+
Auf sie wird wieder viel ankommen: die starken Frankfurter Flügelspieler Filip Kostic (lrechts) und Danny da Costa.

Eintracht Frankfurt

Eintracht-Trainer Hütter setzt auf altbewährtes Erfolgsrezept

  • schließen

Kommt Torhüter Trapp, sind die Frankfurter hinten ordentlich aufgestellt – und vorne setzt Trainer Hütter auf sein altbewährtes Erfolgsrezept.

Frankfurt - In Tallinn vor knapp zwei Wochen hatte Felix Wiedwald vergeblich gewartet: Der Torhüter von Eintracht Frankfurt sollte und wollte nach seiner Startelfnominierung für das Europa-League-Qualifikationsduell in Estland mit den wenigen mitgereisten Reportern über seine Eindrücke plaudern. Blöd nur, dass zeitgleich Trainer Adi Hütter den Journalisten seine Analyse des 2:1-Erfolgs in die Blöcke diktierte. Also zog Wiedwald unverrichteter Dinge von dannen. Es könnte für lange Zeit die letzte Möglichkeit gewesen sein, mit dem 29-Jährigen ins Gespräch zu kommen.

Wenn nämlich alles glatt läuft, soll am Donnerstag beim nächsten Europacupspiel in Liechtenstein ein alter Bekannter das Tor der Hessen hüten: Kevin Trapp. Die Frankfurter wollen die Rückkehr des Ballfängers von Paris Saint-Germain möglichst vor den beiden Duellen gegen den FC Vaduz perfekt machen und Trapp auf den letzten Drücker auch für den Kader nominieren. Der sehr geschätzte Jan Zimmermann würde, sollte mit Trapp alles klappen, in Liechtenstein als Ersatz auf der Bank sitzen; und der nicht ganz so geschätzte Wiedwald könnte sich einen neuen Klub suchen – ebenso übrigens wie Frederik Rönnow. Der derzeit verletzte Däne, eigentlich ja erster Ersatz, will spielen, wäre bei einem Trapp-Kauf aber wieder nur die Nummer zwei und hat im Hintergrund andere Optionen längst abgefragt. Sollte Rönnow tatsächlich gehen, müsste die Eintracht neben Trapp noch einen weiteren neuen Torhüter holen.

Kevin Trapp kurz vor einer Rückkehr zu Eintracht Frankfurt

Eine der größten Baustellen im Kader der Hessen dürfte bald geschlossen sein. Denn, ganz klar, Kevin Trapp ist ein überdurchschnittlicher Mann zwischen den Pfosten. Nicht immer herausragend, aber doch oft genug fehlerlos in seinen Abwehraktionen. Zudem strahlt der deutsche Nationaltorhüter große Ruhe aus und färbt damit auch auf seine Abwehrkollegen vor ihm ab.

Dort sind die Transferaktivitäten in der vergangenen Woche abgeschlossen worden – immer unter der Voraussetzung, dass nichts Unvorhergesehenes passiert. Eine Verletzung zum Beispiel oder ein Abgang. So äußerte ja Ersatzmann Simon Falette, dass er unbedingt mehr spielen wolle, was für ihn bei der Eintracht in einer Regelmäßigkeit allerdings schwierig wird. Kann sich der Franzose dazu durchringen, den verlässlichen Backup zu geben, würden ihn die Frankfurter gerne behalten. Ansonsten aber ist die Eintracht hinten dicht. Martin Hinteregger wollte sie unbedingt, weil er auf allen drei Positionen der Abwehrreihe spielen kann. Der Österreicher kann David Abraham rechts ebenso entlasten wie Evan Ndicka links. Selbst Makoto Hasebe vertrat er als Libero schon.

Eintracht Frankfurt hinten gut aufgestellt – Hinti sei dank

Die Hessen werden also mit identischem abwehrenden Personal der Rückrunde in die neue Saison gehen. Auf der einen Seite ist die Defensivtruppe also eingespielt, auf der anderen offenbarte sie auch die eine oder andere Schwachstelle. Kapitän Abraham macht zum Beispiel nicht den Eindruck, eine ganze Saison auf höchstem Niveau durchziehen zu können. Das hatte er schon vergangene Spielzeit nicht geschafft, er kam nur auf 27 Einsätze von 50 möglichen, diese Zahl wird der verletzungsanfällige Profi mit nunmehr 33 Jahren nicht erheblich steigern können. Insofern ruhen die Hoffnungen auch auf Almamy Touré, dem die Verantwortlichen viel zutrauen, der körperlich beste Voraussetzungen mitbringt, der seit seiner Ankunft im Winter aber durch zu viele Leichtsinnsfehler auffiel. 

Ebenfalls hat auch Tourés französischer Landsmann Ndicka eine Menge Potenzial. Für den 19-Jährigen wird es aber erst einmal wichtig sein, sich wieder an die starke Form der vergangenen Hinrunde heranzuschuften. Bis dahin ist es noch ein Stückchen, fehlerfrei präsentierte sich Ndicka in der Vorbereitung nicht. Marco Russ und der junge Brasilianer Tuta spielen dagegen überhaupt keine Rolle. Zusammengefasst sind die Frankfurter hinten, Hinti sei dank, also sehr ordentlich aufgestellt, haben einige Variationsmöglichkeiten, eine Verbesserung des Kaders gab es aber nicht.

Gleiches gilt für die Außenbahnen, vergangene wie kommende Saison sicher das Prunkstück des Offensivspiels. Filip Kostic auf links und Danny da Costa auf rechts können gegnerische Abwehrriegel sprengen. Allerdings: Beide sind nach wie vor ziemlich auf sich allein gestellt. Zwar wurde Erik Durm als Backup für die Außen geholt, defensiv bringt er auch ein solides Niveau mit, offensiv aber erreicht er jenes der beiden anderen längst nicht. Sollten Kostic oder da Costa länger verletzt fehlen oder in ein Formtief stürzen, müsste Adi Hütter andere Attackevarianten austüfteln. Nicht ganz so leicht.

Wechselmöglichkeiten für Trainer Adi Hütter im zentralen Mittelfeld

Mehr Wechselmöglichkeiten bieten sich dem Trainer dagegen im zentralen Mittelfeld. Defensiv kann er zwischen den Abräumern Gelson Fernandes und Lucas Torro wählen - je nach dem, ob er nun einen laufstarken (Fernandes) oder einen kopfballstarken (Torro) Zerstörer braucht. Davor in der Achter-Rolle tummeln sich gleich sechs Spieler. Der beste Mann, Sebastian Rode, und der mit den größten Vorschusslorbeeren, Djibril Sow, sind im Kopf von Hütter die ersten Optionen. Wenn sie fit sind, werden sie häufig spielen. Dominik Kohr gilt als erster Ersatz, ist aber eine wesentlich brachialere Variante, Daichi Kamada eine spielerisch stärkere. Jonathan de Guzman und der völlig außer Form befindliche Mijat Gacinovic dagegen werden nur mühsam auf ihre Einsatzzeiten kommen. Die größte Gemeinsamkeit aller Genannten: Torgefährlich war von ihnen in der Vergangenheit niemand.

Ein Manko, dass mit Blick auf die Abgänge im Angriff nicht unterschätzt werden sollte. Stand jetzt wurde für die abgewanderten Luka Jovic und Sebastien Haller (47 Pflichtspieltore) lediglich der 19-jährige Dejan Joveljic geholt. Der junge Serbe hat Potenzial, wird auch seine Chancen von Trainer Hütter erhalten, vermutlich auch Tore schießen, ausreichen für einen ähnlichen Höhenflug wie in der Vorsaison dürfte das aber nicht. Zumal Ante Rebic sich wegen Rückenschmerzen bisher nicht in Form bringen konnte.

Viel wird im Frankfurter Spiel deshalb mit dem noch zu verpflichtenden Torjäger stehen und fallen, er wird nicht nur mutmaßlich zum Rekordeinkauf der Hessen avisieren, er muss diese Millionenablöse auch rasch rechtfertigen. Denn einen verlässlichen Knipser braucht die Eintracht. Im besten Fall sollte er ohne Anlaufzeit funktionieren. Eine Vorbereitung wird er mit seiner neuen Mannschaft jedenfalls nicht mehr absolvieren können.

Mögliche Gegner der Eintracht in der Europa League

Rainer Falkenhain, langjähriger Leiter der Lizenzspielerabteilung der Eintracht und mittlerweile Vorstandsberater, hatten die Frankfurter nach Nyon entsandt, er durfte dem eifrigen Kugelziehen im Uefa-Hauptsitz zusehen. Und bekam hautnah mit, wie die Hessen ihre möglichen Gegner für die Playoffrunde der Europa-League-Qualifikation zugeteilt bekamen. Sollten sie sich gegen den FC Vaduz durchsetzen, wird die Eintracht am 22. und 29. August entweder auf Lokomotive Plowdiw oder Racing Straßburg treffen. Die Bulgaren aus Plowdiw, aktuell Vierter in der bereits gestarteten Liga, hatten den Pokal errungen und sich damit die Teilnahme an der Qualifikation gesichert. Straßburg beendete die vergangene Saison auf Rang elf, gewann aber den Ligapokal in Frankreich. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare