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Ante Rebic im Zweikampf mit Willi Orban.

Eintracht gegen RB Leipzig

Eintracht Frankfurt fehlt der letzte Biss

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Eintracht hätte das Spiel gegen Leipzig früh entscheiden können - und muss sich am Ende mit einem 1:1 gegen RB Leipzig begnügen.

Eine gute Viertelstunde hätte Ante Rebic nur gebraucht, um wieder zum Helden zu werden, fast so wie vor Monaten im Pokalfinale. Die letzten Minuten liefen, Eintracht Frankfurt hatte die zweite Luft bekommen und Filip Kostic spielte eine Flanke vor das Leipziger Tor, punktgenau auf den Stürmer. Rebic stand Aug in Aug mit dem Leipziger Torwart Peter Gulacsi, er hätte links von ihm ins Tor treffen können oder rechts. Doch er schoss den Torwächter an, verpasst war die große Chance auf ein Happy End, dahin der mögliche Sieg, es wäre der erste vor heimischen Publikum in dieser Saison gewesen.

Ein paar Minuten später war Schluss, die Partie der beiden Europa-League-Teilnehmer endete 1:1 (1:0) und nicht nur Makoto Hasebe haderte: „Ich bin unzufrieden. Wir hätten die drei Punkte holen können.“ Stürmer Sebastien Haller legte dann im Nachgang den Finger in die Wunde. Nach dem 1:0 durch Gelson Fernandes (26.) hätten „wir sie erledigen müssen.“ Doch Luka Jovic (28.), der Matchwinner von Marseille, hatte dieses Mal nicht getroffen, Gulacsi wehrte seinen Schuss noch ab.

Es war, und darüber waren sich die beiden Trainer Adi Hütter und Ralf Rangnick einig, ein „intensives Bundesligaspiel“ mit Chancen auf beiden Seiten, viel Einsatz, viel Leidenschaft, viel Spielfluss und mit einem gerechten Ausgang. „Das Remis geht in Ordnung“, sagte Hütter. Die Eintracht hätte dieses Spiel gewinnen können, wenn sie eben das zweite Tor nachgelegt hätte, Leipzig war in der zweiten Hälfte bis auf die letzte Viertelstunde die bessere Elf und hätte zweimal durch Timo Werner sowie Emil Forsberg in Führung gehen können. Beiden Teams war nicht anzumerken, dass sie 72 Stunden zuvor noch ein Spiel in der Europa League in den Knochen hatten. Bis zum Schluss wurde um jeden Meter Boden heißblütig gerungen.

Taktische Veränderung

Taktisch hatte Hütter dieses Mal eine Veränderung vorgenommen. Erstmals in der dieser Bundesliga-Saison spielten die Hessen in einer Fünferkette mit Makoto Hasebe als zentralem Mann und, dies war die Überraschung, mit dem Offensivmann Filip Kostic auf der linken Seite. Und Kostic zog sich auf dieser für ihn ungewohnten Position - mit einer Ausnahme beim Handelfmeter - achtbar aus der Affäre; vor allem spielte er, anders etwa als Jetro Willems, jeden Ball gleich nach vorne. „Für einen Offensivmann hat er defensiv ordentlich gespielt“, lobte Hütter.

Um ein Haar hätte der Serbe (81.) sogar ein Tor geschossen, doch der Treffer wurde wegen Abseits nicht anerkannt - eine Fehlentscheidung. Schiedsrichter Felix Brych, der auf das zu frühe Winken des Linienrichters Mark Borsch reagierte, hatte hinterher seinen Fehler eingeräumt. Warum der Linienrichter nicht, wie es mittlerweile üblich ist, die Szene zu Ende hatte spielen lassen, um dann mit Hilfe des Videoassistenten die Szene neu zu bewerten, bleibt sein Geheimnis. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, urteilte auch Hütter.

Es dauerte eine halbe Stunde, ehe dieses späte Sonntagsspiel an Fahrt aufnahm. Beide Teams, mit unterschiedlichem Erfolg noch am Donnerstag europäisch unterwegs, tasteten sich vorsichtig ab, wollten nicht ins Risiko gehen, und wenn es mal gefährlich zu werden schien, stand auf beiden Seiten einer im Abseits. Dann aber entschädigten fünf Minuten für die anfängliche kollektive Unschlüssigkeit: David Abraham, am Ball sehr unsicher, schickte den Europa-League-Helden Luka Jovic, dessen Flanke köpfte Haller so, dass Leipzigs Torwart Gulacsi nur abklatschen konnte. Den Abstauber drückte der nun wahrlich nicht als Vollstrecker bekannte Gelson Fernandes ins Tor (26.).

Die Analyse des Spiels im Podcast vom Rasenfunk

Zu diesem Zeitpunkt waren die anfangs seltsam indisponiert wirkenden Sachsen allerdings in Unterzahl, Kapitän Willi Orban hatte sich außerhalb des Spielfeldes behandeln lassen müssen. Und nur zwei Minuten nach der Führung hätte Jovic das 2:0 machen müssen, allein stand er vor Gulacsi, der seinen Schuss abwehren konnte: Der Ball rollte nur Zentimeter am Tor vorbei. Und ums Haar hätte sich Fernandes ein weiteres Mal in die Torschützenliste eintragen können, doch seinen Schuss aus spitzem Winkel parierte der Leipziger Schlussmann (30.). „Wir hätten mehr als einen Punkt verdient“, sagte Fernandes. Dennoch überwog auch bei ihm das Positive: Man habe gegen eine Spitzenmannschaft gespielt „und keinen großen Unterschied gesehen.“

Spätestens nach dem Ausgleich von Emil Forsberg (53.) durch einen von Kostic verursachten Handelfmeter waren allerdings die Leipziger am Drücker. Sie hatten in der zweiten Hälfte mehr vom Spiel, zeigten auch eine andere Körpersprache als in der ersten 45 Minuten und hatten genügend Chancen, die Partie zu entscheiden. Das hätte sich fast gerächt, wenn Ante Rebic spät getroffen hatte.

Gut 60 Minuten vor der Partie freilich war an Fußball in Frankfurt noch kaum zu denken. Neben dem heftigen Wind, der sogar einige Fanstände wegwehte, setzte starker Regen ein. Das Wasser floss zeitweise nur so die Straßen rund um die Arena hinab. Weil der Niederschlag rechtzeitig aufhörte, konnte das Duell der Europapokal-Starter doch pünktlich angepfiffen werden.

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