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Großes Lob für Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka: „Ist im Kopf sehr stark“

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Ein Kerl wie ein Baum: Torschütze Evan Ndicka trägt Mitspieler Kristijan Jakic und lässt sich von Filip Kostic (rechts) beglückwünschen.
Ein Kerl wie ein Baum: Torschütze Evan Ndicka trägt Mitspieler Kristijan Jakic und lässt sich von Filip Kostic (rechts) beglückwünschen. © dpa

Der 22-jährige Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka ist die prägende Figur der Saison. Beim bevorstehenden Spiel gegen London bräuchte ihn die Mannschaft dringend.

Der Kapitän, sicherlich kein Lautsprecher, kommentierte den Lapsus des jungen Verteidigers mit branchenüblichem, liebevollem Spott. „Nicht viele Stürmer hätten den reingemacht“, sagte Sebastian Rode, dann lachte er sein Sebastian-Rode-Lachen, „überragend“. Dummerweise sprach der Dauerläufer von Eintracht Frankfurt über den Treffer, den Evan Ndicka in einer frühen Phase des Spiels gegen die TSG Hoffenheim im eigenen Tor versenkt hatte, tatsächlich war es ein wuchtiger Kopfball nach Flanke von Hoffenheims Bestem Andrej Kramaric, die der 22-Jährige klären wollte, aber unhaltbar für Kevin Trapp unter die Latte abfälschte.

Einen Vorwurf wollte dem hoch aufgeschossenen Franzosen natürlich keiner machen, „unglücklich“ sei die Aktion gewesen, sagte etwa Sportvorstand Markus Krösche. Und dann sprach der leitende Verantwortliche lobend über die drauffolgende Reaktion seines Verteidigers, seit 2018 bei Eintracht Frankfurt: Er, Krösche, ziehe den Hut davor, wie er dieses Eigentor weggesteckt und verarbeitet habe, „das spricht für ihn, er ist im Kopf für sein Alter sehr stark“.

Eintracht Frankfurt: Verteidiger Evan Ndicka erzielte bereits vier Treffer in der Saison

Evan Ndicka schüttelte sich kurz, ließ sich noch zu einem Frustfoul hinreißen und begab sich dann auf den Weg, seinen Bolzen wieder wettzumachen. Erst strich sein Kopfball wenig später über das Hoffenheimer Tor, dann, nach 32 Minuten, stand er goldrichtig, um eine Ecke von Filip Kostic mühelos zum Ausgleich im Tor unterzubringen, dieses Mal sogar im richtigen. Eigentor und eigenes Tor - in einem Spiel, in einer Halbzeit schaffen nicht viele, natürlich Martin Hinteregger, im Mai 2020, bei einer 2:5-Niederlage beim FC Bayern.

Für Ndicka war es in dieser Saison bereits der vierte Treffer, so viele hat er in seiner gesamten Profikarriere, selbst in Frankreich bei AJ Auxerre, nie erzielt, spielentscheidende noch dazu, etwa der Siegtreffer Sekunden vor dem Ende gegen Union Berlin. Und seine Wiedergutmachung im Hoffenheim-Spiel ging weiter, er bereitete mit einem Flachpass auf Daichi Kamada die 2:1-Führung vor.

„Evan“, lobte Trainer Oliver Glasner, „spielt eine sehr gute Saison“. So gut, dass der in Paris geborene Ndicka auch andernorts Begehrlichkeiten weckt und die Hessen, bei einem entsprechend gut dotierten Angebot, ihren nur noch bis 2023 gebundenen Verteidiger ziehen lassen würden - um finanziellen Spielraum zu bekommen zur Verstärkung des zukünftigen Kaders.

Eintracht Frankfurt: Fehlen von Evan Ndicka beim Spiel gegen Lindon schmerzt

Dass ein möglicher Weggang eine erhebliche Schwächung wäre, wissen sie in Frankfurt. Ndicka hat sich gewaltig entwickelt in den letzten vier Jahren, er ist technisch enorm gut, physisch eminent präsent, kopfball- und zweikampfstark ohnehin. Dazu tritt er ausgesprochen seriös auf, hat längst seine Zurückhaltung abgelegt, schaltet sich regelmäßig ins Offensivspiel ein. Das war zu seiner Anfangszeit noch anders. Er kommt bislang auf 134 Pflichtspiele, davon 101 in der Bundesliga und 23 auf internationaler Bühne. Aber das ist ja das Frankfurter Geschäftsmodell: Talente günstig holen und teuer verkaufen. Ndicka hatte 2018 nur 5,5 Millionen Euro gekostet, sein aktueller Wert bemisst Transfermarkt.de auf 28 Millionen. Und die Eintracht besitzt alle Rechte an ihrem Spieler.

Und doch muss der junge Defensivspieler noch lernen, auch das ist angesichts seiner 22 Jahre normal. Vor dem 2:2 durch den Kopfball seines Landsmannes Georginio Rutter, hätte Ndicka anders agieren müssen, deckelte Glasner seinen Verteidiger sanft. „Da muss er antizipieren, nicht nur reagieren.“ Der Hoffenheimer war so einen Tick vor ihm am Ball, perdu waren die drei Punkte. Ndicka, so der Österreicher, war „die Figur des Spiels“, an allen Toren beteiligt, „im Guten wie im Schlechten“.

Nun wird Evan Ndicka den Hessen auf ihrem schweren Gang nach London am Donnerstag fehlen, die (zu harte) Gelb-Rote Karte in der langen Verlängerung gegen den FC Barcelona zwingt den Franzosen zu einer Pause, just dann, wenn er eigentlich dringend gebraucht würde. Trainer Glasner wird seine Hintermannschaft umbauen müssen, aber große Sorgen machen sie sich in Frankfurt, zumindest öffentlich, nicht: „Wir haben mehrere Möglichkeiten“, sagt Markus Krösche. Mal sehen, ob sie die richtigen finden.

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