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Eintracht Frankfurt: Willkommen in der Realität

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Hält man ja im Kopf nicht aus: Jesper Lindström, frustriert.
Hält man ja im Kopf nicht aus: Jesper Lindström, frustriert. © dpa

Die Eintracht kommt im ersten Spiel gegen die Bayern gewaltig unter die Räder und muss sich fragen lassen, ob die ganze Lobhudelei nicht doch schädlich war.

Frankfurt – Die dezidierte Gegneranalyse hätte sich Oliver Glasner auch schenken können. Denn was nutzt die beste Vorbereitung, wenn sich sowieso niemand daran hält? Und so kam es, dass seine Frankfurter Mannschaft im Bundesliga-Eröffnungsspiel gegen den FC Bayern München all das machte, was sie nicht hätte machen sollen, mit dem mittlerweile bekannten bösen Ende: einer blamablen 1:6-Abreibung, die blöderweise auch noch um die halbe Welt ging. „Sie haben uns den Arsch aufgerissen“, formulierte Eintracht-Kapitän Sebastian Rode drastisch. „Ein Debakel.“

Bei seinem Trainer hörte sich das etwas geschliffener und analytischer an. „Wir wollten tiefer stehen, den Bayern wenig Raum geben“, sagte er. Doch es kam anders: „Wir waren zu offensiv, haben ihnen Platz gelassen und dann irgendwann den Kopf verloren. Wir waren zu wild, wir wollten zu viel.“ Rausgekommen ist verdammt wenig. Außer lange Gesichter und die Erkenntnis: So wird das nix mit dem Aufmischen der Bundesliga.

Eintracht Frankfurt gegen Bayern München: Ein Klassenunterschied

Genau so wollte man eben nicht auftreten, sagt der Fußballlehrer, „doch manchmal nimmt es so eine Dynamik an, und ich habe es auch nicht geschafft, das von außen zu korrigieren.“ Das bittere Ende: Eine Klatsche der übelsten Sorte, gleich zu Beginn, vor einem Millionenpublikum. Ach herrje.

Die scheinbar nicht enden wollende Euphorie in Frankfurt ist jedenfalls schnell verflogen, wer dachte, Eintracht Frankfurt würde jetzt als Europa-League-Sieger die Spitze attackieren und sei schon so weit, um in die Phalanx der ganz Großen einzubrechen, wurde eines Besseren belehrt. Auf dem Rasen war gerade im ersten Abschnitt, der – zack, zack – 5:0 für die Bayern endete, ein Klassenunterschied zu sehen – mindestens.

War Eintracht Frankafurt zu euphorisch?

Mit dem Fünferpack waren die Hessen noch gut bedient. „Es hätte auch das eine oder andere Tor mehr sein können“, räumte Sportvorstand Markus Krösche ein und schlussfolgerte richtigerweise: „Wir sind in der Realität angekommen.“ Sein Team habe „viel zu naiv“ gespielt, die Kontrolle und Ordnung verloren, als Mannschaft schlecht verteidigt. Und sie ist nach dem frühen Rückstand blindlings ins Verderben gelaufen, hatte den extrem schnellen Bayern nichts entgegenzusetzen.

„Wir waren mit ihrem Tempo überfordert“, klagte Trainer Glasner, der nach dem 0:5 in der Halbzeit auf eine geharnischte Ansprache verzichtete. „Jeder von uns war bedient, da brauchst du nicht noch einen Einlauf“, befand Kapitän Rode, der von seinem Ex-Klub fast schon angetan war. „Das war einfach ein Überrollen. Das ging zu schnell für uns. Wir waren vielleicht etwas zu euphorisch.“

Ganz offensichtlich hat im Stadtwald eine gewisse Laissez-faire-Haltung Einzug gehalten, gewiss nicht bewusst, aber unterbewusst. Wer zweieinhalb Monate in den Himmel gehoben und ohne Ende hofiert wird, kann sich schon mal für besser und stärker halten als er eigentlich ist. Doch die Eintracht hat zumindest international genau die andersherum gerichtete Einstellung stark gemacht, frei nach dem Motto: Ihr seid vielleicht größer, aber wir sind gieriger. Da obliegt es nun an der Sportlichen Leitung mit Manager Krösche und Trainer Glasner, entsprechend gegenzusteuern. „Manchmal ist es besser, gleich einen Nackenschlag zu bekommen, damit nicht jeder denkt, es geht so weiter wie letztes Saison“, urteilte Coach Glasner.

Eintracht Frankfurt: Glasner äußert sich zu Zukunft von Kostic

Der 47-Jährige muss zudem noch die Causa Filip Kostic moderieren, ohne dass es auf die Mannschaft abfärbt. Denn mittlerweile vergeht wieder kein Tag, ohne dass nicht neue Nachrichten aus Italien kommen, wonach Juventus Turin mit dem Spieler klar sei und ein Angebot vorbereite oder abgegeben habe. Indes: Der Eintracht liegt definitiv nichts vor. Und Sportchef Krösche hat auch keine Lust mehr, die stetigen Meldungen zu kommentieren. „Wir werden sehen, was passiert“, sagt er. „Ein Angebot gibt es nicht. Stand jetzt.“ Kann ja noch kommen, wer weiß.

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