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Eintracht mit überraschendem Aufschwung - Der Powerfußball ist zurück

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Abräumer, Raumdeuter, Altmeister: Der erstaunliche Aufschwung von Eintracht Frankfurt hat mehrere Gründe.

Frankfurt - Nachdem Eintracht Frankfurt nun tatsächlich auf den rechten Pfad eingebogen zu sein scheint, ist der verantwortliche Cheftrainer Oliver Glasner ein wenig grundsätzlicher geworden und gab Einblicke in das, was er „meine Lebenseinstellung“ nennt: „Wenn du bereit bist, viel zu investieren“, hob der 47-Jährige also an, „dann wirst du auch viel zurückbekommen.“ Insofern sei die positive Entwicklung, „die tolle Phase“ mit sechs Pflichtspielen ohne Niederlage (davon vier Siegen) kein Zufall. „Die Jungs investieren wahnsinnig viel, deshalb bekommen wir jetzt viel zurück.“ Sehr gerne auch Sekunden vor dem Abpfiff. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Die Last-Minute-Eintracht lässt grüßen.

Es ist jetzt nicht so, dass Oliver Glasner diese Steigerung klar erwartet hat, vielleicht überrascht sie ihn sogar ein Stück weit, denn es ist gerade mal drei Wochen her, da gestand er nach einem errumpelten 2:1-Erfolg beim Schlusslicht Greuther Fürth: „Wir wollen in vielen Bereichen besser werden, aber momentan ist das aufgrund des dichten Spielplans nicht möglich. Es sind bis zum Winter nur ganz, ganz kleine Schritte, die wir machen können.“ Selten hat sich der Fußballlehrer wohl so gerne geirrt wie in diesem Fall.

Zwei Matchwinner: Schütze Evan Ndicka, Makoto Hasebe.

Eintracht Frankfurt: Mannschaft macht Satz nach vorne

Denn seitdem hat seine Mannschaft einen erstaunlichen Satz nach vorne gemacht. Der 2:1-Sieg über Union Berlin dient als Beleg für die Weiterentwicklung der Mannschaft, die ihre beste Vorstellung zeigte und sich mit 18 Punkten sachte nach oben orientieren darf. Der erste Champions-League-Rang ist zumindest näher als der Relegationsplatz.

Spielerisch hat sich das Ensemble deutlich verbessert, die Eintracht spielt zudem auch wieder vermehrt den Powerfußball, der sie über Jahre hinweg ausgezeichnet hat. Da wird der Gegner mit Präsenz, Willen, Lauf- und Kampfkraft förmlich an die Wand gedrückt. Das Ballgeschiebe, das Geholze und die Eintönigkeit sind aus dem Spiel verschwunden, dafür geht die Eintracht die Sache mit Struktur, Energie und Wucht, aber auch einiger Finesse und Kreativität an. Doch weshalb ist das plötzlich so?

„Gewisse Abläufe und das Positionsspiel werden klarer, weil wir es permanent thematisieren“, begründet Glasner. Und die Automatismen greifen so langsam, schleifen sich vielleicht nicht durch die Trainingseinheiten, aber durch die vielen Spiele, die Videositzungen und sachdienliche Hinweise des Trainerteams ein. „Die Jungs wissen, was sie zu tun haben“, betont Sportvorstand Markus Krösche, der sich über die jüngsten Resultate, mehr aber noch über die generelle Stoßrichtung freut. „Die Art und Weise, wie wir spielen, ist richtig gut, da haben wir einen Schritt nach vorne gemacht.“

Eintracht Frankfurt zurück in der Erfolgsspur

Es ist gerade der Aufbau des Spiels, der sich kolossal verändert hat. „Wir sind kontrollierter und gepflegter“, befindet der Sportchef. „Das ist auch ein Grund, weshalb wir uns mehr Torchancen erspielen.“ Das ist richtig.

Noch vor einigen Wochen habe man zu häufig den langen Schlag aus der Abwehr als probates Mittel gesehen, was natürlich ein Trugschluss war. Zumeist hatte es zur Folge, dass der Ball für den Gegner leichte Beute war und flugs wieder retour kam. „Für die Art, wie wir spielen wollen und für die Spieler, die wir haben, sind lange Bälle nicht das optimalste“, gibt Krösche zu bedenken. Nun habe man viel mehr Ruhe im Aufbau, versuche, den Ball flach nach vorne zu spielen und mit „Steil-Klatsch-Situationen in die Tiefe zu kommen“. Hört sich komplizierter an als es ist.

Eintracht Frankfurt: Ohne Hase geht nix

Der Hauptgrund für die gehobene Spielqualität ist fast 38 Jahre alt, der Methusalem der Liga und in der aktuellen Verfassung aus der Mannschaft nicht wegzudenken: Makoto Hasebe, das Phänomen mit den besonderen Genen. Erst seit sich Oliver Glasner dazu durchringen konnte, konsequent auf den Altmeister zu setzen, ist das Team um ein Vielfaches besser geworden. Auch Vorgänger Adi Hütter hat eine Zeitlang versucht, ohne Hasebe auszukommen – natürlich erfolglos. „Makoto ist ein extrem intelligenter Spieler, der durch sein Coaching die andren Jungs steuert“, sagt Krösche. „Er ist mit der beste Fußballer, den wir haben und ein Schlüssel geworden in der Art, wie wir Fußball spielen.“ An seiner Seite sind Evan Ndicka und Tuta gewachsen und klar formverbessert.

Eintracht Frankfurt: Hinti hinten dran

Die Generalanalyse sollte auch Martin Hinteregger zu denken geben, der zuletzt angeschlagen war und gegen Union nur auf der Bank saß. „Hinti“ wird sich, wenn er seinen Platz wieder ergattern will, umstellen und seine Langholz-Spielanlage überdenken müssen. Ein Spiel mit scharfen Flachpässen eröffnen, kann der 29-Jährige auch. Er muss es aber verinnerlichen.

Zurzeit gibt es für Oliver Glasner ohnehin wenig Grund, etwas grundlegend zu verändern. Zumal sich eine tragende Achse herauskristallisiert hat. Hinten die Dreierkette mit Ndicka, Hasebe und Tuta, davor das defensive Mittelfeld mit Djibril Sow und Kristijan Jakic. „Wir haben ein sehr stabiles Zentrum“, findet Krösche, auch die beiden Abräumer „haben ein Gefühl füreinander entwickelt, wer in welchem Moment in welchen Raum geht. Das ist ein Prozess des Miteinanders.“

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada dreht auf, Filip Kostic findet zu alter Stärke

Davor wiederum ist Raumdeuter Daichi Kamada unterwegs, der mit seinem Auge und seinen katzenhaften Bewegungen stets neue Situationen schafft. „Er ist sehr clever“, lobt Coach Glasner. „Er findet Räume, auch wenn es kaum welche gibt.“ Und auf links, ja, da treibt Filip Kostic sein Unwesen. Unnachahmlich, unzerstörbar. „Wir kennen seine Qualität, wir sind froh, dass Filip bei alter Stärke ist“, betont Glasner.

Und weil sich eins zum anderen fügt, hat er sich trotz einer strapaziösen Englischen Woche dazu entschieden, dreimal in Serie dieselbe Startelf zu nominieren. Das gab es in Frankfurt zuletzt vor sieben Jahren. Man kann sagen: Es hat sich gelohnt. (Ingo Durstewitz)

Rubriklistenbild: © AFP

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