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Muss die Trainerjacke von Borussia Mönchegladbach bald ausziehen: Arie van Lent.

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Eintracht Frankfurt: Ex-SGE-Profi auf Jobsuche

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Jahrelang stürmte Torjäger Arie van Lent erfolgreich für Borussia Mönchengladbach, später auch für Eintracht Frankfurt. Zurzeit ist er Trainer bei der U23 der Gladbacher. Aber nicht mehr lange.

  • Ex-Profi von Eintracht Frankfurt ist auf Jobsuche
  • Aktuell trainiert Arie von Lent die U23 in Mönchengladbach
  • Van Lent hängt in der Luft

Frankfurt - Arie van Lent ist für gewöhnlich einer, der mit den Hühnern aufsteht, zumindest in der guten, alten Vor-Corona-Zeit war das so, und da beantwortet er schon mal um 6.20 Uhr in der Früh eine SMS. Normalerweise würde er dann Frühstück in Korschenbroich machen und danach seine 16 Jahre alte Tochter Isabel in die Schule fahren, die Penne liegt genau auf seinem Weg zum Borussia-Park in Mönchengladbach.

Arie van Lent: Früher Eintracht Frankfurt, heute Borussia Mönchengladbach

Gegen 8 Uhr ist Arie van Lent im Büro, zwei Stunden später ist Training der Nachwuchsfohlen. Van Lent ist Trainer der U23 von Borussia Mönchengladbach, seit fünf Jahren schon, vierte Liga. Aktuell hat das Virus freilich auch ihn und sein Team ausgebremst, Üben in Kleingruppen, mehr war nicht, der Spielbetrieb in der Regionalliga ist noch unterbrochen. Wann es weitergeht? Arie van Lent zuckt mit den Schultern. „Die Situation ist kurios.“

Zehn Spiele sind noch zu absolvieren in der Regionalliga West, ob sie noch gespielt werden, ist ungewiss. Es werden auf alle Fälle die letzten zehn Spiele des Trainers Arie van Lent bei Borussia Mönchengladbach sein. Sein Ende Juni auslaufender Vertrag wird nicht verlängert, man wolle „mit einem neuen Trainer einen neuen Reiz setzen“, formulierte der Klub. Diese Entscheidung, gefällt bereits im Februar, habe nichts mit den Qualitäten des Deutsch-Niederländers zu tun, beeilte sich Gladbachs Nachwuchschef Roland Virkus hinzuzufügen, „die Entscheidung ist uns schwer gefallen, weil Arie als Mensch und Teamplayer hervorragend ist und wir eine sehr erfolgreiche Zeit hatten.“

Arie van Lent hat an dieser Ausbootung zu knabbern gehabt, „ich muss diese Entscheidung akzeptieren, vielleicht wollen sie ein anderes Gesicht sehen“, sagt der 49-Jährige tapfer. Er selbst hätte sehr gerne seinen Kontrakt verlängert, er fühlt sich pudelwohl im Klub, für den er viele Jahre lange tätig gewesen war, als Profi von 1999 bis 2004 in 158 Pflichtspielen, als Trainer seit 2013, als er erst die U19 betreute und später die zweite Mannschaft übernahm. Das ist bald vorbei. „Ich kann damit umgehen“, sagt er.

Arie Van Lent sagt: „Ich hänge in der Luft“

Borussia Mönchengladbach ist sein Verein, wird es immer bleiben, hier hat den Durchbruch zum torgefährlichen Bundesligastürmer geschafft, damals, als er von Werder Bremen, seinem ersten Klub in Deutschland, an den Bökelberg gekommen war. In Bremen hatten sie ihm in Person des damaligen Trainers Wolfgang Sidka die Bundesligatauglichkeit abgesprochen, in Gladbach hat er in 145 Bundesligaspielen 54 Treffer erzielt. Nicht schlecht für einen, dem die Ärzte nach zwei schweren Bandscheiben-Operationen schon einen Invaliditätsantrag vorgelegt hatten.

Weil er „nichts anderes gelernt hat“, ist Arie van Lent nach seiner Karriere Trainer geworden, erst beim 1.FC Kleve, bei Rot-Weiß Ahlen, dann knapp zwei Jahre bei Kickers Offenbach, von 2011 bis 2013. Und damit war van Lent in die Region zurückgekehrt, wo er, zum Ende seiner aktiven Laufbahn, noch einmal für Furore gesorgt hatte. Zwei Jahre nämlich spielte der Mittelstürmer, von 2004 bis 2006, noch bei Eintracht Frankfurt - und wie. Ihm hat der Klub auch zu verdanken, dass er 2005 aus der zweiten Liga ins Oberhaus aufgestiegen war. Van Lent erzielte seinerzeit unter dem Trainer Friedhelm Funkel und an der Seite von Benjamin Köhler und Alex Meier 16 Tore in allen 34 Spielen. „Ohne Euch Honig um den Mund zu schmieren, ich hatte in Frankfurt eine sehr gute Zeit. Es war eine super Entscheidung, zur Eintracht zu gehen“, sagt der sympathische van Lent jetzt. „Ich muss dringend mal wieder vorbeischauen.“

Das Spiel am Samstagabend zwischen der Borussia und der Eintracht wird er, wie alle, mit gemischten Gefühlen am Fernseher verfolgen. „Das wird nicht der Fußball sein, den wir kennen“, vermutet er. Die Geisteratmosphäre hat Gladbach schon am eigenen Leib erfahren, „alle Mannschaften werden da ihre Probleme bekommen“. Da werde man manches „Auge zudrücken“ müssen. Er erwartet „krumme“ Ergebnisse. Und: Niemand sollte sich in Sicherheit wähnen, „am Ende steigt einer ab, der jetzt noch gar nicht damit rechnet“.

Arie van Lent drückt die Daumen für die Borussia

Klar ist, dass er seiner Borussia die Daumen drückt. Durch Trainer Marco Rose habe der Klub „eine andere Art von Fußball hinbekommen“, die Balance zwischen aggressivem Pressing und viel Ballbesitz stimme, zumindest war das bis zur Pause so. Wie beide Teams ihren Kaltstart hinbekommen werden, ist eine spannende Frage. „Keiner kann seriös sagen, wo die Teams stehen.“

Er persönlich wird sich nach einem neuen Job umsehen müssen, „Augen und Ohren sind offen“, sagt er. Er will weiter im Trainergeschäft bleiben. Doch wegen der Pandemie „hänge ich im Augenblick in der Luft“. Die meisten Klubs haben ihre Personalplanungen erst einmal zurückgestellt, warten ab.

An seinem Tipp, vor dem ursprünglichen Termin Mitte März abgeben, wollte er übrigens nicht rütteln. Er blieb bei einem 2:1 für Gladbach - trotz möglicher kurioser Spielverläufe.

Von Thomas Kilchenstein

Unterdessen vermeldet Eintracht Frankfurt die Verpflichtung eines großen Talents. Der junge Österreicher wechselt zur kommenden Saison an den Main. Bruno Hübner, Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, bereitet sich durch die Corona-Auswirkungen auf den schwierigsten Transfermarkt vor, den er in seiner Karriere je erlebt hat.

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