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FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt - Niederlage für die SGE. 

Schwächen der SGE

Eintracht Frankfurt - zu oft durch rote Karten dezimiert

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt war in Mainz zu mutlos und ist generell zu oft dezimiert, weshalb sie sich nach hinten absichern muss

Der Frankfurter Trainer Adi Hütter hatte hinterher ins obere Regal gegriffen, um die Bedeutung dieses Spiels einzufangen, ein Spiel, das Eintracht Frankfurt in Mainz seit 33 Jahren nicht mehr gewinnen kann. Man habe „Geschichte schreiben wollen“, sagte also der Fußballlehrer aus Österreich, sein Team anno 2019 wollte die erste Eintracht-Mannschaft werden, die beim Nachbarn drei Punkte mitnimmt. Aber auch ihm war nicht gelungen, das Mainzer Stadion auf dem platten Land zu stürmen, mit einem 1:2 (1:0) trollten sich die Frankfurter am späten Montagabend nach denkwürdigen 90 Minuten. „Wir haben uns selbst um die Früchte der Arbeit gebracht“, urteilte Adi Hütter.

SGE gegen Mainz - Knackpunkt war die rote Karte

Der Knackpunkt in diesem Rhein-Main-Duell war ohne Zweifel die 44. Minute, als Dominik Kohr den enteilten Levin Öztunali von den Beinen notbremste und vom Platz gestellt wurde, und die sich daraus ergebenden Folgen. Zum einen natürlich die Unterzahl, die den Mainzern, bis dato nicht sonderlich kreativ im Spiel, perfekt in die Karten spielte, zum anderen die Reaktion des Frankfurter Coach. Hütter nahm zur Pause also Stürmer Goncalo Paciencia aus dem Spiel und brachte den sehr defensiven Mittelfeldspieler Lucas Torro. Das Signal war deutlich: Eintracht Frankfurt wollte offensichtlich mit aller Macht das 1:0, das Martin Hinteregger mit seinem bereits vierten Tor erzielt hatte, über die Zeit retten.

Das ging schief, weil Mainz 05, in der Defensive überhaupt nicht mehr gefordert, sofort deutlich mehr Druck entwickeln konnte, die Frankfurter gute 20, 25 Minuten einschnürte und dank „ihres Punchs und ihrer Power“ (Hütter) prompt das Spiel drehten. In dieser Drangperiode kamen die Hessen, auch mangels Anspielstation im Angriff, kaum mehr aus der eigenen Hälfte.

SGE mit nur noch eine Offensifkraft auf dem Feld

Dass Lucas Torro sich gleich zu einer einwandfreien, nicht erwartet guten Leistung aufschwang, hatte nichts damit zu tun, dass Eintracht Frankfurt nach der Pause praktisch nur noch einen gelernten offensiven Mann, nämlich Daichi Kamada, auf dem Feld hatte. „Ich werde trotzdem immer mutig bleiben“, sagte Hütter, selbst wenn er es in diesem Fall nicht war. In London war er es, der mit raffinierten taktischen Umstellungen die Wende zum Guten einleitete. In Freiburg übrigens, als Gelson Fernandes ebenfalls unmittelbar vor der Pause des Feldes verwiesen wurden, hatte er ebenfalls Paciencia taktisch geopfert, in Bas Dost und Kamada aber zwei nominelle Offensive auf dem Feld gelassen.

Dessen ungeachtet: Die Roten Karten häufen sich, und das ist es, was Hütter „nervt“. Denn: „Die Feldverweise tun uns richtig weh.“ Da müsse man „den Hebel ansetzen“. Bei Gleichzahl hätten „wir einen Punkt mitgenommen“, war er sich sicher, Hinteregger hielt sogar einen Sieg für wahrscheinlich, denn die Nullfünfer hätten vor dem Platzverweis „offensiv keine Idee“ gehabt.

SGE-Spieler Kohr vorerst gesperrt

Die Herausstellung von Kohr, der gestern vom DFB-Sportgericht für zwei Spiele gesperrt wurde, veränderte die Statik des Spiels dramatisch. Und es ist ja nicht das erste Mal, dass sich die Eintracht selbst um den Lohn bringt: In 26 Pflichtspielen in dieser Saison wurden der Eintracht bereits fünf Spieler vom Platz gestellt, das ist zu viel: Gegen Straßburg (Rot für Ante Rebic), gegen Arsenal (Gelb-Rot für Kohr), gegen Freiburg (Gelb-Rot für Fernandes, Rot für Abraham) und jetzt gegen Mainz mussten sich zehn Frankfurter einer gegnerischen Übermacht erwehren. Das geht selten gut, gerade auswärts nicht, vor allem geht es an die Substanz. „Eine komplette Halbzeit in Unterzahl spielen zu müssen, ist nicht so einfach“, fand Danny da Costa, der, wie auch Kollegen und Trainer, Dominik Kohr keinen Vorwurf machen wollte. „Aber natürlich kann er das besser machen“, sagte Hütter. In erster Linie aber hatte nach eigenem Eckball eine zusätzliche Absicherung nach hinten gefehlt, die Eintracht ließ sich im fremden Stadion nach allen Regeln der Kunst auskontern.

Konnte den Rückstand nicht mehr aufholen - SGE  

Und diesen Rückstand konnte sie dann, als sie „mit dem Rücken zur Wand“ stand, nicht mehr aufholen, trotz „Mentalität und Charakter“, wie Hütter lobend erwähnte. Aber am Ende fehlte eben auch die Durchschlagskraft, Djibril Sow und Filip Kostic ließen am Ende noch zwei prima Möglichkeiten aus.

Eintracht Frankfurt hängt nach der dritten Bundesliganiederlage am Stück zwischen Baum und Borke, befindet sich im Niemandsland der Tabelle. Platz zehn, 17 Punkte, das ist Mittelmaß. „Ich betrachte die Tabelle von beiden Seiten“, sagte Adi Hütter am Montagabend, gefragt, wohin denn die Reise gehe mit der Eintracht. Der Zug nach oben ist erst einmal abgefahren, der Blick nach unten erscheint im Augenblick realistischer.

SGE am Freitag gegen Hertha

Am Freitag empfangen die Hessen die von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann angeleitete Hertha aus Berlin, ein unberechenbarer, undankbarer Gegner, der als Tabellen-16. ebenfalls gewaltig unter Druck steht. Es ist mal wieder ein wichtiges Spiel, dieses Mal aber, um den Abstand nach unten zu vergrößern und um nicht wirklich in gefährliche Gefilde abzurutschen. Danach kommt das Auswärtsspiel bei den erstarkten Schalkern. Und zuvor wollen die Frankfurter im letzten Gruppenspiel gegen Vitoria Guimaraes am 12. Dezember das Überwintern in der Europa League absichern. Das wäre emotional nicht ganz unwichtig.

Lesen Sie hier unseren Kommentar: Eintracht Frankfurt: Ein Teil der Fans sucht die Machtprobe

Zwischen der Kür auf der internationalen Bühne und der Pflicht in der Liga muss die Eintracht aufpassen, nicht zerrieben zu werden. Am Ende dieser Hinrunde werden die Frankfurter 31 Pflichtspiele in den Knochen haben, mehr als jeder andere Klub – das kostet ohnehin Körner. Dieses Pensum häufig dezimiert in Angriff nehmen zu müssen, macht die Aufgabe doppelt und dreifach schwer.

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