Solche großartigen Choreos gibt es in der Frankfurter WM-Arena seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.
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Solche großartigen Choreos gibt es in der Frankfurter WM-Arena seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr.

Ultras und andere Gruppierungen

Fanszene lehnt Teilöffnung der deutschen Fußball-Stadien ab – „Alle oder keiner!“

  • Melanie Gottschalk
    vonMelanie Gottschalk
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Viele organisierte Fangruppierungen kündigen bei einer Teilöffnung der Fußballstadien in Deutschland an, lieber daheim bleiben zu wollen.

  • Fangruppierungen lehnen DFL-Konzept zur Teilöffnung der Fußballstadien ab
  • Auch Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt sagt: „Ganz oder gar nicht!“
  • Ultras könnten auf Stadionbesuch verzichten

Frankfurt - Am Dienstag (04.08.2020) entscheidet die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gemeinsam mit den 36 Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga über eine teilweise Rückkehr der Fans in die deutschen Stadien. Natürlich müsste dieser Entschluss noch von der Politik und den jeweiligen Gesundheitsämtern bestätigt werden. Doch schon bevor eine Entscheidung bei der DFL und den Vereinen gefallen ist, haben sich zentrale Fan-Gruppierungen kritisch zu dem Thema geäußert. Mit dabei sind unter anderem die Ultras.

Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt der Meinung: „Ganz oder gar nicht“

Sie lehnen die mögliche Teilöffnung der Stadien zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison am Freitag, 18.09.2020, ab. „Bei vielen Ultras herrscht eine große Skepsis und die Meinung: Wenn wieder Leute in die Stadien dürfen, dann alle“, sagt Sig Zelt vom Bündnis „ProFans“. Es sei kein gutes Gefühl, wenn nur ein kleiner Teil der Fanszene die Chance bekäme, wieder in die Stadien gehen zu dürfen. Das ist auch die Meinung von Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt. Er sagte bereits vor einigen Wochen zum Thema Bundesliga und Fans knapp: „Ganz oder gar nicht“.

Das DFL-Konzept sieht die Öffnung der Stadien trotz der anhaltenden Corona-Krise unter einem strengen Hygienekonzept vor. So sollen keine Gästefans in die Stadien dürfen, Abstandsregeln müssten beachtet werden und die Tickets würden personalisiert. Alkohol solle es auch keinen geben, Singen und gemeinsames Jubeln wäre wohl ebenfalls untersagt. Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) hatte beispielsweise vorgeschlagen, „rufen, singen und schreien wenn möglich zu vermeiden“.

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Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt spricht von Verzicht, nicht von Boykott

Das jedoch hält ProFans-Sprecher Zelt für unrealistisch: „Natürlich gehören bei uns die Nähe, das laute Äußern und die Gesänge zu einem Fußballspiel dazu“, sagte er gegenüber der ARD-Sportschau. Aufgrund dieser Probleme kann sich Zelt vorstellen, dass organisierte Fangruppen trotz der Öffnung auf einen Stadionbesuch verzichten würden. „Das ist durchaus denkbar“, sagte er.

Als Verzicht bezeichnet es auch Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt: „Klar, Kompromisslösungen haben nichts mit dem Fußballerlebnis zu tun, die den besonderen Charakter unserer Heimspiele ausmachen. Deswegen darf man eine kritische Haltung der Fans auch nicht als Boykott oder harte Linie sehen“, sagte er gegenüber der „Bild“.

Fan-Bündnis „Unsere Kurve" kritisiert DFL-Pläne

Kritik an den DFL-Plänen zur Rückkehr von Fans in die Fußballstadien kommt ebenfalls vom Fan-Bündnis „Unsere Kurve“. „Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regelmäßiger Stadiongänger habe, wir leben in einer Pandemie. Und die Vernunft sollte immer den Gesundheitsschutz nach vorne stellen“, sagte Vorstandsmitglied Jost Peter im Inforadio vom rbb und betonte: „Wenn die Fallzahlen steigen und sich daraus ergibt, dass das Fußballspiel nicht zu besuchen ist, dann habe ich das zu akzeptieren.“

Im Falle einer Zulassung von Zuschauern brauche es klare Regeln, wenn es Tickets zunächst nur in personalisierter Online-Form geben sollte, forderte Peter. So sollten die „abgegebenen Daten (nur) zum Gesundheitsschutz genutzt werden und nicht für andere Zwecke“, wie etwa einer Überwachung der Fans. Diese Verpflichtung müsse von den Vereinen offen ausgesprochen werden, sagte Peter. (von Melanie Bäder)

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