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Bitterer Tag für Luka Jovic und Co.: Eintracht Frankfurt verliert 1:3 gegen den FC Augsburg.

Niederlage gegen Augsburg

„Ein Tag zum Vergessen“ für Eintracht Frankfurt

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    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt verliert gegen Augsburg zum ersten Mal in diesem Jahr ein Ligaspiel.

Sebastian Rode, der nimmermüde Dauerläufer im Frankfurter Mittelfeld, hat hinterher bei der Analyse die 90 Minuten ziemlich knapp, aber prägnant auf den Punkt gebracht. „Das war heute“, sagte der 28-Jährige, „ein Tag zum Vergessen.“ Eintracht Frankfurt, am Donnerstag in der Europa League noch überschwänglich für einen heroischen Kampf gegen Benfica Lissabon gelobt, hat am Sonntag erstmals wieder in diesem Jahr in der Liga verloren, nicht unverdient 1:3 (1:2) gegen eine spielerisch erstaunlich starke und selbstbewusst auftretende Mannschaft des FC Augsburg. Es war die erste Niederlage nach elf erfolgreichen Spielen in der Bundesliga, die letzten sechs Spiele hatten die Hessen gewonnen.

Die Schlappe vor 51000 Zuschauern war insofern bitter, da - bis auf den VfL Wolfsburg - alle anderen Anwärter auf internationale Plätze an diesem 29. Spieltag ihre Partien gewonnen hatten. Nach wie vor hat Eintracht Frankfurt den vierten Platz halten können, der Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach freilich ist jetzt auf einen dürren Zähler geschmolzen. „Die Niederlage tut sehr weh, weil sie unnötig war“, resümierte Trainer Adi Hütter. „Wir haben es verabsäumt, nach dem 1:0 noch einen Treffer nachzulegen.“

Natürlich war die kräfteraubende Partie vom Donnerstag in Lissabon nicht spurlos an den Frankfurtern vorbeigegangen, zumal sie in Lissabon ja 70 Minuten in Unterzahl agieren mussten. „Am Samstag im Training sah noch alles gut aus“, erzählte Rode, im Spiel sei es dann doch nicht so einfach gewesen, „die Strapazen abzuschütteln“. Erschwerend kam hinzu, dass Gelson Fernandes unmittelbar nach der Pause die Gelb-Rote-Karte gesehen hatte. Eine harte Entscheidung, denn der Einsatz des Schweizers galt klar dem Ball. Sportvorstand Fredi Bobic sprach „von einem Witz“. Erneut waren die Hessen numerisch ins Hintertreffen geraten. „Der Platzverweis“, fand auch Trainer Hütter, „hat uns den Zahn gezogen.“ Das sei an die Substanz gegangen, sowohl körperlich als auch mental. „Die Kraft hat gefehlt und noch etwas“, sagte Makoto Hasebe.

Immer wieder kamen die Frankfurter einen Schritt zu spät, die zweiten Bälle landeten meist beim Gegner, dazu war das Spielglück der Eintracht auch nicht besonders hold. Es lief nicht viel zusammen, alles, was in den vergangenen Wochen so wunderbar leicht von der Hand ging, wirkte so unglaublich schwer. „Es gibt Tage, da klappt es einfach nicht“, fasste Rode die verkorksten 90 Minuten zusammen. Und man merkte auch bei dem einen oder anderen Profi, wie schnell das zuletzt so überbordende Selbstbewusstsein immer mehr schrumpfte.

Luka Jovic hat die Führung auf dem Fuß

Dabei ging es gleich prima los, den besseren Start hatten die Hessen erwischt, fast wie vor wenigen Tagen in Lissabon. Luka Jovic war es, der gleich in den ersten fünf Minuten zweimal die Führung auf Fuß und Kopf gehabt hatte; einmal landete die Kugel auf dem Tordach, das andere Mal parierte Torhüter Gregor Kobel seinen Schuss. Das ließ sich alles ganz ordentlich an. Auch weil die Eintracht gleich das Heft des Handelns in die Hand genommen hatte. Wie immer hatte Trainer Hütter den Weg nach vorne verordnet, drei Angreifer standen in der Anfangsformation. Und dass Goncalo Paciencia spielen sollte, hatte sich spätestens nach einer Viertelstunde ausgezahlt: Da erzielte der Portugiese, schon in Lissabon zum 2:4 erfolgreich, die Führung. Es war ein wunderschönes Kopfballtor, Paciencia stand förmlich minutenlang in der Luft und köpfte die fein getimte Flanke von Flip Kostic nachgerade schulbuchmäßig in den Winkel. Alles schien nach Plan zu laufen, zumal die Gastgeber auch nach der Führung die eine oder andere gute Einschussmöglichkeit hatten, Paciencia etwa hätte leicht auf 2:0 erhöhen können, doch er traf den Ball nicht richtig.

Insofern war die Führung wichtig, um Ruhe ins Spiel zu bringen. Dazu sprach die Statistik für die Eintracht: In dieser Saison haben die Frankfurter nach Führung nie verloren. Doch die Augsburger steckten den Rückstand nicht nur routiniert weg, sondern spielten im Gegenteil nicht ungeschickt mit: Unter ihrem neuen Trainer Martin Schmidt agierten die Schwaben erstaunlich offensiv, dazu entpuppten sie sich als spielerisch starkes Team, das immer wieder die Schnittstellen fand und Nadelstiche setze. Der Ausgleich durch Marco Richter war nicht einmal überraschend gefallen, Almamy Touré und Evan Ndicka sahen da nicht besonders gut aus (Siehe auch Bericht auf der nächsten Seite). Zu dem Zeitpunkt war Martin Hinteregger mit einer Oberschenkelblessur bereits ausgewechselt. Mit dem Pausenpfiff freilich folgte die kalte Dusche, als erneut Marco Richter mit einem Weitschuss, einem „1000-Gulden-Schuss“ (Hütter), das 1:2 aus dem Nichts folgen ließ.

Sebastian Rode verspricht Wiedergutmachung

Der Platzverweis unmittelbar nach der Pause brachte die Frankfurter restlos in die Bredouille. Zwar ließen sie wenig an Einsatzwillen und Kampfgeist vermissen, am Ende aber „fehlten die Körner“, wie Rode sagte. Zweimal binnen weniger Tage in Unterzahl gegen einen mindestens gleichwertigen Gegner zu spielen, war zu viel. Darüber hinaus blieb auch im zweiten Abschnitt vieles Stückwerk, kamen viele gut gemeinte Abspiele nicht an den Mann. Der Eintracht konnte man nicht den Vorwurf machen, nicht alles versucht zu haben, doch Fortuna war nicht mit ihnen. Auch Torchancen erspielten sich die Frankfurter im Grunde kaum welche. Luka Jovic allein schoss zwar achtmal aufs Augsburger Tor, doch wirklich gefährlich war es nicht. Am Ende sorgte dann Michael Gregoritsch mit dem 3:1 für die endgültige Entscheidung.

„Am Donnerstag“, versprach Sebastian Rode, „werden wir ein anders Gesicht zeigen.“ Das wird auch nötig sein. Immerhin ist Europa-League-Gegner Benfica Lissabon noch mal eine andere Nummer. Und die Eintracht muss zwei Tore aufholen. Nach der Leistung von Sonntag dürfte das schwer werden.

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