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„Schön da! Sehr schön da! Unheimlich schön da!“ FR-Leute sind ja Weltbürger, die auch Guimaraes kennen.

Stillleben

Eintracht, gib mal Reis in Sportugal

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Eintracht Frankfurt tritt am Donnerstag in Portugal an. Da wird man ja wohl noch mal frei assoziieren dürfen. Die Glosse.

Er sei noch niemals in New York gewesen, titelte Udo Jürgens 1982 eines seiner erfolgreichsten Lieder. Wie wir heute wissen, entsprach das nicht ganz den Tatsachen, Udo Jürgens war durchaus in New York gesichtet worden, aber das tut nichts zur Sache.

Erstens war es Kunst, zweitens sang er nicht von sich, sondern von einem Mann, der auf dem Weg zum Zigarettenautomaten über Ausstiegsszenarien sinniert. Der bis dato nicht nur nicht in New York gewesen war, sondern auch nicht auf Hawaii. In zerrissenen Jeans durch San Francisco gegangen, nein, war er auch nicht. Und wenn wir obendrein noch ein bisschen spekulieren dürfen: In Chicago hatte er auch nicht mit einem Gangsterhut auf dem Kopf einen Whisky an der Bar einer Spelunke geordert. Auch wenn das für immer unbewiesen bleiben wird, weil es in dem Song gar nicht vorkommt.

Eintracht Frankfurt in der Ferne macht uns zu Weltenbürgern

Warum reden wir hier darüber, liebe Fußballfreunde? Weil es Leute gibt, die noch niemals in Guimaraes waren, den Autor dieser Zeilen inklusive. Jetzt wäre es natürlich interessant zu wissen, ob es mehr Leute gibt, die noch niemals in New York waren, oder mehr Nicht-Kenner von Guimaraes. Unter uns Europäern sind ja sicher viele Millionen, denen ein Flug zur Freiheitsstatue nach Amerika ein unerfüllbarer Lebenstraum bleiben wird. Andererseits müsste man mal recherchieren, ob eventuell unzählige Asiaten, Australier, Afrikaner, patagonische Pinguine und US-Bürger mit orangefarbenen Gesichtern das Internet vollheulen, weil sie ein Städtchen in Nordportugal auf absehbare Zeit nicht werden erleben können. So sad.

In der FR-Redaktion verblüfften, noch während man sich selbst über das komische Wort lustig machen wollte („Gimmaraisch? Gib mal Reis! Uff Schwäbisch! Hahaha!“) erstaunlich viele Kollegen mit präzisen Ortskenntnissen. Manche urlaubten gern in der Gegend, andere waren in bewegten Zeiten auf einer Fahrradtour dort an- und bis heute aus dem Schwärmen nicht mehr herausgekommen: „Schön da! Sehr schön da! Unheimlich schön da!“ FR-Leute sind ja Weltbürger.

Man sieht sich in Europa

Wie auch immer, es mag seine riesigen Vorteile für die Eintracht haben, an einem Ort zu kicken, an dem andere Urlaub machen, aber am Ende kommt es doch mehr aufs Sportliche an. Allzu gern wären gewisse Leute, die noch nie ein Europacup-Auswärtsspiel körperlich anwesend verloren haben (null Gegentore!), ebenfalls mit nach Portugal gereist, aber man musste die Partie ja unbedingt auf einen Termin in den Herbstferien legen, in jene Zeit also, für die herkömmliche Arbeitnehmer schon vor Monaten ihren Moselurlaub gebucht hatten. Tja, muss die Eintracht halt ohne ihren Sieggaranten punkten.

Im Übrigen hat der Autor im Interesse seiner Leser darauf verzichtet, das heutige Stillleben auf Portugiesisch abzufassen. Erstens heißt es „Englische Woche“, nicht „Portugiesische Woche“, zweitens sprach der geistige Vater aller denglischen Texte, EU-Kommissar Günther Oettinger, auch nicht portugiesisch. Obwohl sich natürlich eine Übersetzung ins, Achtung: Sportugiesische geradezu anböte. Na, vielleicht fürs Rückspiel. Hier schon mal ein Appetithäppchen: Natureza morta. Heißt angeblich: Stillleben. Naja.

Udo Jürgens’ Protagonist kam mit den Zigaretten wieder heim, statt auszusteigen und auf Amerikareise zu gehen. Bisschen traurig. Die Eintracht macht’s anders: Sie kommt erst mit den Punkten heim und geht dann damit weiter auf Europareise. Até breve minha querida Europa! Das bedeutet: Bis später, mein Schatz Europa!

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