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Die Fans der Eintracht als zwölfter Mann: Nicht in den nächsten zwei Auswärtsspielen.

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Es gibt keine Lex Eintracht mehr

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Die Strafe gegen Eintracht Frankfurt wird eine neuerliche Zäsur bedeuten – aber keine Zeitenwende. Ein Kommentar.

Gleich im Eingangssatz ihrer gleichsam selbstgerechten wie uneinsichtigen Erklärung greifen die Frankfurter Ultras den europäischen Dachverband Uefa massiv an und bezeichnen dessen Mitglieder als „korrupte Typen“, die im Gießkannenprinzip Kollektivstrafen übers Fußballvolk verteilen. In der Tat: Die Uefa ist gewiss keine vertrauenswürdige Organisation, die in der Vergangenheit durch übermäßige Seriosität und Aufrichtigkeit auffällig geworden ist. Fakt ist aber auch, dass sie im Fall Eintracht das eine oder andere Mal fast schon beide Augen zugedrückt hat – sehr wohl auch aus Eigennutz. Denn die Frankfurter Anhänger (die in der großen Mehrzahl vernünftig und friedlich sind) produzieren mit ihrer Vielfalt, Reiselust und Liebe zum Verein sehr wohl Bilder, die der Verband als Imagekampagne für seinen noch immer im Schatten der Königsklasse darbenden Europa-League-Wettbewerb gut gebrauchen kann. Die Eintracht und ihre Fans sind Aushängeschilder in Europa.

Doch es gibt eben auch die Kehrseite, die hässliche Fratze, und es war abzusehen, dass den Funktionären in Nyon der Geduldsfaden irgendwann reißen und es keine Lex Eintracht mehr geben wird. Gut so.

Eintracht Frankfurt und die Schuld der Anderen

Die Hartnäckigkeit, mit der die radikale Fans ihr eigenes Fehlverhalten ausblenden, ist mittlerweile unerträglich geworden. Sind eigentlich immer die anderen Schuld? Die gegnerischen Anhänger, die die braven Frankfurter stets bis aufs Blut provozieren, sodass die zufälligerweise mitgeführten Sturmhauben übergestülpt und die aus Versehen herausgerissene Sitzschalen geworfen werden müssen? Die Schiedsrichter, die es wagen, Eintracht-Spieler vom Platz zu stellen? Die Fußballer der Kontrahenten, die die Chuzpe haben, sich tatsächlich im Mittelkreis aufzuhalten, wo doch jedem klar sein muss, dass genau dort gleich eine Leuchtrakete einschlagen wird? Immer diese Provokationen.

Nein, bar jeder Ironie: Die Eintracht hat eine harte, aber überfällige Strafe bekommen. Extrem bitter bleibt dabei, dass eine Minderheit mit ihren Dummheiten und Kurzschlussreaktionen dafür sorgt, dass die große Majorität auf schöne Reisen nach London und große Fußballfeste gegen Arsenal verzichten muss – ungeachtet dessen, dass Kollektivstrafen mehr als fragwürdig und rechtlich unzulässig sind. Sie sind nur Ausdruck einer Hilflosigkeit. Aber eben das Mittel der Uefa.

Eintracht Frankfurt: Die Vereinsführung ist gefragt

Die steten Sanktionen können sehr wohl dazu führen, dass die Fanszene in sich gespalten wird, was per se nicht mal problematisch sein muss. Schon in Rom hatten viele gemäßigte Fans die Nase voll und riefen den Krawallmachern aus Tausenden Kehlen zu: „Und ihr wollt Eintracht Frankfurt sein...“ Wahrscheinlich ist es blauäugig anzunehmen, dass ein Selbstreinigungsprozess einsetzt, aber trotzdem wäre es richtig, die Randalierer auszugrenzen, sie in die Ecke zu stellen und sie nicht noch zu schützen.

Auch die Vereinsführung ist gefragt, sie muss Klarheit und Stärke zeigen. Vielen, nicht nur Hardlinern, ist das Verständnis für die Ultras und ihre Verfehlungen zu weit gegangen, warfen der Klubführung einen Kuschelkurs vor. Das kann man so sehen.

Die Strafe wird eine neuerliche Zäsur bedeuten – aber keine Zeitenwende. Der Vorstand wird die Politik des Dialogs nicht aufgeben, was absolut richtig ist, um noch größere Auswüchse zu verhindern, überhaupt einen Zugang in die durchaus heterogene Szene zu finden und Einfluss nehmen zu können. Aber klar ist auch, dass so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist und einige Störenfrieden unbelehrbar sind. Der Klub ist gut beraten, seine Ticketvergabe zu überdenken und diejenigen aus dem Stadion zu verbannen, die immer wieder auffällig werden. Dass die Rädelsführer nicht ausfindig zu machen sind, ist im heutigen Zeitalter nur schwer vorstellbar.

Lesen Sie auch unseren Contra-Kommentar zur Strafe gegen Eintracht Frankfurt.

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