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Die anstrengenden Läufe neigen sich dem Ende zu, ab kommende Woche ist Eintracht Frankfurt in Pflichtspielen gefordert.

Unbequeme Reise nach Tallinn

Bei einem Aspekt ist die Eintracht hintendran

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Der Frankfurter Eintracht steht eine strapaziöse Woche bevor. Dennoch sollte der erste Gegner der Europa League Quali eigentlich kein Problem sein.

Der Jubel war groß nach dem Abpfiff bei den mitgereisten Anhängern, schließlich war es zwischenzeitlich noch einmal eng geworden, das Weiterkommen keineswegs eine klare Sache. Also standen sie da, einerseits ein bisschen geschafft von der ganzen Aufregung, andererseits stolz wie Bolle, dass es doch gereicht hatte, und feierten ihre Mannschaft, die knapp 30 Fußballfans aus Tallinn.

Am Donnerstagabend hatte sich der estnische Erstligist FC Flora Tallinn beim serbischen Vizemeister Radnicki Nis behauptet, nach 90 regulären und fünf Extra-Minuten stand ein 2:2, das den Kickern aus Tallinn nach dem 2:0-Hinspielerfolg für das Erreichen der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League reichte und ihnen zwei Duelle mit Eintracht Frankfurt einbrachte. Am kommenden Donnerstag tritt der Bundesligist vom Main in der estnischen Hauptstadt an der Ostsee an. Anpfiff ist um 20 Uhr Ortszeit (19 Uhr deutscher Zeit), übertragen wird die Begegnung hierzulande von RTL Nitro. Die Eintracht wird in Tallinn natürlich der hochhaushohe Favorit sein.

Der FC Flora war seit 1994 mit Ausnahme von 2014 jedes Jahr in diversen Qualifikationsrunden zum Uefa-Cup oder der Europa League vertreten, nicht ein einziges Mal überstand der Klub aber die erste Runde. Bis jetzt. Die Eintracht preschte dagegen vergangene Saison bekanntlich bis ins Halbfinale des Wettbewerbs vor, um erst dann haarscharf am späteren Sieger FC Chelsea zu scheitern. Die Esten vereinen einen Marktwert von 5,25 Millionen Euro im kompletten Kader, den in etwa bei den Frankfurtern Jetro Willems alleine aufweist. Und der ist Ersatzmann ohne Chance auf nennenswerte Spielzeit.

Bei einem Aspekt sind die Hessen hintendran

Ähnliche Vergleiche ließen sich noch eine Menge anstellen, sie würden fast immer zu Gunsten der Eintracht ausfallen. Einzig bei einem Aspekt sind die Hessen hintendran: Die Spielpraxis spricht dann doch für den Außenseiter. Während Tallinn mitten im Ligabetrieb steckt und nach 19 Partien souveräner Tabellenführer der heimischen Liga ist – die Saison begann im März und endet im November –, hat die Eintracht erst vor drei Wochen mit dem Training begonnen.

Mehr zum Spiel: Das erwartet Eintracht Frankfurt

Das erste Frankfurter Pflichtspiel wird also gewiss noch ein wenig von Anpassungsprozessen geprägt sein. Vor allem deshalb, weil Trainer Adi Hütter parallel den Start in der Bundesliga Mitte August vorbereitet. „Wir haben eigentlich nur noch eine Woche Zeit, um richtig etwas zu tun“, sagte Hütter am Donnerstag – um es genau zu nehmen, nicht einmal mehr das:

Denn nachdem die Frankfurter gestern am Riederwald ihre Film- und Fotoaufnahmen für die Deutsche Fußball-Liga weglächelten, steht heute noch einmal eine „knackige Einheit“, wie Hütter es formulierte, auf dem Programm. Anschließend wird sich schon auf das Duell in Tallinn vorbereitet. Am Mittwoch also wird die Eintracht von Frankfurt nach Tallinn fliegen, tags drauf steht das Spiel an, freitags geht es per Chartermaschine ins Trainingslager nach Windischgarsten.

Strapaziöses Programm

In Österreich wiederum stellen die Frankfurter am kommenden Sonntag noch einmal den Ernstfall in einem Testkick gegen den Drittligaverein FC Wels nach, um wiederum drei Tage später zurück nach Frankfurt zu hasten. Das Rückspiel gegen Tallinn ist für den 1. August (20.30 Uhr) anberaumt, das Spiel ausverkauft. Da stehen für den Eintracht-Tross also viele, viele Flugkilometer auf dem Reiseplan, das kann nerven, ist nicht ideal, oder wie Hütter formulierte: „Ist halt so.“ Wo er Recht hat.

Gestern Abend bis 23.59 Uhr musste bei der Uefa die Spielerliste der Eintracht für das Duell gegen Tallinn eingegangen sein, 25 Profis durften drauf stehen, Überraschungen gab es keine. Denn weiterhin ziehen sich die Verhandlungen um die ehemaligen Leihspieler wie Kevin Trapp oder Martin Hinteregger hin.

In beiden Fällen soll es nach FR-Informationen zwar weitere Annäherungen gegeben haben, fix vermelden konnten die Frankfurter aber keinen Deal. Wegen des Tauziehens um Hinteregger ist der österreichische Nationalspieler jedenfalls auf eigenen Wunsch nicht auf einem Mannschaftsfoto des FC Augsburg zu sehen. Der FCA stimmte diesem Ansinnen zu, so hieß es gestern vom Verein, weil es sich bei dem Foto noch nicht um das finale, sondern nur ein vorläufiges Bild des Kaders handle.

Hintertür für Neuzugänge offen

Wenngleich Trapp oder Hinteregger also noch nicht da sind, eine Hintertür für das Duell gegen Tallinn gibt es für sie aber sehr wohl. Denn bis einen Tag vor dem Anpfiff können noch zwei Spieler aus der Meldeliste ausgetauscht werden. Heißt: Wer bis Mittwoch verpflichtet wird, kann tags drauf spielen. Vermutlich aber wird die Eintracht noch ohne weiteren Zugang auflaufen, aller Voraussicht nach wird Hütter seine zurzeit täglich im Training erprobten Kicker aufbieten. Vorne könnten das Goncalo Paciencia und Ante Rebic sein, Außen Filip Kostic und Danny da Costa, im Mittelfeld Dominik Kohr, Mijat Gacinovic und Gelson Fernandes, hinten Evan Ndicka, Makoto Hasebe und David Abraham. Diese Qualität sollte allemal ausreichen, um den FC Flora niederzuringen, im Zweifel halt auch mühsam oder unter Mithilfe des Torwarts Frederik Rönnow.

Der Däne ist zurzeit die Nummer eins im Kasten der Hessen, er wird das aber nicht bleiben. Das Vertrauen in die Fähigkeiten des schmächtigen Schlussmannes ist nicht gerade groß. Eher klein. Fehler hat er in den bisherigen beiden Testspielen zwar nicht gemacht, auffällig gute Paraden aber ebenso wenig gezeigt. Die T-Frage soll, wie berichtet, mit einem T beantwortet werden, mit Trapp zwischen den Pfosten. Gelingt den Hessen diese Verpflichtung nicht, wird dennoch einer neuer Keeper kommen und Rönnow entweder auf die Bank oder zu einem neuen Klub verdrängen.

So könnte es sein, dass im Erfolgsfall schon in der nächsten Qualifikationsrunde ein neuer Mann das Tor hütet. Die Paarung, aus der der Gegner für eben jenes K.o.-Duell erspielt wird, lost die Uefa übermorgen in Nyon aus.

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