Nach Schlappe in München

Eintracht Frankfurt taumelt den Abstiegsrängen entgegen

  • Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verliert erwartungsgemäß auch bei den Bayern und hofft am Dienstag gegen den SC Freiburg auf die Trendwende – doch warum sollte auf Knopfdruck alles besser werden, was vorher falsch lief?

  • Eintracht Frankfurt verliert beim FC Bayern krachend mit 2:5
  • Der nächste Gegner in der Bundesliga heißt SC Freiburg
  • Doch warum sollte bei Eintracht Frankfurt jetzt auf Knopfdruck alles besser werden?

Frankfurt - Zumindest die Lacher hatte die Eintracht zum schlechten Schluss auf ihrer Seite. „Das sah sicherlich lustig aus“, bedeutete Verteidiger Martin Hinteregger und gestand, insgeheim selbst geschmunzelt zu haben, aber nur ein kleines bisschen. 

Es ging um dieses Eigentor des Österreichers, jenes zum 2:5-Endstand beim Auswärtsspiel in München, das zweifelsfrei in die Kategorie Slapstick gehört. Irgendwie versuchte der Mann, den sie Hinti nennen, kurz vor der Torlinie in höchster Not zu retten, was zu retten gewesen wäre, aber halt nicht so: Hinti schoss sich mit dem einen Fuß an die andere Hacke und wieder zurück, und schließlich landete der Ball im Kasten. „Passiert, was soll man machen?“, befand er, „es war eines meiner schönsten Eigentore.“ Schön nicht, aber kurios. 

Eintracht Frankfurt verliert beim FC Bayern: Hinteregger trifft drei Mal

Auf das Endergebnis hatte das Missgeschick nur numerische Auswirkungen, diese Partie in Fröttmaning hätten die Frankfurter auch so verloren, selbst wenn Trainer Adi Hütter seiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen wollte und fand, dass „wir eine sehr ordentliche Leistung gezeigt haben“. Nach einem sauberen 2:5, wohlgemerkt.

Hinteregger hat die Begegnung dennoch geprägt, er hat nämlich per Doppelschlag zwei eigene Tore erzielt (52.,55.), zum zwischenzeitlichen 2:3, und damit kurzzeitig ein wenig Hoffnung aufflackern lassen. Wobei die Betonung klar auf „kurzzeitig“ und „ein wenig“ liegen sollte. Der 27-Jährige hat mit seiner persönlichen Darbietung an der erwarteten Niederlage, für die neben Hinteregger auch die Bayern Spieler Leon Goretzka (17.), Thomas Müller (41.), Robert Lewandowski (46.) und Alphonso Davies (61.) sorgten, nichts ändern, aber zumindest ein paar kleine Rekorde knacken können. 

Eintracht Frankfurt verliert beim FC Bayern - und Hintereggers Hochform lässt tief blicken

Derzeit ist er der torgefährlichste Abwehrspieler der Eliteklasse, achtmal netzte er schon ein, siebenmal davon nach einer Ecke – das hat bisher kein anderer Verteidiger in der Bundesliga geschafft. Der Kärtner hat sich mit seinen acht Treffern auch an die Spitze der internen Torschützenliste gesetzt, erzielte mehr Treffer als Goncalo Paciencia (7), André Silva (5) oder Bas Dost (5). 

Das lässt tief blicken und ist verstörend bei einem Verein, der vor einem Jahr europaweit noch für seine drei Angreifer bewundert und gefürchtet wurde. Doch die Probleme der Eintracht liegen sehr viel tiefer, fehlende Stürmertore sind nur ein kleines Puzzleteil. 

SGE taumelt nach Niederlage beim FC Bayern Richtung Abstiegsränge

Die nackten Zahlen sollten den Frankfurtern die Sorgenfalten tief ins Gesicht ziehen. Die letzten fünf Bundesligapartien haben sie verloren, 0:4 in Dortmund, 1:2 gegen Union Berlin, 0:4 in Leverkusen, 1:3 gegen Mönchengladbach, 2:5 in München. Hinzu kommt ein 0:3 unmittelbar vor der Corona-Zwangspause gegen den FC Basel in der Europa League. Das sind ganz klar die Zahlen eines heißen Abstiegsanwärters, und da greift auch das Argument ins Leere, dass sich die Eintracht nun in München nicht ganz so arg vermöbeln ließ, wie es vorher vielleicht erwartet worden war und sich besser präsentierte als zum Neustart gegen Mönchengladbach. 

Es ist bezeichnend, wenn die Protagonisten mit einem 2:5 halbwegs zufrieden sind. Schadensbegrenzung steht über allem, in der momentanen Situation wird selbst eine deftige Pleite in München als (kleiner) Erfolg verkauft. Da wird schon eifrig Sand in die Augen gestreut. Aber was bleibt ihnen andererseits anderes übrig, als das wenig Positive hervorzuheben? Torschütze Hinteregger wählte mahnende Worte: „Wir müssen schleunigst sehen, dass wir in die Spur kommen und Punkte holen. Der Blick ging schon vor der Corona-Krise nach unten.“ 

Wie soll es auf Knopfdruck bei Eintracht Frankfurt besser werden?

Die Eintracht-Entourage lenkt den Blick auf die kommenden Aufgaben, in denen Spiele gegen Gegner anstehen, „mit denen wir uns auf Augenhöhe sehen“, wie Coach Hütter anmerkt. Am Dienstag (20.30 Uhr) geht es zu Hause gegen den SC Freiburg (bei uns im Live-Ticker), anschließend zum VfL Wolfsburg, ehe das Nachholspiel in Bremen und das Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 anstehen. „Jetzt kommen harte Wochen auf uns zu. Ab Dienstag gilt’s“, gibt Sebastian Rode die Parole aus.

Die Frage ist nur, weshalb auf Knopfdruck alles besser werden soll, was zuletzt nicht lief. Garantien, gegen Opponenten zu punkten, die nicht das Potenzial der absoluten Spitzenklubs haben, gibt es nicht. Dazu genügt ein kurzer Blick zurück: In den nun noch ausstehenden acht Partien holte die Eintracht in der Vorrunde gegen dieselben Kontrahenten ganze zwei Punkte, jeweils ein 2:2 gegen Werder Bremen und Hertha BSC. Selbstläufer werden das also nicht. Im Gegenteil. Mit jedem erfolglosem Spiel wächst der Druck. 

Die Defensiv-Probleme bei Eintracht Frankfurt

Fakt ist, dass die Eintracht schon das zweite Mal in dieser Saison in eine veritable Krise gestürzt ist, im alten Jahr holte sie aus den letzten sieben Partien vor der Winterpause nur einen Zähler. Jetzt hat sie fünfmal am Stück verloren, das hat kein anderes Team in dieser Phase geschafft. Der Trend ist und bleibt besorgniserregend: Aus den letzten 16 Partien hat die Eintracht nur drei Siege und elf (von 48) Punkte geholt – das ist höchst alarmierend.

Genauso wie das Defensivverhalten, das jeder Beschreibung spottet, die Abwehr ist ein Torso – und zwar nun schon über viele Spiele hinweg. In den zurückliegenden fünf Partien hat die Eintracht sage und schreibe 18 Gegentore geschluckt. Das ist, überspitzt formuliert, der blanke Wahnsinn. In der Summe haben die Hessen nach 26 Begegnungen bereits 49 Treffer kassiert, mehr als in der gesamten vorherigen Saison (48).

Es ist an der Zeit, dass Trainer Hütter umstellt. Es ist zwingend notwendig, den klügsten Fußballer, Makoto Hasebe, wieder einzubauen, am besten als Kopf einer Dreierabwehrkette. Filip Kostic könnte dann auf links wieder mehr mit Anlauf kommen, was ihm zugute kommt. Im Mittelfeld sollte der Coach mehr Fußballer einbauen und vorne unbedingt auf zwei Spitzen umstellen. Das garantiert zwar keinen Sieg gegen Freiburg, ist aber allemal besser als das Prinzip Hoffnung.

Rubriklistenbild: © Andreas Gebert/Reuters-Pool/dpa

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