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Kader von Eintracht Frankfurt – Ein bunter Haufen

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Wer weiß, vielleicht ja auch bald als Stürmer gefragt: Torwart Kevin Trapp übt schon mal.
Wer weiß, vielleicht ja auch bald als Stürmer gefragt: Torwart Kevin Trapp übt schon mal. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Schlawiner, Durchstarter und Aufbauhelfer: Der Kader von Eintracht Frankfurt im Überblick.

Kevin Trapp: Der Held von Sevilla, Hexer unter der Latte, Rückhalt fürs ganze Team, der zurzeit vielleicht beste deutsche Torwart. Auf den 32-Jährigen wird es auch in dieser Saison wieder ankommen, muss erneut ein paar oder ein paar mehr Spiele alleine gewinnen, um die großen Ziele (internationaler Wettbewerb, Weiterkommen in der Champions League) in Angriff nehmen zu können. Wichtig auch als Integrationsfigur, ein Kümmerer, polyglott. Ein Gesicht des Klubs, werbewirksam, eine Führungskraft. Soll nun schwer von italienischen Klubs umworben sein? Was, bitte schön, soll er da?

Diant Ramaj: Der junge Torhüter geht mit Feuereifer zur Sache, manchmal auch mit Übereifer. Krachender Trainingszusammenprall mit Kollege Muani, tat dem neuen Stürmer ganz schön weh. Wirkt überhaupt sehr engagiert, sehr willig, schießt dadurch ab und an auch mal übers Ziel hinaus – gerade beim Rauslaufen muss er sein Timing verbessern. Kommt allerdings auch aus einer langen Verletzungspause, muss sich wieder das Selbstverständnis erarbeiten. Ist ja ohnehin nur die Nummer zwei. Auch wichtig: Versteht sich mit Stammballfänger Trapp, gehen sogar zusammen auf Böhse-Onkelz-Konzerte.

Kader von Eintracht Frankfurt: Lockerer Typ, selbstbewusster Kerl, junger Bursche

Jens Grahl: Wird auch in dieser Runde nicht viele Spiele machen, Nummer drei im Kasten, doch er ist wichtig fürs Klima, die Kabine. Lockerer Typ, ehrlich, offen, kommt gut an. Ganz wichtig für so einen bunten Haufen. Sportlich kann man auf ihn zählen, verlässlich, solider Backup, ist kein Trapp, wird er mit fast 34 auch nicht mehr. Macht aber nix.

Tuta: Selbstbewusster Kerl, obwohl erst 23. Weiß, was er kann, das ist eine ganze Menge. Gutes Auge, gutes Verständnis, gute Technik. Designierter Abwehrchef, in die Rolle muss er reinwachsen, der Hundenarr aus Sao Paulo. Wird trotzdem noch ein bisschen zulegen müssen, sollte er schaffen, er lernt vom Besten, Großmeister Makoto Hasebe.

Hrvoje Smolcic: Junger Bursche, wird in diesem Monat erst 22, dafür schon ganz schön cool. Wird sich trotzdem noch steigern müssen, aber der Linksfuß aus Kroatien bringt vieles mit, um irgendwann in die Fußstapfen von Kultspieler Martin Hinteregger treten zu können. Rustikaler Verteidiger, hart am Mann, mitunter gute Pässe. Könnte was werden, auf Sicht gesehen.

Touré ist bei Eintracht Frankfurt der stille Senkrechtstarter

Evan Ndicka: Bleibt er oder geht er doch noch? Was will der Spieler, was Eintracht Frankfurt? Fragen, die weiterhin nicht geklärt sind. Noch ist der Abwehrsouverän im letzten Frankfurter Vertragsjahr jedenfalls da und links hinten gesetzt. Klasse Verteidiger.

Almamy Touré: So etwas wie der stille Senkrechtstarter. War schon gegen Ende der letzten Saison enorm wichtig, der 26-Jährige aus Mali mit französischen Wurzeln. Wurde in den großen Spielen hinten ins kalte Wasser geworfen, und schwamm sich frei. Spielte abgeklärt, seriös, ohne seine Blackouts, die ihm oft die Leistung verhagelten. Vielleicht zahlt sich die Arbeit mit dem Mentalcoach ja doch aus. In dieser Form aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Darf jetzt aber auch auf seiner Lieblingsposition ran, in der Innenverteidigung, muss nicht mehr rechts die Linie hoch und runter stürmen. War nicht sein Ding, wollte aber Ex-Trainer Adi Hütter nicht wahrhaben.

Jerome Onguene: Hat schnell Anschluss gefunden im Team, der Kameruner, vor allem zu den französisch-sprechenden Kameraden Ndicka und Touré. Der Neue aus Salzburg ist ein offener Typ, trägt am liebsten bunte Klamotten, macht gerne Späße. Auf dem Platz dagegen ziemlich ernst unterwegs, kompromisslos, hart in den Duellen. Muss sich aber noch gehörig steigern, will er zur Stammelf gehören. Gerade fußballerisch deutlich hinter den internen Abwehrkonkurrenten zurück, dazu auch immer mal mit kleinen muskulären Problemen. Anfangs gewiss kein Kandidat für die erste Formation.

Eintracht Frankfurt: Wie lange ist Liga-Dino Hasebe noch dabei?

Timothy Chandler: Noch so ein Integrationsbeauftragter. Immer gut drauf, Frohnatur, Spaßvogel. Reißt die anderen mit. Auf dem Feld wird der 32-Jährige keine Bäume mehr ausreißen, wird sich strecken müssen, um auf ein wenig Spielzeit zu kommen. Doch kickendes Maskottchen will der Frankfurter Bub nicht sein, ist ehrgeizig, verpasst keine Trainingseinheit. Guter Junge.

Christopher Lenz: Flankt fast so häufig wie Flankenautomat Filip Kostic. Bloß meist aus dem Halbfeld, nicht von der Grundlinie wie der serbische Extraklassemann. Macht dadurch einen gehörigen Unterschied. Lenz war ja in der vergangenen Saison oft verletzt, diese Wehwehchen scheinen hinter ihm zu liegen. Konnte die Vorbereitung durchziehen, taugt gewiss auch für einzelne Einsätze (und Elfmeter). Für einen Stammplatz jedoch ist seine Qualität eigentlich nicht ausreichend – wird aber sowieso nur ein Thema, sollte Kostic den Klub tatsächlich noch verlassen.

Makoto Hasebe: Immer noch zu jung fürs Altenteil, 38 ist der alte Hase ja erst. Da kann man noch mal ein Jährchen dranhängen. Oder zwei. Wer weiß es schon. Der Bundesliga-Dino kann noch immer mithalten, ist Stratege, Dirigent und Aufbauhelfer in einem. Ein Genuss, ihm zuzuschauen. Sieht mehr als andere, kann mehr als andere. Das kann man nicht lernen. Wird nicht mehr alle Spiele machen, auch zu Saisonbeginn nicht, aber ist da, wenn man ihn braucht. Im neuen Jahr dann ältester Eintracht-Feldspieler der Geschichte. Er kann’s halt.

Hrustic will unbedingt WM spielen

Aurelio Buta: Macht den Anschein, alsbald einen Marathon laufen zu wollen. Will er natürlich nicht, doch mehr als Um-den-Platz-Joggen ist derzeit kaum drin. Die Neuerwerbung von Royal Antwerpen muss nach einer Knieoperation noch ganz schön aufpassen, nicht zu überziehen. War zwar im Trainingslager dabei, schaut seinen Mitspielern auch oft joggend von der Seite aus beim Üben zu – ist aber schon das Höchste der Gefühle. Wird noch viel Geduld brauchen, sich irgendwann auf der rechten Seite hinter Ansgar Knauff einreihen und um Einsatzminuten bemühen müssen.

Djibril Sow: Hat sich deutlich zur Eintracht bekannt, sieht seinen Weg im Hessischen längst noch nicht am Ende. Gut so, denn er ist wichtig. Enorm wichtig. Übernimmt mittlerweile mehr Verantwortung, durfte sogar teils in Testkicks die Kapitänsbinde tragen. Absoluter Fixpunkt im zentralen Mittelfeld. Ist der Mann im Eintracht-Team, der die besten Zuspiele über die gegnerischen Abwehrketten chippt und seine schnellen Stürmerkollegen auf die Reise schickt.

Ajdin Hrustic: Lässiger Bursche, der Australier mit bosnischen Wurzeln, guter Kicker obendrein, klasse linke Klebe. Mann ohne Nerven, siehe Elferschießen in Sevilla. Aber auch zu verspielt, nicht dynamisch genug. Wird es schwer haben bei der Eintracht, weiß der 26-Jährige auch. Bat deshalb um seine Freigabe. Darf gehen, wenn er einen Verein findet, der auch noch eine kleine Ablöse bezahlt. Hat bisher nicht geklappt. Der FC Augsburg war immer wieder mal interessiert, aber konkret ist es nicht. Will unbedingt bei der WM dabei sein, dazu muss er spielen. Aber wo?

Rode ist bei Eintracht Frankfurt der Anführer

Sebastian Rode: Die Final-Narbe auf der Stirn ist verheilt, wird aber wohl für immer sichtbar bleiben. Auch eine nette Erinnerung, sie stört den Seppl jedenfalls nicht. Hat die Vorbereitung gut durchziehen können, hört ja ohnehin ständig in sich hinein und nimmt sich – falls nötig – diverse Pausen. Wird weiterhin wichtig bleiben, fußballerisch auf dem Feld und als Anführer in der Kabine. Ein guter Kapitän, keine Frage. Ein guter Fußballer noch dazu.

Marcel Wenig: Aufgeweckter Junger, wachsam, klug. Sehr reif für seine 18 Jahre. Gute Statur, 1,88 Meter groß. Kein halbes Hemd. Kann kicken, spielt in seinem ersten Profijahr ordentlich mit. Der aus der Bayern-Jugend gekommene Mittelfeldspieler muss sich aber an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen, auch die Ballverarbeitung verbessern. Kann er schaffen, der Nürnberger ist lernwillig. Soll auch mal bei der neuen U21 aushelfen, aber dort kein Stammgast sein.

Kristijan Jakic: Der Inbegriff des fußballspielenden Zerstörers, schont sich und die Gegenspieler nicht. Diesen Typus an Profi hat die Eintracht im Mittelfeld nur einmal. Kapitän Rode kann zwar auch hinlangen, spielt aber doch mit wesentlich feinerer Klinge. Kroatiens Internationaler wurde in diesem Sommer von der Eintracht für rund vier Millionen Euro fest verpflichtet, er wird auf seine Einsätze kommen. Gibt ja genügend Spiele, um je nach Gegner das Anforderungsprofil im Mittelfeld anzupassen. Außerdem sind drei Partien in einer Woche für Rode ohnehin zu viele. Gut für Jakic.

Eintracht Frankfurt: Fans freuen sich auf Durchstarter Knauff

Daichi Kamada: Freigeist, Kreativkopf, Instinktfußballer. In bestechender Frühform, aus dem Team nicht wegzudenken. Trainer Oliver Glasner testete ihn sogar mal auf der Sechs, das kann er auch, der fast 26-Jährige. Wäre schade, wenn er geht. Spieler wie ihn, elegant, raffiniert, findet man nicht auf Anhieb.

Ansgar Knauff: Noch so ein Durchstarter. Seine Geschichte ist erzählt: Von der dritten Liga zum Europa-League-Sieg binnen weniger Monate. Märchenhaft. Hebt dennoch nicht ab, der schnelle Rechtsaußen ist zwar erst 20, aber schon erstaunlich erwachsen. Kommt mit seiner frischen Art gut an, hat seinen Platz im Team sicher.

Faride Alidou: Hat die für ihn persönlich miese Rückrunde beim HSV rasch hinter sich gelassen, überzeugt mit Dribblings und überraschenden Aktionen. Wirklich gute Ansätze. Sein Problem: Die Konkurrenz auf den offensiven Halbpositionen ist riesig. Wie viel Spielzeit kann Trainer Glasner ihm da überhaupt gewähren? Mann mit Perspektive.

Sprintstark: Randal Kolo Muani (links) und Faride Alidou eilen vorneweg.
Sprintstark: Randal Kolo Muani (links) und Faride Alidou eilen vorneweg. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Kader von Eintracht Frankfurt: Bleibt oder geht Kostic?

Filip Kostic: Die Spielpause war mal wieder seine. Bestimmte wie (fast) kein anderer, höchstens noch Martin Hinteregger, die sommerlichen Schlagzeilen im Eintracht-Kosmos. Gefühlt zum 178. Mal verkauft, ach was zum 278. Mal, und immer noch da. Juventus? West Ham? Eintracht? Man wird sehen. Könnte sich noch hinziehen. Sportlich jedenfalls wie immer gut dabei. Ein Abgang wäre ein Riesenverlust, das ganze Spielsystem müsste angepasst werden.

Mario Götze: Kann er noch mal zünden? Das fragen sich alle, ganz Fußball-Deutschland blickt auf den hochdekorierten 30-Jährigen. Zieht die Aufmerksamkeit auf sich, das macht ihm nichts mehr aus. Tritt bescheiden auf, geläutert. Will nur kicken. Auf dem Platz muss er zulegen, in der Vorbereitung eher unauffällig. Da ist Luft nach oben. Lässt seine Klasse zwischendurch aber immer wieder aufblitzen.

Jesper Lindström: Wirkt topfit, einer der besten Frankfurter in der Vorbereitung. Scheint auf einem guten Weg, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen, hat jedenfalls in Trainingseinheiten wie Testspielen vor des Gegners Kasten weniger Nerven gezeigt und häufig eingenetzt. War ja bisher seine Schwäche. Nimmt er diesen Schwung mit in die Runde, wird er viele Einsätze bekommen. Da müssen die angreifenden Neuzugänge erst einmal im internen Ranking an ihm vorbei.

Borré, der abgezockte Schlawainer von Eintracht Frankfurt

Jens Petter Hauge: Rennt ja neuerdings ganz draußen auf der rechten Seite rum, ändert aber wenig, bleibt halt trotzdem zu oft hängen. Nicht alles ist schlecht bei ihm, so fair sollte man bleiben, aber eben auch zu wenig gut, um in dieser Form eine ernsthafte Alternative für die Stammelf zu sein. Wird anfangs maximal zu Kurzeinsätzen kommen können, und selbst dafür muss er sich strecken.

Randal Kolo Muani: Speedy Gonzales – aus Frankreich, nicht aus Mexiko. Trotzdem schnell, rasend schnell. Bringt viel mit, um die Bundesliga künftig aufzumischen, muss sich gerade taktisch aber noch verbessern. Darauf wird in Deutschland mehr Wert gelegt als zuvor in der Ligue 1. Ist gerade gegen selbst nach vorne agierende Mannschaften wie die Bayern oder Real Madrid mit seiner Schnelligkeit eine gute Option für die erste Elf, die interne Konkurrenz aber ist eine starke. Wird daher wohl nicht gleich alle Spiele von Beginn an bestreiten.

Rafael Borré: Noch so ein abgezockter Schlawiner, im Glutofen von Sevilla eiskalt. Will seinen Stammplatz verteidigen, mit aller Macht, das spürt man in jedem Training. Hat aber starke Rivalen bekommen da vorne, in erster Linie den Knipser Lucas Alario. Was soll’s, Konkurrenz belebt das Geschäft. Muss ja nicht mehr, wie letzte Saison, alle Partien machen, der Vielflieger aus Kolumbien.

Lucas Alario: Für mehr als fünf Millionen Euro aus Leverkusen gekommen. So eine Art Schmidtchen Schleier, ein Phantom, wie einst Alex Meier. Oft nicht zu sehen, nicht eng eingebunden, schlägt dann aber aus dem Nichts zu. Weiß, wo das Tor steht, der 29-Jährige, braucht nicht viele Chancen. Wird ein heißes Gerangel da vorne.

Nimmt sich seine Pausen, schlägt dann aber eiskalt zu: Stürmer-Neuzugang Lucas Alario.
Nimmt sich seine Pausen, schlägt dann aber eiskalt zu: Stürmer-Neuzugang Lucas Alario. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Noch zwei Wechselkandidaten bei Eintracht Frankfurt

Goncalo Paciencia: Bei Trainingsspielchen oft nur Zuschauer, Spieler Nummer 23 des Kaders. Probiert sich dann im Lattenschießen, ganz alleine auf dem Nebenplatz. Bekommt man schon fast Mitleid, ist ja ein guter Typ, der Gonco, hat er nicht verdient. Fiebert immer mit den Kollegen. Ist allerdings ohne Chance auf Einsätze, sollte den Klub noch verlassen. Wäre besser für ihn.

Ali Akman: Eigentlich gar nicht mehr da, ist freigestellt. Der kleine Stürmer ist gewogen und für zu leicht befunden worden, vor allem: zu langsam für das, was die Eintracht vorhat. Vor einem Wechsel zu Galatasaray. Ist besser so. (Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz)

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