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Dietrich Weise war zwischen 1973 bis 1976 und 1983 bis 1986 Trainer von Eintracht Frankfurt. (Archivbild 2004)

Geburtstag

Dietrich Weise - ein feiner Mensch

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Der langjährige Trainer von Eintracht Frankfurt, Dietrich Weise, feiert heute seinen 85. Geburtstag.

Als Fußballschuhe noch schwarz und nicht quietschbunt waren und nicht Mercurial Superfly oder Predator oder Nemeziz Messi hießen, nannte ein Hersteller den Kickstiefel „Dietrich Weise“. Das sagt eine Menge aus über damaligen Stellenwert eines Mannes, der heute seinen 85. Geburtstag feiert und über den Bernd Hölzenbein, Weltmeister von 1974, sagt, „Herr Weise“ sei der Trainer gewesen, „der mich am weitesten gebracht hat“.

Dietrich Weise, in Sachsen-Anhalt geboren und 1958 in den Westen gegangen, war in den 1970er und 80er-Jahren einer der profiliertesten Fußballlehrer, der mit den Frankfurtern 1974 und 1975 DFB-Pokalsieger wurde. Dabei zähmte er auch solche Hallodris wie Thomas Rohrbach oder Gert Trinklein. Trinklein, dem im Juli 2017 verstorbenen Libero, verbot Weise im Pokalfinale 1974 gegen den Hamburger SV etwa, über die Mittellinie zu gehen. Trinklein tat es dennoch, und schoss prompt beim 3:1 ein Tor nach einem Solo übers halbe Feld. „Wenn mich keiner angreift...“, sagte Trinklein seinerzeit.

Weise schaffte es zudem, mit einer sehr jungen und aus vielen regionalen Talente bestehenden Frankfurter Mannschaft 1984 die Klasse zu halten, die an einem seidenen Faden hing. Thomas Berthold, Ralf Falkenmayer, Armin Kraaz, Uwe Müller und Hansi Gundelach waren nur einige der Spieler, die von Weise in ein schlingerndes Eintracht-Team integriert wurden und in zwei Relegationsspielen gegen den MSV Duisburg (5:0, 1:1) den Abstieg verhinderte.

Eintracht Frankfurt wurde zweimal von Weise trainiert

Weise, der zweimal bei der Eintracht anheuerte (1973 bis 1976 und 1983 bis 1986) trainierte darüber hinaus noch Fortuna Düsseldorf und den 1. FC Kaiserslautern, dazu gehörte er fünf Jahre zum Trainerstab des DFB. Er wurde mit der U 20 Weltmeister und mit der U 18 Europameister. Später ging er für drei Jahre nach Ägypten, war Nationaltrainer und wurde mit dem Kairoer Klub Al-Ahly Meister.

Dietrich Weise war Zeit seienes Lebens ein stiller, zurückhaltender Mensch, bescheiden im Auftreten, laute Sprüche waren ihm ein Gräuel, Siege pflegte er selten ausschweifend zu feiern, kaum war das Spiel abgepfiffen, hatte er den nächsten Gegner im Blick. Er war ein sehr akribischer, analytischer Kopf, nachdenklich. Seine Passion war die Jugend, viele junge Talente förderte er, ebnete ihre Laufbahn, etwa jene von Michael Zorc, Ralf Loose oder Roland Wohlfahrt. 

Dietrich Weise: Ein väterlicher Freund

Er war ein väterlicher Freund für die Spieler. Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel sagte einmal: „Zu keinem anderen meiner Trainer hatte ich ein ähnliches Vertrauensverhältnis“, Hölzenbein ergänzte: „In persönlichen Gesprächen hat er mein Selbstvertrauen gestärkt und mich mental sehr weit gebracht.“ Wer weiß, wie leicht sich „der Holz“ einst von Stimmungen hatte leiten lassen, ahnt, wie wichtig Weise für den Stürmer war. „Ein feiner Mensch.“

Seine Karriere als Trainer beendete Weise, der in Karben vor den Toren Frankfurts wohnt, als Nationalcoach Liechtensteins. Er verstand seinen Beruf in erster Linie als Fußballlehrer. An seinem Wissen ließ er alle teilhaben.

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