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Wird er durch die Systemumstellung seiner größten Stärke beraubt? Filip Kostic muss sich umstellen.
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Wird er durch die Systemumstellung seiner größten Stärke beraubt? Filip Kostic muss sich umstellen.

Systemfrage bei der SGE

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic muss sich umstellen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt stellt auf eine Vierer-Abwehrreihe um. Das bringt eine gewisse Stabilität in der Defensive, aber birgt die Gefahr, den besten Fußballer aus dem Spiel zu nehmen.

Frankfurt - Die Frage war eher rhetorischer Natur, aber diente sehr wohl der Verdeutlichung. „Wann“, hob also Mittelfeldantreiber Djibril Sow an, „hat Eintracht Frankfurt denn zuletzt mit einer Viererkette gespielt?“ Es schien fast so, als könne er, der Schweizer Internationale, sich beim besten Willen nicht daran erinnern. Dabei stand Sow mit auf dem Feld, als Adi Hütter damals den freien Fall mit einem Pünktchen aus sieben Spielen zu stoppen gedachte, indem er die Abwehrformation umstellte.

Nach der Winterpause 2020 bot der Fußballlehrer plötzlich eine in Florida einstudierte Viererkette auf, rechts Almamy Touré, zentral David Abraham und Martin Hinteregger, links Evan Ndicka. Zumindest kurzfristig hatte die Umstellung Erfolg, Eintracht Frrankfurt siegte Mitte Januar durch Treffer von Bas Dost und Timothy Chandler mit 2:1 bei der TSG Hoffenheim und befreite sich in den kommenden Wochen mühsam aus dem Abstiegssumpf. Die Saison, zwischenzeitlich durch die Pandemie unterbrochen, beendeten die Frankfurter freilich wieder in der gewohnten Formation mit drei verteidigenden Spielern – ein System, das Niko Kovac 2016 eingeführt hatte und die Eintracht seitdem zumeist sehr erfolgreich praktizierte. Bis jetzt.

Eintracht Frankfurt steht gegen den FC Augsburg hinten stabiler

Wenn nicht alles täuscht, könnte diese Episode nun ein Ende finden, weil der immer noch recht frische Trainer Oliver Glasner nach eineinhalb ziemlich grottigen Halbzeiten in Mannheim und Dortmund seinen Abwehrverbund auf vier Männer abwandelte. Gegen Augsburg verteidigten Erik Durm (rechts), Evan Ndicka und Martin Hinteregger sowie Christopher Lenz (links). Sie machten ihre Sache insgesamt ganz ordentlich, ließen keine schnellen Gegenangriffe und auch kaum eine Torchance des FCA zu – sehr viel harmloser als die bayerischen Schwaben kann sich aber ein Kontrahent auch kaum präsentieren. Und doch: In diesem einen Spiel waren die Lücken und Räume nicht so groß wie zuvor. „Wir standen defensiv stabiler“, bestätigt Antreiber Sow. „Darauf lag der Fokus nach den beiden Niederlagen.“

Plötzlich rechter Part der Innenverteidigung: Evan Ndicka, Linksfuß.

Trainer Glasner will aus seiner Aufstellung keinen Paradigmenwechsel abgeleitet wissen. Die Viererkette habe er aufgeboten, „weil wir es relativ einfach halten wollten“, wie er sagt. Die Abläufe seien in einem 4-4-2 deutlich simpler, zudem gibt es wohl kaum einen Profi, der nicht in dieser Grundformation aufgewachsen ist. Er, Glasner, habe aber nicht nur die Defensive stabilisieren, sondern auch das Angriffsspiel forcieren wollen. „Ich sage es plakativ: Wir haben einen Abwehrspieler rausgenommen und eine Zehner reingestellt. Wir waren viel offensiver.“

Eintracht Frankfurt: Rechte Seite ist eine Problemzone

Die Frage bleibt dennoch: Hat Oliver Glasner überhaupt die Spieler, um auf diese Ordnung zu setzen? Rechts hinten tummeln sich mehrere Kandidaten, Erik Durm, Danny da Costa, Timmy Chandler und demnächst auch wieder Almamy Touré, der gewiss das größte Potenzial mitbringt, aber meistens verletzt oder arg wankelmütig ist. Rein quantitativ sind also genügend Alternativen gegeben, qualitativ muss man Abstriche machen.

Erik Durm ist ein solider Verteidiger, aber ohne große Ausschläge nach oben. Chandler ist zwar wichtig fürs Team und die Hygiene in der Kabine, aber ganz klar Backup, in Dortmund schaffte er es nicht mal ins Aufgebot. Und Danny da Costa hat irgendwann unter dem von ihm ungeliebten Adi Hütter seine Form verloren, sie in Mainz unter Bo Svensson wieder gefunden – tja, und nun rätselt die Eintracht-Entourage, weshalb ihm der Neustart in Frankfurt so ungeheuer schwer fällt. Irgendwie scheint der sensible Verteidiger blockiert. Seit der vor zwei Jahren so furios auftrumpfende 28-Jährige im Tief steckt, ist die rechte Seite eine Problemzone – das hat indes nichts mit der Viererkette zu tun, gilt auch in anderer Grundordnung.

Gravierende Umstellung für Filip Kostic bei Eintracht Frankfurt

Auf der anderen Seite ist es ebenfalls knifflig: Denn dort steht praktisch nur Neuzugang Lenz zur Verfügung, ein rechtschaffener Läufer mit Leidenschaft und Mentalität, aber eben auch spielerischen Grenzen. Kann der 26-Jährige tatsächlich dauerhaft auf einem Niveau performen, um den gestiegen Ansprüchen zu genügen? Da sind Zweifel angebracht. Aus dieser Taktik heraus ergibt sich zudem noch eine gravierende Umstellung für den besten Frankfurter Spieler Filip Kostic. Durch Hintermann Lenz muss der Serbe sein Spiel modifizieren und kann nicht mehr so oft außen am Flügel zu seinen Soli aufbrechen. Das war jedoch seine größte Stärke: mit Anlauf zu seinen gefürchteten Sprints ansetzen und seine berüchtigten Flanken schlagen. Nun ist der Platz oft verstellt, nicht nur von Lenz, sondern auch von Jesper Lindström, der sich ebenfalls ab und an links tummelt. Wird somit also nicht Kostic seiner größten Stärke aus den eigenen Reihen beraubt?

Verteidigt links hinten: Neuzugang Christopher Lenz.

Glasner ist anderer Meinung. „Wir wollen Filips Offensivstärke voll ins Spiel bringen“, sagt der Fußballlehrer. „Er soll sich weniger Gedanken nach hinten machen.“ Und dem Trainer ist eine zusätzliche Absicherung wohler, schon als Wolfsburger Trainer hat er die linke Frankfurter Abwehrseite als Schwachstelle ausgemacht, weil Kostic eben so offensiv denkt. In neuer Rolle auf der Halbposition wirkte Kostic gegen Augsburg etwas verloren und deplatziert und auch nicht immer hellwach. „Für Filip ist das ungewohnt“, hat Kollege Sow erkannt. „Er hat drei, vier Jahre nur links auf der Linie gespielt.“ Jetzt müsse der 28-Jährige variabler sein, „mal in die Mitte kommen, mal in die Tiefe, mal über außen“.

Das neue Betätigungsfeld soll vor allem dazu führen, dass „unser Angriffsspiel unberechenbarer wird“. Das hat sich Glasner auf die Fahne geschrieben: Unkalkulierbarkeit und Unvorhersehbarkeit. Und das Toreschießen soll auf mehrere Schultern verteilt werden, weshalb sich der Coach von Kostic mehr Torgefahr wünscht. Das Ganze sei für den Nationalspieler neu. „Aber er geht absolut positiv damit um.“ (Ingo Durstewitz)

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