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Leere Nordwestkurve, gestrichenes Vorprogramm - warum macht sich die Eintracht die Argumentation der Ultraszene zu eigen? 

Eintracht-Ultras

Eintracht Frankfurt reicht Ultras die Hand – Fans zweiter Klasse

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Eintracht Frankfurt verzichtet auf das traditionelle Vorprogramm und kommt den Ultras entgegen - und brüskiert damit die gut 35.000 restlichen Zuschauer. 

Dieser Montag war aus Frankfurter Sicht sicherlich ein gebrauchter Tag. Und das nicht nur deswegen, weil der hiesige Bundesligaklub ein für die nähere Zukunft recht wichtiges Punktspiel ohne große Not und durch eigenes Verschulden in den Sand gesetzt hat. Das kann in der höchsten deutschen Spielklasse immer wieder passieren.

Was sehr viel ärgerlicher erscheint und einen mehr als schalen Beigeschmack hinterlässt, ist die Art und Weise, wie Eintracht Frankfurt glaubte, einem Teil ihrer nicht immer pflegeleichten Klientel entgegenkommen zu müssen. Mitunter konnte man schon auf die Idee kommen, die sehr aktive Fanszene hätte bei der Gestaltung dieses Spieltages ein gewichtiges Wörtchen mitgeredet. Zumindest hat der Klub diesen Anhängern enorme Freiheiten eingeräumt.

Eintracht Frankfurt: Stehplatzbereich im Waldstadion bleibt leer

Die ungeliebten Montagsspiele sind den meisten Fans ein Dorn im Auge, dagegen ist ausgiebig protestiert worden, auch im Frankfurter Stadtwald, auch sehr originell etwa mit dem Werfen von Tennisbällen oder wie in Wolfsburg mit Flummys. Die Botschaft ist sehr wohl angekommen, bei den Klubs und der DFL, montags wird es ab übernächster Saison keine Partien geben. Diese Schlacht ist längst geschlagen. 

Trotzdem wurden am Montag nochmals die Muskeln spielen gelassen, der Stehplatzbereich in der Nordwestkurve blieb leer, die ansonsten lautstarke Unterstützung war hörbar gedämpft. Erneut meinte man, warum auch immer, nochmals ein besonderes Zeichen setzen zu müssen, „drei, vier Plakate“ würden nicht ausreichen. So weit, so gut. Niemand wird gezwungen, vor Ort ein Fußballspiel anzuschauen.

Eintracht Frankfurt knickt ein

Dass sich Eintracht Frankfurt aber dazu hinreißen lässt, wesentliche Teile des Vorprogramms einfach zu streichen, also etwa auf das Abspielen traditionellen Liedgutes („Im Herzen von Europa“, „Schwarz-weiß wie Schnee“) zu verzichten oder die Mannschaftsaufstellung einfach vorzulesen, und sich damit die Argumentation der aktiven Fanszene zu eigen macht, ist dann doch weniger nachzuvollziehen. Und das alles, nur weil 7500 Anhänger finden, an diesem Tag dürfe es keinen Support geben?

Damit hat der Klub alle anderen, gut 35 000 Zuschauer im Stadion brüskiert. Natürlich hängt der Besuch eines Fußballspiels nicht am Vorprogramm und auch nicht daran, ob sich die Mannschaft hinterher noch abklatschen lässt, keinesfalls, aber der überwiegende Teil der Besucher muss sich dann doch wie „Fans zweiter Klasse“ vorkommen. Auch die Aussage von Trainer Adi Hütter im Vorfeld war nicht besonders glücklich gewählt, als er sagte, man versuche, „auch ohne Fans ein gutes Spiel zu machen“. Er hat das sicher anders gemeint, aber Fans waren immer noch massenweise im Stadion, sie saßen halt nur auf Gegengerade oder auf der Haupttribüne, im Familienblock, in der Ostkurve oder im Oberrang und vergießen mit Sicherheit genauso viel Herzblut für die Eintracht wie jene hinterm Tor.

Eintracht Frankfurt möchte den Ultras weiterhin die Hand reichen

Es mag ja auch sein, dass Eintracht Frankfurt der aktive Fanszene die Hand reichen möchte, dass man auch fürderhin im Dialog bleiben will und muss. Womöglich ist durch das Entgegenkommen auch weit Schlimmeres verhindert worden. Die Ultras haben ja bisweilen so ihre ganz eigenen Vorstellungen, im Spiel gegen Mainz 05 etwa, im Winter des vergangenen Jahres, beliebten sie, im Mainzer Stadion ordentlich zu zündeln, auch standen sie schon mal geballt am Spielfeldrand. Sie sind durchaus ein Machtfaktor im Innenleben des Klubs, sorgen mit spektakulären Choreographien für berauschende Bilder. Sie haben den Klub aber durch dumme und regelmäßige Entgleisungen auch eine schöne Stange Geld gekostet, in den letzten Jahren sicherlich in Millionenhöhe.

Es beschleicht einen schon das Gefühl, Eintracht Frankfurt sei vor dieser Szene eingeknickt, habe sich wohlfeil verhalten. Ob die lange Leine ein probates Mittel ist, sei einmal dahin gestellt. Eine besonders gute Figur hat der Klub an diesem Montag nicht abgegeben, ganz und gar nicht.

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