Die Tür zum Achtelfinale ist für die Eintracht um Makoto Hasebe (links) nach dem 4:1 im Hinspiel gegen Salzburg weit offen.
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Die Tür zum Achtelfinale ist für die Eintracht um Makoto Hasebe (links) nach dem 4:1 im Hinspiel gegen Salzburg weit offen.

Eintracht zu Gast in Salzburg

Eintracht Frankfurt: Glitzern und Glänzen im Europapokal

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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In der Liga sind die Aussichten für Eintracht Frankfurt trist, doch beim Europapokal-Spiel in Salzburg ist der Reiz des Besonderen zurück.

  • Eintracht Frankfurt tritt in Salzburg an
  • Eintracht Frankfurt vor Einzug ins Achtelfinale der Europa League 
  • Internationale Spiele als Highlight 

Der wortgewaltige Präsident hat Ende Januar aus gegebenem Anlass und weil es so schön war in seiner Rede an die Mitglieder noch einmal die wunderbaren Europapokal-Auftritte von Eintracht Frankfurt Revue passieren lassen. Peter Fischer erinnerte da an herzerwärmende Treffen im Hafen von Marseille, an chaotische Momente in Rom, an eiskalte Aufenthalte in der Ukraine und tränenreiche in London; er spürt noch heute, mit welcher Geringschätzung und Arroganz die Eintracht-Entourage behandelt wurde von den edlen Titelsammlern in Mailand, Rom oder London, und dann habe es die kleine Eintracht all den Großkopferten gezeigt. „Wir haben die Gegner aufgefressen“, sagte der mittlerweile 63-Jährige in seiner typischen Peter-Fischer-Art, immer eine kleine Spur zu großspurig, aber allemal sympathisch.

Eintracht Frankfurt: Das ganz große Feuer fehlt noch

In dieser Europapokal-Saison ist das ganz große Feuer noch nicht ausgebrochen, allenfalls vielleicht im Rückspiel gegen Racing Straßburg nach dem Platzverweis gegen Ante Rebic, da ging es um alles, um den Einzug in die Gruppenphase, und da herrschte im Stadtwald wieder diese einzigartige Atmosphäre, diese Berge versetzende Stimmung, die in den magischen Frankfurter Nächten aufzukommen pflegt.

In den Spielen der Gruppenphase war dieses ganz besondere Flair bei Eintracht Frankfurt nicht zu fühlen, ein wenig hatte sich die Gewohnheit eingeschlichen, die Europa League war fast zum Alltäglichen geworden - wer Inter Mailand, Benfica Lissabon oder den FC Chelsea zum Gegner hatte, tut sich mit Spielen gegen Vitoria Guimaraes oder Standard Lüttich schwerer, das ist im Grunde nur normal. Zumal die vergangene, so hochemotionale Spielzeit sehr viel (mentale) Substanz gekostet hat – das war bei allen zu spüren, der Mannschaft, dem Trainerteam, den Mitarbeitern und auch bei den Fans.

Donnerstag ist Eintracht-Frankfurt-Tag

Doch nun, da die K.o.-Spiele anstehen, kommt es wieder auf, das ganz spezielle Frankfurter Feeling. Der Reiz ist zurück. „Donnerstag ist Eintracht-Tag“, hat Sportdirektor Bruno Hübner das Motto fein formuliert, donnerstags, wenn internationale Gegner aufschlagen und das Flutlicht angeschaltet wird, rafft sich Eintracht Frankfurt ganz gerne zu ganz speziellen Leistung auf. Das war zuletzt erst wieder beim Hinspiel gegen den FC Salzburg zu erleben, als der österreichische Abonnementmeister mit 4:1 förmlich in seine Einzelteile zerlegt wurde und mit diesem Ergebnis noch bestens weggekommen war.

Da war er auch wieder übergesprungen, der Funke, vom Feld auf die Ränge und umgekehrt, selbst wenn eine geplante Choreographie wegen eines nicht nachvollziehbaren Vetos der Uefa kurzfristig abgesagt werden musste. International macht den Frankfurtern, wenn es darauf ankommt, kaum einer was vor. Das hat mit der jahrelangen Sehnsucht nach Europa und der daraus resultierenden Haltung diesem Wettbewerb gegenüber zu tun. In der vergangenen Saison segelte die Eintracht als einziges deutsches Flagschiff über den Kontinent und hat sich in die Herzen vieler Menschen gespielt, der Imagegewinn war enorm, die Eintracht hat Europa in seinen Grundfesten gerockt. „Vergesst das grandiose Ajax Amsterdam mit seiner fußballerischen Brillanz. Das romantischste Team in ganz Europa heißt Eintracht Frankfurt. Eine Mannschaft, die mit ihrer Art und Weise des Fußballs die Menschen begeistert“, schrieb die Londoner „Daily Mail“ anerkennend.

Eintracht Frankfurt bleiben nur die Pokale

In diesem Jahr ist es so, dass Eintracht Frankfurt fast schon verdammt dazu ist, diese Spiele und jene im DFB-Pokale zu genießen - es sind die einzigen Höhepunkte, die der Mannschaft geblieben sind. Das ist nicht gerade wenig, in der Europa League ist die Tür zum Achtelfinale weit aufgestoßen, im Pokal im Heimspiel gegen Werder Bremen der Einzug ins Halbfinale durchaus im Bereich des Möglichen. Es fehlen nur noch zwei Siege bis Berlin. Das sind die Spiele, die die Eintracht so liebt, die Spiele, glänzen und glitzern.

In der Liga, im Brot- und Buttergeschäft, sieht es nach der 1:2-Niederlage vom Montag gegen Union Berlin deutlich trister aus, sehr wahrscheinlich werden die Frankfurter nicht noch einmal oben anklopfen können, angesichts der nächsten Paarungen gegen Bremen (A), Leverkusen (A), Mönchengladbach (H) und Bayern (A) dürften sich die Blicke eher nach unten richten. Da muss die Sportliche Leitung wachsam sein, nicht selten ist eine Mannschaft noch wider Erwarten abgeschmiert.

Auf Eintracht Frankfurt warten schwere Brocken

Sollten die Frankfurter heute Abend (21 Uhr/RTL und im Liveticker) ihre große Chance nutzen undins Achtelfinale einziehen, winken weitere Glanzlichter, womöglich Klubs wie Manchester United, FC Porto, AS Rom, FC Arsenal, Inter Mailand oder FC Sevilla, Kontrahenten mit klangvollen Namen.

Und natürlich sprudelt weiterhin die Geldquelle. 1,1 Millionen Euro gibt es für das Erreichen des Achtelfinales, dazu kommen Zuschauereinnahmen und TV-Gelder. Bisher hat der Klub etwa 6,2 Millionen Euro vom europäischen Verband erhalten. Und eine erkleckliche Summe wird erneut aus dem Marktpool in die Frankfurter Kassen fließen. In der vergangenen Runde strichen die Hessen 12,8 Millionen Euro aus diesem Topf ein, dreimal so viel wie RB Leipzig und mehr als doppelt so viel wie Bayer Leverkusen. Der Anteil aus jenem Pool wird umso größer, je weniger nationale Vertreter im Wettbewerb sind. In der letzten Spielzeit schafften die Hessen es bis ins Halbfinale und waren lange Zeit einziger deutscher Vertreter.

Eintracht Frankfurt mit sattem Gewinn

Das hat sich rentiert: Eintracht Frankfurt strich erstaunliche 44 Millionen Euro ein, etwa zehn Millionen Euro aus den sieben Heimspielen, der Reingewinn lag bei 20 Millionen Euro. „Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Europa League ab einer gewissen Runde kein Verlierer-Cup mehr ist“, sagte Eintracht-Finanzvorstand Oliver Frankenbach. Der Etat wird auch deshalb auf 280 bis 300 Millionen Euro zusteuern. Rekord.

Der Europapokal hat in Frankfurt daher logischerweise eine immens hohe Bedeutung, die internationalen Auftritte haben die Wahrnehmung des Vereins und damit auch die Wachstumschancen verändert. „Wir sind bei vielen Menschen der Zweitlieblingsklub geworden“, sagt Manager Bruno Hübner im leichten Überschwang und hofft inständig: Die Reise möge noch ein bisschen weitergehen.

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Personalsorgen bei Eintracht Frankfurt: Dieses Duo fällt gegen Salzburg definitiv aus.

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