1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt gegen Bayern München: Rode fehlt, Kamada wackelt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Da steht das Tor: Eintracht-Trainer Oliver Glasner.Foto: Imago images
Da steht das Tor: Eintracht-Trainer Oliver Glasner.Foto: Imago images © imago images/Uwe Kraft

Eintracht-Trainer Oliver Glasner will die Bayern auch ohne Sebastian Rode ärgern - er weiß ja am besten, wie es gehen kann.

Frankfurt - Irgendwann im Laufe der Pressekonferenz mit Eintracht-Trainer Oliver Glasner erdrückte die Stille für einige Sekunden den Raum. Glasner hatte ausgesprochen, was wohl fast alle ihm gegenübersitzenden Medienleute dachten und fühlten: Schlechte Ergebnisse, Frankfurter Formkrisen, eine mögliche Überraschung seines Teams am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Bayern München - im Großen und Ganzen dann doch irgendwie recht egal, „im Vergleich nur Kindergeburtstag“, so Glasner.

Im Vergleich zu jenen schrecklichen Bildern also, die die Welt in diesen Tagen aus der Ukraine erreichen. Auch Glasner wirkte darob mitgenommen, erzählte von Igor Simonov, dem Zeugwart bei Eintracht Frankfurt, einem gebürtigen Ukrainer, einst Profi bei Schachtar Donezk, der seit vielen, vielen Jahren für die Hessen arbeitet und Teile seiner Familie im Großraum Donezk weiß. „Seine Brüder“, so Glasner mit Kloß im Hals, „müssen jetzt befürchten, eingezogen und an die Front geschickt zu werden.“ Weiterer Worte bedurfte es nicht. Stille, Mitgefühl, Beklemmung.

Eintracht Frankfurt trifft auf den FC Bayern München - 25.000 Fans im Stadion

Aber natürlich, so unbedeutend es auch sein mag im großen Ganzen, wird am Wochenende hierzulande der Ball nicht ruhen, für die Eintracht steht vor zugelassenen 25.000 Fans im Waldstadion das Spiel gegen den designierten Meister aus München an. Trainer Glasner, dann wieder auffällig zuversichtlich, hat sich mit seiner Mannschaft viel vorgenommen. Auch im Vorfeld des Hinspiels, begann der Coach, habe ihm ja kaum jemand ernst genommen, als er einen Sieg als Ziel ausgab. „Was erzählt der da für einen Schwachsinn“, hätten die meisten Beobachter:innen gedacht. Am Ende stand ein 2:1 für die Eintracht, eine von überhaupt erst vier Ligapleiten der Bajuwaren. Ergo, sagte Glasner nun: „Wir gehen in das Spiel gegen Bayern München, um es zu gewinnen.“ Einfach, so schob der Österreicher noch eilig hinterher, werde es aber sicher nicht.

Die ernüchternde 0:1-Niederlage von Köln, die die Eintracht vorerst ins Tabellenmittelfeld zurückfallen ließ, sei vom Trainerteam jedenfalls „sehr kritisch, sehr klar, sehr deutlich“ mit den Spielern aufgearbeitet worden, aber auch mit sich selbst ist der Coach eigenen Angaben nach in den inneren Monolog gegangen. Sogar so hart, dass es selbst seiner Ehefrau Bettina irgendwann aufgefallen war. „Du sprichst ja gar nichts“, habe sie ihm beim Heimataufenthalt Anfang der Woche entgegnet. „Das waren intensive Tage für mich. Ich bin mit mir sehr klar und hart ins Gericht gegangen“, sagte Glasner. Das Ergebnis: ein noch motivierterer und zielstrebigerer Trainer. „Der Weg, den wir jetzt gehen müssen, ist ein gemeinsamer.“

Eintracht Frankfurt: Die Personalsituation vor dem Spiel gegen die Bayern

Blöd nur, dass wichtiges Personal am Samstag fehlen wird. Neben den Ersatzleuten Diant Ramaj und Ragnar Ache stehen auch der gelbgesperrte Kristijan Jakic und Kapitän Sebastian Rode mit einer schmerzenden Blessur an der Bauchmuskulatur nicht zu Verfügung. Zudem knallte Offensivspieler Daichi Kamada im Training mit seinem Knie gegen den Torpfosten, auch hinter seinem Einsatz „stehen relativ große Fragezeichen“, sagte Glasner.

Der Coach wird sich also vor allem bei der Besetzung des zentralen Mittelfelds seine Gedanken machen müssen. Neben dem gesetzten Djibril Sow bieten sich ihm für den freien Posten drei Optionen: Makoto Hasebe, zuletzt gegen Köln nach seiner Brustkorbverletzung noch für nicht fit genug befunden und zudem von Glasner sonst ausschließlich als Libero eingesetzt. Oder Ajdin Hrustic, ebenfalls erst am Donnerstag nach kurzer Verletzungspause zurückgekehrt ins Teamtraining. Zudem noch Stefan Ilsanker, der – ausgerechnet – im Hinspiel in München das letzte Mal in der Startelf stand, seine Sache dort prima machte, seitdem aber lediglich noch 13 Minütchen in der Liga spielen durfte.

Eintracht Frankfurt: Glasner deutet Systemanpassung gegen Bayern an

Jeder habe andere Stärken, erklärte Glasner: „Makoto hat die Ruhe am Ball und die Spielintelligenz, Ilse die Physis und Zweikampfstärke und Ajdin kommt mit der Visitenkarte eines starken Spiels in Stuttgart.“ Die Tendenz: Glasner vertraut dem erfahrenen Hasebe, ist dieser doch schlicht der beste Fußballer des Trios.

Unabhängig davon deutet sich eine Systemanpassung an. Im Training ließ der Coach sein Team im 3-4-3 üben - mit zwei defensiven Außenspielern. Auf rechts Timothy Chandler (oder Danny da Costa), auf links Christopher Lenz. Filip Kostic, der schwächelnde Dampfmacher, könnte somit wie im Hinspiel, als ihm der Siegtreffer gelang, in der offensiven Dreierreihe neben Jesper Lindström und Rafael Borré auflaufen und so für mehr Kontergefahr sorgen. Denn bei aller Angriffsstärke des FC Bayern, sagte Glasner, gebe es in der Münchner Defensive durchaus ab und an Freiräume, „und die wollen wir nutzen.“

Auch interessant

Kommentare