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Purer Frust: Djibril Sow (li.) und Rafael Borré stehen mit der Eintracht früh in der Saison unter Druck. dpa
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Purer Frust: Djibril Sow (li.) und Rafael Borré stehen mit der Eintracht früh in der Saison unter Druck. dpa

SGE

„Herbe Klatsche“: Kapitaler Fehlstart von Eintracht Frankfurt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt kassiert zum Ligastart eine „herbe Klatsche“ in Dortmund. Lösungen müssen nun dringend her - im Idealfall auch mit weiteren Neuzugängen.

Der Neue an der Seitenlinie war zweifelsohne mit vollem Elan dabei, an seinem Arbeitseifer lag es nicht, dass Eintracht Frankfurt zum Auftakt in die 59. Bundesligasaison einen Fehlstart par excellence hinlegte. Oliver Glasner, Fußballtrainer, begleitete seine Truppe aus dem Hessischen quasi 90 Minuten lang stehend an der Außenlinie im Dortmunder Westfalenstadion mit Anweisungen. Er schrie gegen die 25.000 Fans an, vor allem aber gegen die schlechte Leistung seiner Mannschaft. Er gestikulierte wild, versuchte hinten seine Mannen zu ordnen und forderte sie auf, vorne möglichst mehr Unordnung beim Gegner zu stiften. Er tauschte zur Pause gleich drei Spieler und dazu noch das System. Das Resultat: ernüchternd. Die 2:5 (1:3)-Niederlage bei Titelanwärter Borussia Dortmund war für die Eintracht eine krachende. Der nächste Rückschlag nach jenem vor einer Woche mit dem Pokal-Aus bei Drittligist Waldhof Mannheim.

„Wir sind nur hinterhergelaufen, haben dem Gegner drei Tore selbst aufgelegt“, redete Glasner hinterher Klartext: „Wir waren mit dem Tempo der Dortmunder überfordert.“ Auch Sportvorstand Markus Krösche tadelte: „Wir waren Dortmund in vielen Dingen haushoch unterlegen.“ Es sei eine „herbe Klatsche“. Die Einordnungen der schwachen Leistung gegen einen starken Gegner waren selbstkritisch und angemessen.

Eintracht Frankfurt: Jens Petter Hauge fällt positiv auf

Die Frankfurter gingen kollektiv im Dortmunder Angriffswirbel unter, sie hatten der Technik, dem Tempo, vor allem der Urgewalt eines Weltklassemannes wie Erling Haaland nichts entgegenzusetzen, und leisteten auch noch selbst fleißig Hilfestellungen. Dem 1:0 von Marco Reus (23.) ging ein Ballverlust von Evan Ndicka voraus, beim 3:1 (34.) und 5:1 (70.) von Haaland tölpelten Stefan Ilsanker und Danny da Costa vor sich her. Für den BVB trafen zudem noch Thorgan Hazard zum 2:1 (32.) und Gio Reyna (58.) zum 4:1. Die Eintracht sorgte in Person von Neuzugang Jens Petter Hauge (87.) für den 2:5-Endstand, zwischenzeitlich brachte Felix Passlack mit einem Eigentor zum 1:1-Ausgleich (27.) ein wenig Hoffnung - vergeblich. „Besser individuelle Fehler als mannschaftstaktische Fehler, denn die sind nicht so einfach zu beheben. In Dortmund zu verlieren, kann passieren. Aber mit fünf Toren tut extrem weh“, gestand Ilsanker.

Es erstaunt, dass die Eintracht solch einen vogelwilden Auftritt hinlegte, obwohl Trainer Oliver Glasner lediglich einen externen Neuzugang in die Startelf beorderte. Rafael Borré stürmte anstelle des nach Leipzig gewechselten André Silva. Zudem stand noch Rückkehrer da Costa von Beginn an auf dem Rasen. Trotzdem wirkte das Gesamtkonstrukt konfus, zu häufig attackierten die Stürmer ohne nachrückende Defensivleute, während diese sich im Gegenzug sicher mehr Verve ihrer Angreifer in der Rückwärtsbewegung gewünscht hätten. Profis wie etwa Aymen Barkok zahlten das Vertrauen nicht zurück.

Die Restverteidigung, Absicherung, auch die Kompaktheit - eigentlich Trainingsschwerpunkte der Vorbereitung – waren vor allem in Hälfte eins nicht vorhanden. Alarmierend. „Das sind jetzt unsere Themen für die nächsten Wochen“, kündigte Glasner an, der nach dem Seitenwechsel auch vereinzelt gute Aspekte ausmachen konnte. Die eingewechselten Neuzugänge Jesper Lindström und Jens Petter Hauge seien „Lichtblicke“ gewesen, fand er, „ein belebendes Element“.

Eintracht Frankfurt: Schlechte Zweikampfquote

Vorstand Krösche erkannte zudem bei Mittelstürmer Borré ordentliche Ansätze, dieser habe „viel für die Mannschaft gearbeitet“. Er ließ jedoch auch drei gute Gelegenheiten aus. Immerhin hatte er aber die Chancen.

Tatsächlich zeigte sich die Eintracht im zweiten Abschnitt leicht verbessert, nachdem Glasner mit Hauge und Lindström mehr Sprintstärke aufs Feld geschickt und das System verändert hatte. Statt mit einer Dreierabwehrkette probierten es die Hessen mit vier Mann auf letzter Linie. Das gab etwas mehr Sicherheit. Womöglich auch künftig eine vorstellbare Systematik? Glasner wiegelte ab: „Wenn du in der ersten Hälfte nur eine 32-prozentige Zweikampfquote hast, kannst du mit Dreier-, Vierer-, Fünfer-, oder auch mit einer Fahrradkette spielen, dann ist das völlig egal.“ Wohl wahr, wenngleich eine Viererabwehr am Samstag gegen den FC Augsburg nicht unwahrscheinlich erscheint.

Alles in allem, sagte Vorstand Krösche, habe man in der zweiten Hälfte trotz zwei weiterer Gegentore erkennen können, „dass wir Möglichkeiten nach vorne haben“. Die Adaption der veränderten Spielidee von Trainer Glasner brauche ihre Zeit. Krösche aber schränkte ein: „Wir sollten das jetzt schnell machen.“ Ein weiterer Lapsus gegen Augsburg – und die Hütte würde sofort brennen.

Eintracht Frankfurt: Amin Younes vor dem Absprung?

Personell sollte die Eintracht noch nachschieben, dieser Eindruck hat sich gegen Mannheim und Dortmund eindrucksvoll verstärkt. Zwar gelangen ihr beim BVB zwei eigene Treffer, jedoch lediglich per Selbsttor und in Folge einer Ecke. Aus dem Spiel heraus waren die Bemühungen schon sehr dünn. Ein Abschlussspieler im Sturmzentrum sollte dem Team dringend zugeführt werden, um auch den Druck von den ohnehin schmalen Schultern des willigen Solisten Borré zu nehmen. Im zentralen Mittelfeld zudem muss im Grunde ebenfalls nachgelegt werden, vor allem dann, wenn sich die Verletzungsanfälligkeit des in Dortmund fehlenden Kapitäns Sebastian Rode fortsetzt. Ein weiterer Verteidiger wäre im Optimalfall ebenfalls empfehlenswert, soll dem Vernehmen nach auf der Frankfurter Prioritätenliste aber nicht ganz oben stehen. Da gibt es andere, größere Baustelle. Auch jene auf der Abgabenseite.

So spielte in Dortmund ein Trio überhaupt keine Rolle: Goncalo Paciencia, Steven Zuber und Amin Younes. Während es die beiden Erstgenannten ebenso wie Timothy Chandler nicht einmal in den Kader schafften, blieb Younes auf der Bank. Ganz klar, die Hessen würden Paciencia, Zuber und Younes bei entsprechend hohen Angeboten abgeben. Gerade im Fall des Offensivtricksers Younes ist das jedoch kompliziert. Es liegt zwar ein Angebot für Younes von Al-Shabab Riad in Saudi-Arabien vor, dieses ist der Eintracht mit etwa drei Millionen Euro an Ablöse aber zu gering. Selbst müssten sich die Frankfurter ja erst einmal mit Younes‘ Stammverein, dem SSC Neapel, einigen. Aktuell ist für den Leihspieler zwar eine Kaufoption von 2,5 Millionen Euro vereinbart, die aber erst im Sommer 2022 greift. Ein Nettogewinn von rund fünf Millionen Euro sollte es am Ende sein.

Die Krux an der Geschichte: Eigentlich will die Eintracht den Dribbler gar nicht abgeben, doch der unzufriedene 28-Jährige ist zurzeit schwer auf Linie zu bringen. Eine Personalie mit allergrößtem Unruhe-Potenzial. (Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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