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Eintracht Frankfurt: Ein leuchtendes Beispiel

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt holt den Europapokal ins Hessenland – Chapeau. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main - Sie sind gekommen, um zu vollenden. Und sie haben vollendet. Es ist vollbracht. Die unglaubliche Reise von Eintracht Frankfurt quer über den alten Kontinent hat tatsächlich ein Happy End gefunden, und was für eines: Nach 13 Spielen auf internationalem Terrain hat der Traditionsverein aus dem Hessischen ein kleines Fußballwunder, ein modernes Märchen in der sengenden Hitze Sevillas Realität werden lassen. Hier der dürre Fakt, einmal in aller Kürze: Eintracht Frankfurt ist Europa-League-Sieger 2022. Der erste internationale Titel nach 42 Jahren. Ein historischer Triumph.

Letztmals ist das einer deutschen Mannschaft (Schalkes Eurofightern) vor 25 Jahren gelungen, da hatte einer wie Eintracht-Rechtsaußen Ansgar Knauff nicht mal das Licht der Welt erblickt. Als mit Werder Bremen zum letzten Mal ein deutscher Vertreter im Endspiel stand und gegen Schachtjor Donezk verlor, ist dieser Knauff gerade eingeschult worden. Und jetzt das.

Eintracht Frankfurt: Ein herausragender Botschafter für den Fußball

Diese famose Leistung ist gar nicht hoch genug zu bewerten, kaum ein Superlativ ist unwürdig, das Dargebotene und Erreichte zu beschreiben. Wer im August nach dem Pokalaus gegen den Drittligisten Waldhof Mannheim den Europapokalsieg nur neun Monate später prophezeit hätte, wäre wahrscheinlich geistig als nicht mehr so ganz taufrisch erklärt worden. Zumal die Eintracht in der Bundesliga im grauen Mittelmaß versunken ist. Umso heller strahlt der Stern am europäischen Fußballhimmel. Die Eintracht war ein herausragender Botschafter für sich und den deutschen Fußball, hat an Renommee und Glanz gewonnen.

Frankfurter Titeljubel mit Kevin Trapp (li.) und Timmy Chandler.
Frankfurter Titeljubel mit Kevin Trapp (li.) und Timmy Chandler. © Jan Hübner/Imago

Dieser Erfolg von Sevilla ist ein Meilenstein für den Klub, mit all den weichen Faktoren, aber auch den harten Fakten: Wirtschaftlich wird der Cupsieg die Eintracht in eine andere Sphäre hieven oder zumindest in die Richtung, in die der Verein unterwegs war, ehe Corona die Welt und also auch den Fußball jäh ausbremste. Die Teilnahme an der Champions League, erstmalig für die Eintracht, ist weder ideell noch monetär in Gold aufzuwiegen: Die Hessen können ihren Kader anders aufstellen, ihn aufwerten, das ist auch die Pflicht des Vereins, er muss ein konkurrenzfähiges Aufgebot zusammenstellen, das den hohen Anforderungen auf allen Ebenen gerecht wird.

Eintracht Frankfurt: Die Fußballwelt ein bisschen aus den Angeln gehoben

Und natürlich gibt die Königsklasse emotional einen ganz gewaltigen Schub. Man ist wieder wer, die Eintracht gehört dazu – tief im Herzen von Europa. Kaum vorstellbar, dass Verantwortliche wie die des FC Barcelona ahnungslos mit den Schultern zucken, wenn ihnen Eintracht Frankfurt zugelost wird und sie dann bass erstaunt sind, wenn sie quasi überrollt werden – auf dem Platz und auf den Rängen. Die Eintracht war es, die den ruhmreichen FC Barcelona in eine tiefe Sinnkrise gestürzt hat.

Eintracht Frankfurt hat die Fußballwelt ein bisschen aus den Angeln gehoben, dem Fußball ein Stück seiner Ursprünglichkeit, seines Grundgedankens zurückgegeben. Jeder kann jeden schlagen. Jeder hat seine Berechtigung, Leistung wird belohnt. Egal, wie viel Kohle dahinter steckt, egal wie viel Öl-Millionen Scheichs oder Oligarchen in ihr Hobby pumpen. Dieser Trip durch Europa war auch eine Rebellion gegen das Establishment, gegen Raffzähne oder Hasardeure, die immer mehr Zaster in ein krankes System treiben, die irrwitzige Pläne schmieden, um das marode Laufwerk am Zirkulieren zu halten. Eintracht Frankfurt wird diese Entwicklung nicht aufhalten. Keine Frage.

Aber der Verein hat ein Zeichen gesetzt, was möglich ist mit vergleichsweise geringen Mitteln. Die Hessen können als leuchtendes Vorbild für andere Klubs dienen, sie haben gezeigt, was mit Geschlossenheit und innerer Stärke machbar ist; dass man über sich hinauswachsen kann, wenn eine Mannschaft, ein Verein, eine Stadt, ja eine ganze Region zusammenhalten. Das ist eine Symbiose, die Berge versetzen – und sogar zu einem großen Titel führen kann. Chapeau, Eintracht. Gekommen und vollendet. (Ingo Durstewitz)

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