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Eintracht-Fans begeistern mit ihrer Choreografie im Stadion.

Eintracht Frankfurt Kommentar

Erfolg macht sexy

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Eintracht Frankfurt hat sich auch außerhalb der Stadt viele Fans gemacht.

Es liegt noch nicht so lange zurück, da zählte Eintracht Frankfurt zu den Schmuddelkindern der Liga: Unansehnlicher Fußball, verworrene Finanzverhältnisse, personelle Aderlässe, eine Anhängerschaft, die stolz auf den Titel „Randalemeister“ war, ein Klub, der in der Stadtgesellschaft am Rande agierte und auf dem Fußballfeld oft mit einem Bein in der zweiten Liga stand - das war Eintracht Frankfurt, ein Klub zwar mit einer langen, durchaus vorzeigbaren Tradition, aber ohne guten Leumund, das Image war im Keller, bestenfalls als Diva unterwegs, gerne großmäulig, selten viel dahinter. Und selbst als sich in den letzten Jahren Fredi Bobic und Niko Kovac daranmachten, einen Paradigmenwechsel einzuleiten, den kompletten Klub auf ein anderes, professionelleres Level zu hieven, hatte die Eintracht den Ruf weg, eine „Tretermannschaft“ zu sein.

Eintracht Frankfurt plötzlich sympathisch

Im Frühjahr 2019 ist das anders, da hat sich das Image des Vereins komplett gewandelt: Eintracht Frankfurt gilt neuerdings als einer der sympathischsten Klubs des Landes, dem viele Menschen sehr gerne und mit wachsender Begeisterung beim Fußballspielen zusehen. „Viele sind heimlich Fans von uns“, hat dieser Tage auch Cheftrainer Adi Hütter festgestellt. Der attraktiv und brutal offensiv ausgerichtete Spielstil kommt an beim Publikum, die verschworene Gemeinschaft auf dem Feld mit Spielern aus aller Herren Länder, die gelebte Integration - all das funktioniert in Frankfurt, wo beinahe ausschließlich positive Schlagzeilen geschrieben werden.

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Momentan hat man den Eindruck, dass alles klappt, was die handelnden Personen anpacken. Der Pokalsieg im Mai des vergangenen Jahres, so wundersam wie unerwartet errungen, war die Initialzündung für den momentanen Höhenflug. Die Büchse der Pandora war geöffnet. Diesen Triumph hat Eintracht Frankfurt - trotz des Stolperstarts zu Beginn der Runde - optimal genutzt. Im Erfolg werden die größten Fehler gemacht, heißt es. Eintracht Frankfurt hat seit Mai beinahe alles richtig gemacht. Und, was immer die sportlich Verantwortlichen anpackten, es passte.

Das fing bei der Bestellung des Kovac-Nachfolgers an, Adi Hütter ist ein Glücksfall, wegen seines unprätentiösen, unaufgeregten Auftretens, wegen seiner sportlichen Kompetenz und seiner Fähigkeit, Spieler besser zu machen. Dazu passt, dass nahezu alle Neuverpflichtungen eingeschlagen haben, zuletzt die drei Verstärkungen im Winter, was für ein ausgezeichnetes Scouting spricht.

Und sie haben in Frankfurt das Abenteuer Europa League so positiv angenommen wie kaum eine andere Mannschaft. Statt von Belastung zu reden haben sie von der Begeisterung gesprochen, die Trips durch Europa auslösen, haben den Schwung der einmaligen sechs Siege aus der Gruppenphase ohne Reibungsverlust mit in den Ligabetrieb genommen. Und sie zelebrieren die europäischen Feiertage, trotz kleinerer Scharmützel mit der Ordnungsmacht, auf spektakuläre Weise. Selbst einem internationalen Spitzenteam wie Inter weiß diese Eintracht mittlerweile Paroli zu bieten. Das Märchen muss in Mailand nicht enden. Erfolg macht sexy. Dass dies Begehrlichkeiten weckt, ist die andere Seite einer glänzenden Medaille.

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