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Eintracht Frankfurt international: Am Donnerstag gegen Inter Mailand soll es mal wieder eine beeindruckende Choreografie im Stadion geben.

Europa League

Das Fieber steigt schon wieder

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Eintracht Frankfurt nimmt zwei Tage vor dem großen Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter Mailand Witterung auf.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der Tollhaus-Faktor in Frankfurt ein nicht zu unterschätzender Punkt für die Eintracht im Millionenspiel auf nationaler und internationaler Bühne ist. Die Verantwortlichen von Schachtjor Donezk wähnten sich als selbsternannte beste Mannschaft der Europa League schon so gut wie im Finale in Baku, nur der Hexenkessel in Frankfurt, der bereitete ihnen etwas Sorge. Nicht ganz unbegründet waren diese Bedenken, wie sich beim furiosen 4:1-Sieg der Eintracht im Rückspiel des Sechzehntelfinals herausstellte. 

Und auch die Spieler der TSG Hoffenheim waren am Samstag bass erstaunt, welche Wucht da von den Tribünen hinunter auf den Rasen transportiert wurde und die Frankfurter Spieler zu einer Energieleistung trieb, die in einem Finale furioso samt 3:2-Siegtreffer in Minute 96 mündete. Willkommen im Freudenhaus im Stadtwald. „Bei uns ist es so, dass wir die Flamme am Gasherd hochdrehen können“, umschreibt es Vorstand Axel Hellmann. „Wir haben die Fähigkeit, dass der Puls hochgeht.“

Eintracht Frankfurt freut sich auf Inter Mailand

Die Festtage mit diesem ganz besonderen Fluidum nehmen kein Ende, schon am Donnerstag steht das nächste Glanzlicht an, dann kommt Inter Mailand, ein richtiges Schwergewicht mit einem klangvollen Namen an den Main (18.55 Uhr/live bei Nitro und Dazn). „Das ist der erträumte starke Gegner mit enormer Strahlkraft“, sagt Hellmann. „Das löst Magie aus.“ Der 47-Jährige ist sich sicher, dass der Abend rund um das Achtelfinale auch dieses Mal ein ganz spezieller werden wird. „Jeder weiß, was zu erwarten ist.“ Nämlich Gänsehautstimmung, eine ohrenbetäubende Lautstärke und eine imposante Choreografie.

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Was Wunder also, dass sich die Spitze des deutschen Fußballs ein Stelldichein gibt, um dem Europapokalspiel mit Eventcharakter beizuwohnen. Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Boss Reinhard Grindel und DFL-Chef Christian Seifert haben ihr Kommen angekündigt.

Und die Eintracht wird alle Kräfte in die Waagschale werfen, „wir werden die Aufgabe mit Stolz angehen und eine Duftmarke für den deutschen Fußball setzen“, sagt Präsident Peter Fischer. „Wir werden den deutschen Fußball sehr, sehr würdig vertreten.“ So, wie die Frankfurter es die ganze Zeit getan haben. In Europa hat die Eintracht alle sechs Gruppenspiele gewonnen und Geschichte geschrieben. Das ist noch keinem Bundesligisten jemals gelungen. Die internationalen Auftritte sind seit jeher etwas ganz Besonderes für die Eintracht, die Arena im Stadtwald ist eine Festung: Von ihren letzten 19 Europapokalheimspielen hat sie 15 gewonnen, nur eines verloren, im Oktober 2006 mit 1:2 gegen Palermo. In den letzten neun Partien blieb sie ungeschlagen, gewann sieben davon.

Eintracht Frankfurt will den Grundstock legen

„Das Spiel wird ein absolutes Highlight“, frohlockt Sportdirektor Bruno Hübner. „Inter ist ein Topteam in Europa, das ist noch mal eine Steigerung zu Donezk.“ Die Ukrainer waren zwar offensiv eminent gefährlich, doch hinten offenbarten sie Lücken. „Inter steht kompakter“, sagt der Manager. „Das ist eine harte Nuss, die wir knacken müssen.“ Chancen rechnet er sich natürlich dennoch aus, „wenn wir alles abrufen, kann schon was passieren.“ Der Sportdirektor ist guter Hoffnung, dass die turbulente und aufregende Begegnung gegen Hoffenheim mit dem späten Happy End der Mannschaft einen zusätzlichen Schub und noch mehr Selbstvertrauen geben wird. „Diesen Schwung wollen wir mitnehmen. Inter hat eine richtig, richtig gute Mannschaft, aber wir können bestehen. Wir haben die Mentalität, niemals aufzugeben.“

Nicht nur Hübner wäre es lieber gewesen, wenn die Eintracht mit ihren Fans im Rücken das Rückspiel in Frankfurt hätte bestreiten dürfen. „Doch darüber jammern wir nicht“, weil es sich ja sowieso nicht ändern lasse. Und doch ist klar, dass die Hessen eine „ordentliche Basis“ für die Partie am Donnerstag in einer Woche in San Siro brauchen. „Wir wollen den Grundstock legen“, befindet Hübner. Und in Mailand dann den Deckel draufmachen. „Wir sind auch auswärts torgefährlich, da geht immer was für uns.“

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Jonathan de Guzman, der italienerprobte Profi, der insgesamt drei Jahre in der Serie A für den FC Carpi, Chievo Verona und den SSC Neapel spielte, glaubt nicht mal, dass Inter unbedingt als Favorit ins Rennen geht. Die Chancen taxiert er auf 50:50, und er sagt auch, weshalb: „Ich glaube, dass italienische Mannschaften nicht so gerne gegen deutsche spielen, weil sie sehr physisch auftreten und sehr laufstark sind.“ Den eher auf Taktik Wert legenden Südeuropäern schmecke diese Lesart des Spiels nicht so sehr.

Bei Ante Rebic wird es eng

Der 31-Jährige, der seinen Platz im Mittelfeld an den bärenstarken Sebastian Rode verloren hat, gibt schon mal die Marschroute für das Hinspiel am Donnerstag vor: „Wir spielen sehr aggressiv und üben großen Druck auf den Gegner aus, das sollten wir auch gegen Mailand zeigen.“ Der Niederländer mit kanadischen Wurzeln freut sich besonders aufs Rückspiel, das altehrwürdige San Siro sei geschichtsträchtig und „wunderschön, eines der besten Stadien der Welt“.

In neun Tagen wird der Frankfurter Stürmer Ante Rebic sicherlich wieder an Bord sein, ob er freilich schon im ersten K.o.-Spiel am Donnerstag dabei sein kann, ist noch unklar. Es werde, so hieß es am Montag, eng. Der Kroate hatte sich gegen Hoffenheim das Knie verdreht und wurde zur Pause ausgewechselt. Genauso eng wird es auch bei Kapitän David Abraham, der an einer Oberschenkelblessur leidet. Doch merke: Allein der Name Inter Mailand soll schon manches Mal zu Blitzheilungen geführt haben.

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