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Ein Verein mit Tradition - ganz anders als beim heutigen Gegner RB Leipzig, findet Lars Bernotat.

Vor dem Spiel gegen Leipzig

Eintracht-Fans vor dem Spiel gegen Leipzig: „Es gibt keine Akzeptanz für RB“

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    Frank Hellmann
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Eintracht-Fan Lars Bernotat lehnt das Red-Bull-Konstrukt rundherum ab und spricht damit für die allermeisten Anhänger. In den kommenden Wochen wird der 47-Jährige durch vier Partien gegen die Konzernklubs viele Gelegenheiten zum Protest bekommen.

Es stehen die Brausewochen an bei Eintracht Frankfurt. Innerhalb eines Monats spielen die Hessen viermal gegen Teams, hinter denen der Getränkekonzern Red Bull steht: Am heutigen Samstag und am 4. Februar (DFB-Pokal) gegen Leipzig, am 20. und am 27. Februar im Europapokal gegen Salzburg. In der Fanszene gibt es großen Widerstand gegen die Red-Bull-Teams. Einer, der die Meinung der Kurve kennt, ist Lars Bernotat, Eintracht-Anhänger seit den frühen 80er Jahren, Vorsitzender eines Fanclubs und bei jedem Spiel dabei. Nach dem Eintracht-Sieg über Hoffenheim fiel ihm das Sprechen hörbar schwer. Trotz Heiserkeit besuchte er trotzdem die Redaktion zum Interview.

Herr Bernotat, in vielen Medien ist zu lesen, die Akzeptanz von RB Leipzig habe stark zugenommen, die Fans seien froh, dass endlich ein Verein mit dem FC Bayern mithalten könne und die Bundesliga spannend werde. Können Sie das bestätigen?

Keinesfalls. Es gibt aus unserer Sicht keine Akzeptanz für Rasenballsport Leipzig. Und die wird es auch nie geben.

Für wen sprechen Sie da jetzt? Für sich persönlich? Für Ihren Fanclub? Oder für alle Fans von Eintracht Frankfurt?

Die aktiven Fanszenen, sicher nicht nur die von Eintracht Frankfurt, lehnen das Konstrukt RB Leipzig geschlossen ab. So viel kann ich sicher sagen, so gut bin ich schon vernetzt in der Fanszene. Aber natürlich gibt es Einzelfälle, an denen man sieht, dass es auch in dieser Frage eine Entwicklung gibt. Als wir vorige Saison vom Auswärtsspiel aus Bremen zurückgefahren sind, halten wir an einem Rastplatz, und da stehen zwei junge Eintracht-Fans an der Kasse und wollen gerade dieses Gesöff kaufen, für das RB steht. Da bin ich zu denen hin und habe gesagt: „Spinnt ihr denn, wir reißen uns den Arsch auf, um Leipzig zu bekämpfen, und ihr kauft diese Plörre?“

Was ist dann passiert?

Die Jungs haben die Dosen zurück ins Regal gestellt.

Wieso lehnen Sie RB Leipzig so entschieden ab? Ist das Neid?

Nein. Nein. Keinesfalls. Genau darum geht es uns nicht. Wir machen Rasenballsport Leipzig auch nicht den Vorwurf, dass sie in der Bundesliga spielen, wir akzeptieren sogar, dass sie erfolgreich sind. Aber: RB Leipzig in der Bundesliga, das dürfte es gar nicht geben. Es ist absurd, dass DFB und DFL dieses Konstrukt zugelassen haben, denn nirgendwo wird so eklatant gegen die 50+1-Regel verstoßen wie dort. Leipzig ist der klassische Fall, wie es nicht sein soll. Ein Unternehmen legt sich einen Fußballverein zu. Das geht nach den Statuten des deutschen Fußballs nicht.

Fakt ist aber, dass es eine juristische Prüfung gab und RB Leipzig die Lizenz bekommen hat.

Moment. Zunächst hat diese Getränkefirma ja versucht, Sachsen Leipzig zu übernehmen. Das ist am Widerstand des DFB gescheitert. Zum Glück.

Aber die Übernahme des fünftklassigen SSV Makranstädt im Jahr 2009 war juristisch korrekt, so dass RB Leipzig entstehen und aufsteigen konnte.

Und das verstehe ich nicht. Ich kapiere nicht, wieso DFB und DFL da mitgespielt haben. Vielleicht war die Verlockung zu groß, Bundesligafußball nach Leipzig zu holen. Das Stadion war ja die einzige WM-Arena von 2006, in dem es nach der Weltmeisterschaft keinen Profifußball zu sehen gab. Wie auch immer, aber diese Entscheidung war absurd. Dadurch wurde die 50+1-Regel ja faktisch abgeschafft. Ich bin bestimmt kein Fan von Martin Kind. Aber wie kann man dem sagen, dass er Hannover 96 nicht übernehmen darf, wenn RB Leipzig die Lizenz bekommen hat?

Aber Leipzig ist doch kein Einzelfall. Hinter dem VfL Wolfsburg steckt der VW-Konzern, hinter der TSG Hoffenheim...

...steckt Dietmar Hopp, ich weiß. Und gleich reden wir über Bayer Leverkusen. Also: Ich finde Plastikklubs nicht gut. Es gibt aber einen Unterschied zu Leipzig. Dietmar Hopp, Bayer oder VW haben einen Bezug zu dem Ort, an dem ihre Mannschaft spielt. Die sind dort ansässig, die haben ein Verhältnis zur Stadt. Der Getränkehersteller hat keinerlei Bezug zu Leipzig, die Stadt ist dem völlig egal, der hat einen Standort gesucht, und Leipzig passte gerade. Es gibt dort auch keinerlei Herzblut.

Na ja, die Spiele sind schon gut besucht.

Aber von wem? Kein Fan von Chemie oder Lok Leipzig geht jetzt zu Rasenballsport. Diese sogenannten Fans sind Überläufer. Die fahren mit Autos herum, auf denen noch die Aufkleber vom FC Bayern kleben. Von den Bayern waren sie nämlich Fans, bevor es Rasenballsport gab. Als Bayern-Fan hast du immer Erfolg, und jetzt haben sie Erfolg mit Rasenballsport. Noch einmal: Das sei ihnen gegönnt. Aber als Fans kann ich die nicht ernstnehmen.

Aber ist es nicht erst einmal positiv, dass es jetzt außer in Berlin im Osten noch einen Bundesligisten gibt? In Sachen Fußball war das doch ein völlig brachliegendes Gebiet.

Nein. Das ist nicht positiv. Wenn man der Meinung ist, man müsse irgendein Team in irgendeiner Gegend spielen lassen – okay, dann soll man ein System anwenden wie in den US-Profiligen. Da werden Lizenzen verkauft, da ziehen Mannschaften nach Belieben um. Mit 50+1 und den Statuten der Bundesliga ist Rasenballsport nicht zu vereinbaren.

Warum sagen Sie eigentlich immer Rasenballsport und nennen nie den Namen Red Bull?

Zum einen zeigt der Name Rasenballsport doch, wie lächerlich das ganze Projekt ist. Da wird ein Verein gegründet, und der nennt sich dann Rasenballsport. Hört doch auf. Und wieso sollte ich den Namen des Getränkeherstellers nennen? Um auch noch Werbung für ihn zu machen? Für eine Firma, die im Übrigen mit Extremsport für sich Reklame macht und damit Menschen auch durchaus Gefahren aussetzt. Nein, diesen Namen nenne ich nicht.

„Das ist absurd“: Lars Bernotat.

Wäre der Meistertitel für Leipzig für Sie das größte Schreckensszenario?

Das größte Schreckensszenario wäre für mich der Pokalsieg der Leipziger im vergangenen Jahr gewesen. Dann hätte der Name dieses Zyklops des Profifußballs auf dem Pokal neben unserem ehrwürdigen Namen gestanden. Aber dazu ist es ja nicht gekommen. Ich war noch bei keinem Fußballspiel so sehr für die Bayern wie bei diesem Pokalendspiel.

Das klingt alles ein bisschen, als wären Sie Fußball-Romantiker, der mit Kommerz nichts zu tun haben möchte. Tatsächlich aber ist auch für die Eintracht das Geldverdienen entscheidend. Der Verein hat jetzt ein Büro in New York eröffnet – aber doch nicht, um den US-Amerikanern die tolle Fankultur nahezubringen.

Das weiß ich doch alles. Natürlich geht es auch bei der Eintracht um wirtschaftlichen Erfolg. Der entscheidende Unterschied ist nur, dass die Eintracht sich an 50+1 hält. Hinter der Eintracht steht ein Verein, und dieser Verein sind wir alle. Wir sind die Eintracht. Kein Leipzig-Fan kann behaupten, dass er irgendetwas mit RB zu tun hat. Der darf ja nicht mal stimmberechtigtes Mitglied im Verein werden. Ein absolutes Unding. Im Übrigen finde ich den Umgang der Eintracht mit RB vorbildlich. Auf unserer Homepage sind die Wappen sämtlicher Gegner zu sehen. Aber nicht das von RB. Das wäre nur Werbung für den Brausehersteller.

Wird es am beim Spiel am Samstag Aktionen gegen Leipzig geben?

Das weiß ich nicht, aber Rasenballsport wird sicher eine besondere Abneigung zu spüren bekommen.

Sehen Sie eigentlich Unterschiede zwischen Leipzig und Salzburg, dem Gegner im Europapokal?

Das Konstrukt ist dasselbe. Nur war die Uefa insofern konsequenter, als dass sie die Salzburger nicht mit dem Zusatz RB antreten lässt. Deshalb spielen wir ja offiziell gegen den FC Salzburg.

Ihr Tipp für die Spiele gegen Leipzig und Salzburg?

Das Bundesligaspiel am Samstag gewinnen wir auf jeden Fall.

Und die Pokalspiele?

Da wird viel von der Tagesform abhängen. Prinzipiell geht es im Pokal ja auch oft darum, wer es mehr will. Und das sind auf alle Fälle wir.

Interview: Georg Leppert und Frank Hellmann

Der Protestler

Lars Bernotat ist Vorsitzender des Eintracht-Fanclubs „Äppelwoi“, der zu den ältesten und größten Frankfurter Fanclubs zählt. Der 47-Jährige, der in Taunusstein eine Versicherungsagentur führ,t ist zudem einer der Initiatoren der Aktion „Adler & Friends“, die Obdachlose unterstützt. Wenn es darum geht, gegen den RB Leipzig zu protestieren, ist Bernotat vorne dabei. Seit RB in der Bundesliga steht, hatten die Eintracht-Fans immer wieder ihre Meinung zu dem Konstrukt kundgetan – etwa mit dem Transparent: „Frankfurter Weg: Heroin statt Taurin.“ Taurin ist ein Stoff, der für die aufputschende Wirkung des Getränks verantwortlich ist. Die meisten Fans in der Liga sehen RB Leipzig als Kunstprodukt, das sich mit anderen Fußballklubs nicht vergleichen lässt. So hat der Verein nur 17 stimmberechtigte Mitglieder.

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