+
Der Autor wünscht sich einen Staubsauerbeutel - aber viel dringender sehnt er sich einen Sieg der Eintracht gegen Arsenal herbei.

Stillleben

Eintracht Frankfurt wie Dust in the wind

  • schließen

Unser Eintracht-Kolumnist erinnert sich an das letzte Mal, dass Eintracht Frankfurt gegen einen englischen Fußballverein spielte. Und gibt sich ein wenig Mitschuld an der Niederlage. 

Liebe Fußballfreunde, als Eintracht Frankfurt das bislang letzte Mal gegen einen englischen Fußballverein spielte, erschien das Stillleben auf Englisch. Das war offenbar not a very good idea, denn am Ende des Tages (und in diesem Fall stimmt diese Floskel ausnahmsweise mal) gab es ordentlich auf die Ohren. Ich sag’ nur: Eintracht: nuuuull – Arsenal: drei.

So etwas wäre im Wiederholungsfall recht ungünstig für den weiteren Verlauf der Mission Europa. Deshalb erscheint das Stillleben heute trotz englischer Woche auf Deutsch, und wenn wir schon mal dabei sind, alles anders zu machen, dann lassen wir einfach den Fußball weg.

Eintracht Frankfurt und das Warten auf ein Tor von Mijat Gacinovic

Vor drei Wochen habe ich nämlich im Elektrofachmarkt ein Ersatzteil für unseren Handstaubsauger bestellt: den Auffangbehälter für den Staub. Im Original-Auffangbehälter nisteten Textilmotten. Das Teil flog in den Müll. Jetzt haben wir keine Motten mehr, aber auch keinen einsatzfähigen Handstaubsauger.

Also ging ich zum Elektrofachmarkt und bat, einen neuen Staub-Auffangbehälter zu organisieren. Ja, sagte der Servicemitarbeiter A, aber dafür brauche er mehr als meine Fotografien des Staubsaugers aus 27 verschiedenen Perspektiven – er benötige Typ- und Seriennummer, und nein, er könne nicht in den ersten Stock gehen und schnell auf dem baugleichen Gerät nachschauen.

Beim zweiten Besuch im Elektrofachmarkt führte ich den Handstaubsauger eng am Körper. Der Servicemitarbeiter A entnahm dem Gerät die erforderlichen Einzelheiten, schaute in den Computer und bestellte ein Ersatzteil, das er „Luftfilter“ nannte, angeblich in Ermangelung von Alternativen („sonst seh’ ich hier nix“). Trotz Bedenken stimmte ich zu, vor allem aufgrund des akzeptablen Preises (zehn Euro).

Beim dritten Besuch im Elektrofachmarkt nahm ich das Ersatzteil entgegen, das auch ein Schabrackentapir mit Sehschwäche als ungeeignet identifiziert hätte. Kunde: „Das passt garantiert nicht.“ Servicemitarbeiterin B: „Sonst seh’ ich hier nix.“

Beim vierten Besuch im Elektrofachmarkt bestätigte sich, was die Testreihe daheim ergeben hatte: „Das passt nicht.“ 1:0 für mich. Servicemitarbeiter A (Blick in den Computer): „Dann muss es das hier sein.“ Er quittierte die Rückgabe des falschen Teils und versprach, sich alsbald mit Angaben zum richtigen Teil zu melden.

Seither warte ich auf den Anruf von Servicemitarbeiter A wie die Eintracht-Fans auf ein Tor von Mijat Gacinovic. Sämtliche Versuche, meinerseits im Elektrofachmarkt anzurufen, führten lediglich zu sächsisch sprechenden Telefonistinnen und Telefonisten, die mir einen Rückruf binnen 24 Stunden versprachen. Einer dieser Rückrufe kam sogar. Leider vom falschen Elektrofachmarkt. Ich dachte erst, es wäre die Mutter meiner bezaubernden Frau, um heimlich über Weihnachtsgeschenke zu beraten, denn der Elektrofachmarkt hatte dieselbe (niederrheinische) Telefonnummer und befindet sich in derselben Stadt.

Eintracht Frankfurt: Punkte klauen und verschwinden

Praktischer wäre freilich ein Staub-Auffangbehälter für unseren Handstaubsauger. Oder noch besser: Punkte im Emirates-Stadion. Bis ich das Staubding bei einem fünften Besuch im Elektrofachmarkt endlich werde entgegennehmen können, wird Eintracht Frankfurt längst in London gespielt haben. Diesmal übrigens mit mir im Stadion. Das hätte ich vorige Saison im Halbfinale auch gern erlebt, es scheiterte aber an einer Verkettung ungünstiger Umstände. Eine verrückte Geschichte. Die erzähle ich dann next time. Bis dahin: Auswärtssieg! Punkte klauen und in einer Staubwolke verschwinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare