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Die Fans lieben Thorsten Legat.  Und 2016 war der Ex-Eintracht-Profi und Dschungelcamper  besonders populär - vielleicht auch wegen seiner damaligen Fernsehauftritte.

Thorsten Legat

„Das hat uns entsetzt“

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Ex-Eintracht-Profi Thorsten Legat erinnert sich an das damalige Viertelfinale gegen Juventus Turin von 1995.

Herr Legat, Sie gehörten zu jener Eintracht-Mannschaft, die 1995 zuletzt gegen eine italienische Mannschaft im Europapokal gespielt hat. Was haben Sie noch für Erinnerungen an die Partie gegen Juventus Turin?
Die Stimmung im Stadion damals war richtig prima. Wir hatten eine einmalige Chance auf das Weiterkommen, aber es herrschte damals im ganzen Klub auch ein bisschen Unruhe.

Sie meinen die Suspendierung von Yeboah, Gaudino und Okocha?
Genau. Trainer Jupp Heynckes hatte Yeboah und Gaudino suspendiert, Okocha auch. Aber er wurde glücklicherweise begnadigt und wurde wieder zurückgeholt. Zwei Eckpfeiler fehlten uns, das war klar. Aber wenn der Trainer solch eine Entscheidung trifft, dann kann das auch ein Impuls für die Mannschaft sein. Wir sind nicht eingebrochen, aber ganz ehrlich: Kompensieren konnten wir die beiden nicht.

Das erste Spiel gegen Juve war ja im Waldstadion.
Wir hatten beim 1:1 ein sehr gutes Spiel abgeliefert, die Atmosphäre im ausverkauften Waldstadion war klasse. Und wir sind dann auch mit breiter Brust nach Turin gefahren, aber der Schuss ging nach hinten los, dort haben wir 0:3 verloren.

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Wie war denn vor dem Hinspiel die Ansprache von Trainer Jupp Heynckes?
Ich habe noch einige Worte von ihm im Ohr. Ich muss schon sagen: Da hat ein Mann von Welt gesprochen. Wie er uns motiviert und heiß gemacht hat, das ist einzigartig. Normalerweise hättest du nach der Ansprache gewinnen müssen.

Erinnern Sie sich noch daran, gegen wen Sie gespielt haben im Hinspiel?
Im Einzelnen weiß ich das nicht mehr. Aber Juventus hatte eine Starbesetzung, Deschamps, Conte, die weiße Feder Ravanelli, del Piero und der Kokser Kohler war ja auch noch dabei. Das sind einzigartige Namen, die man nie wieder vergisst. Juve war eine echte Weltmannschaft. 

Hatten Sie in Frankfurt denn eine realistische Chance, das Spiel zu gewinnen?
Wir sind wirklich gut reingekommen in das Spiel. Wir waren heiß. In Frankfurt haben wir Juventus nicht nur Paroli geboten, wir haben dagegen gehalten und wirklich auch Fußball gespielt. Wir hatten einige Chancen, die wir aber nicht genutzt haben. Wir waren damals mit der Eintracht auf dem richtigen Weg.

Gute Freunde kann niemand trennen: Thorsten Legat (rechts) und der heutige Eintracht-Vorstand Fredi Bobic im Dress des VfB.

Sie lagen 0:1 zurück, aber Jan Furtok hat wenigstens noch für den Ausgleich gesorgt.
Ja, an das Tor kann ich mich im Detail nicht mehr genau erinnern. Ich weiß aber, dass der Jan in Frankfurt eine große Hausnummer und richtig gut drauf war. Er war auch mein Zimmergenosse.

Hatten Sie denn für das Rückspiel im Stadion Delle Alpi noch Hoffnung?
Absolut. Wir wussten, in welchem Hexenkessel wir spielen mussten. Und wir hatten anfangs auch Chancen, aber die Effizienz fehlte. Juventus war aber knallhart abgebrüht, bei denen spielten ja fast nur Nationalspieler. Wir hatten zwar an uns geglaubt, aber dass wir weiterkommen würden, das hat ganz oben in den Sternen gestanden. Ehrlich gesagt, haben wir dort auch verdient 0:3 verloren.

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Aber es stand lange Zeit nur 0:1. Das 0:2 und das 0:3 fielen erst in den letzten Minuten.
Ja, da sehen Sie, wir hatten immer noch eine Chance. Eines muss ich noch loswerden: Was wir nicht verstanden haben, war, dass Jupp Heynckes den Jay-Jay Okocha ausgewechselt hatte. Das hat uns entsetzt, wir waren ja am Drücker, wir wollten den Ausgleich. Und man kann nicht sagen, dass Jay-Jay schlecht gespielt hätte.

In der Runde zuvor hatten Sie bereits eine italienische Mannschaft ausgeschaltet, den SSC Neapel.
Ja, da habe ich auch durchgespielt. Und Ralf Falkenmayer hat in Neapel das 1:0 erzielt. Neapel war eine Riesenmannschaft. Wir waren richtig gut, wir haben sie auch spielerisch beherrscht. Wir hatten, das muss ich auch mal sagen, eine richtig tolle Mannschaft. Warum die hinterher auseinandergebrochen ist, weiß ich auch nicht (im Jahr darauf stieg die Eintracht ab; Anm. d. Red.).

Herr Legat, Sie spielten lediglich ein Jahr bei Eintracht Frankfurt. Wie empfanden Sie diese Saison 1994/95?
Ich kam ja von Werder Bremen, hatte da auch regelmäßig in der Champions League gespielt. Und in Frankfurt, so hieß es, sollte ich Uwe Bein ersetzen, der nach Japan gewechselt war. Das ging ja gar nicht. Der Uwe war Weltklasse, und ich habe auch eine ganz andere Position gespielt, mehr außen. Heynckes wollte das so. Die erste Hälfte der Saison hat es noch gut geklappt, dann ist aber in der Rückrunde einiges kaputt gegangen. Warum, das fragen wir uns heute noch. Nach der Saison bin ich dann zum VfB Stuttgart gewechselt.

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Da spielte doch Fredi Bobic, der heutige Vorstand der Eintracht.
Klar, natürlich, das magische Dreieck mit Bobic, Balakow und Elber. Und ich dahinter. Den Fredi kenne ich in- und auswendig. Wir sind heute noch befreundet. Er macht einen richtig guten Job bei der Eintracht. Und ich wünsche der Eintracht weiterhin alles Gute, gerade jetzt für das Spiel gegen Inter Mailand.

Zur Person

Thorsten Legat, 50, spielte lediglich ein Jahr bei Eintracht Frankfurt, in der Saison 1993/94, die geprägt war von den sinnfreien Rauswürfen der Stars Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino durch Trainer Jupp Heynckes. Der sehr athletische Linksfuß Legat gehörte zu jener Frankfurter Elf, die es bis ins Viertelfinale des Uefa-Cups geschafft hatte. Juventus Turin war damals, 1995, Endstation (1:1, 0:3). Der gebürtige Bochumer spielte 243 Mal in der Bundesliga, neben der Eintracht noch in Bochum, bei Werder Bremen, dem VfB Stuttgart und Schalke 04. Legat, verheiratet, zweifacher Vater, hat nach seiner Karriere auch als Trainer bei unterklassigen Klubs gearbeitet, etwa beim 1. FC Wülfrath oder dem FC Remscheid.

Zuletzt war er regelmäßig in unterschiedlichen TV-Formaten zu sehen, etwa dem Dschungelcamp. In der letzten Staffel agierte Legat („Kassalla“) im australischen Dschungel als Motivator. Zudem wirkte er beim Duell der Stars, Joko gegen Klaas, Grill den Henssler, den ProSieben-Wintergames oder bei Schlag den Raab mit. 2014 veröffentlichte er seine Autobiografie „Wenn das Leben foul spielt“, in dem er auch über den sexuellen Missbrauch durch seinen Vater berichtete. Legat, ein Mann des klares Wortes, mit Ecken und Kanten, geradeaus und ehrlich, lebt mit seiner Familie in Wermelskirchen. (kil)

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