationale Geschäft rutscht. In den vergangenen vier Jahren war sie dreimal international vertreten, das ist wohl eher kein Zufall. Auch in diesem Jahr hat sie sich auf europäischer Bühne gut präsentiert, drei Siege, zwei Remis, keine Niederlage. Das kann sich sehen lassen. Die Frankfurter reisen als Tabellenführer in die Metropole zwischen den Kontinenten, Fenerbahce steigt als Tabellendritter in die neu geschaffene Conference League ab – das steht schon fest, unabhängig vom Ausgang des Spiels.

Für die Eintracht geht es um mehr, sie will den Spitzenplatz in der Gruppe verteidigen, weil sie dadurch direkt ins Achtelfinale einziehen und die Zwischenrunde umgehen würde. Das würde die ganze Geschichte auch terminliche entzerren: Müssten die Hessen als Tabellenzweiter das Sechzehntelfinale bestreiten, würden sie schon am 17. und 24. Februar wieder antreten. Das erste Achtelfinale ist hingegen erst für den 10. März angesetzt. Das würde zwei Spiele und eine Reise sparen, und Trainer Oliver Glasner hätte deutlich mehr Trainingszeit mit seinem Team.

Die täglichen Einheiten, sagt der Coach fast beschwörend, seien nun mal entscheidend, um die Mannschaft fußball-taktisch zu entwickeln und sie auf ein höheres Level zu heben. Die fehlenden Stunden auf dem Übungsplatz hat der 47-Jährige stets beklagt, ohne sie aber als Entschuldigung für zeitweise indiskutable Leistungen vorzuschieben. Insofern ist das Duell am Donnerstag, wenn man so will, ein Spiel gegen die Zeit.

Eintracht Frankfurt: 1,1 Millionen Euro für den Gruppensieg

Und schließlich geht es natürlich auch noch um Prämien für die Spieler und Kohle für den Klub. Ein zusätzlicher Sieg würde nochmals 630.000 Euro bringen, der Gruppensieg 1,1 Millionen Euro und die Qualifikation fürs Achtelfinale 1,2 Millionen Euro – von allen anderen Zuwendungen, etwa aus dem Marktpool, mal abgesehen.

Von daher wird die Eintracht dieses Spiel gegen einen erstarkten Gegner gewiss nicht auf die leichte Schulter nehmen oder mit einer besseren B-Elf antreten, was Glasner sicher so gehandhabt hätte, wenn sein Team den ersten Matchball gegen Antwerpen verwandelt hätte. Vor zwei Wochen war es der eingewechselte Goncalo Paciencia, der der Eintracht in letzter Sekunde mit einem wunderbaren Kopfballtor immerhin ein 2:2 rettete. Das war nicht unwichtig, denn somit reicht ihr im Fernduell mit Olympiakos Piräus ein Punkt in Istanbul. „Wir fahren aber dorthin, um zu gewinnen“, stellt Glasner klar. Auf Unentschieden spielen ist auch nur selten gut gegangen.

Eintracht Frankfurt: Rotation wäre sinnvoll

Trotzdem wäre es angeraten und sinnvoll, wenn der Trainer ein bisschen rotieren und seine Mannschaft auf einigen Positionen verändern würde. Zuletzt schickte er binnen 14 Tagen viermal dieselbe Elf ins Rennen. Das schlaucht und geht nicht an jedem spurlos vorüber. Bei der 2:3-Niederlage in Hoffenheim schienen einige Spieler nicht mehr ganz so vital und frisch wie noch vor einigen Wochen – das liegt in der Natur der Sache.

So könnte Martin Hinteregger für Oldie Makoto Hasebe in die Mitte des Abwehrverbundes rücken, der Japaner wird in gut einem Monat 38 Jahre alt und könnte eine Pause gebrauchen – zumal nur drei Tage später ein schweres Bundesligaspiel ansteht: die formstarke Bayer-Elf aus Leverkusen stellt sich im Stadtwald vor. Denkbar wäre auch, dass Kapitän Sebastian Rode mal von Beginn an ran darf. Der 31-Jährige sorgte nach seinen Einwechslungen stets für Belebung. Die Frage ist, ob das Knie eine höhere Belastung durchsteht. Für ihn könnte Vielspieler Djibril Sow oder auch der zuletzt leicht überspielt wirkende Kristijan Jakic mal kürzertreten. Für Jesper Lindström könnte der in Hoffenheim sehr umtriebige Jens Petter Hauge einspringen, und vorne hätte sich Goncalo Paciencia einen längeren Einsatz verdient. Der Edeljoker trifft gemessen an der kurzen Spielzeit verlässlich.

Eintracht Frankfurt: Danny da Costa fristet Schattendasein

Und gewiss sollte Timothy Chandler auf der rechten Bahn mal abgelöst werden, das Urgestein trat zuletzt merklich uninspiriert und verhalten auf. Almamy Touré wäre der erste Vertreter, der oft so wankelmütige Franzose stand zuletzt zumindest immer im Aufgebot, was man von Erik Durm, Danny da Costa und Aymen Barkok nicht behaupten kann. Gerade da Costa fristet ein Schattendasein, in den letzten zehn Spielen durfte er nicht eine Minute spielen, in sechs der letzten sieben Bundesligapartien schaffte er es nicht in den Spieltagskader. Das riecht nach einer Trennung, spätestens im Sommer, wenn der Vertrag ausläuft.

Für die Profis, die zuletzt kaum spielen durften oder es nicht mal ins Aufgebot schafften, ist die Situation schwierig, doch Coach Glasner ist da ganz pragmatisch: „Ich beurteile die Spieler nicht nach ihrer Vertragssituation, dem Alter oder dem Aussehen“, sagt er. „Es gibt nur ein Kriterium, das entscheidet, und das ist Leistung.“ Alles andere wäre ja auch irgendwie paradox. (Ingo Durstewitz)

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