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Eintracht Frankfurt mit halber Kraft zum Überwintern

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Der Dosenöffner: Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani macht das 1:0.
Der Dosenöffner: Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani macht das 1:0. © dpa

Eintracht Frankfurt zieht nach einem glanzlosen, zähen 2:0-Arbeitssieg bei Kickers Stuttgart ins Pokal-Achtelfinale ein.

Stuttgart – Hinterher, als der „harte Arbeitssieg“ unter Dach und Fach war, hat Sebastian Rode, der Kapitän der Frankfurter Eintracht, reichlich Blumen verteilt an den Fünftligisten. Mindestens „gehobenes Regionalliga-Niveau“ hätten die Stuttgarter Kickers in ihren Reihen, sie hätten „einen klaren Plan“, hätten „nach vorne gespielt“, und eigentlich dürfte der anvisierte Aufstieg in die vierte Liga „so gut wie sicher sein“. Das war sehr anständig vom Frankfurter Spielführer, und ganz sicher auch kein leeres Gerede. In der Tat hatten sich die Schwaben die Komplimente verdient, und Rode war ja nicht der einzige, der die Leistung des Underdogs fair und voller Respekt zu würdigen wusste.

Auch Eintracht-Trainer Oliver Glasner hatte nach dem Abpfiff seinem Kollegen Mustafa Ünal, im Brotberuf Lehrer an einer Realschule, zu der couragierten Leistung seiner „Blauen“ gratuliert. „Die Kickers haben es uns schwer gemacht“, sagte der Österreicher. An dessen ungeachtet ungefährdeten 2:0 (2:0)-Erfolg der Hessen änderte das aber nichts, am Ende war es dann doch ein Unterschied von vier Klassen. Auch wenn man den auf dem Feld nicht sah.

Eintracht Frankfurt: Mühe auf dem Rasen

Ganz offensichtlich war, dass die Frankfurter Spieler so ihre liebe Mühe und Not mit dem holprigen Rasen im Stadion Auf der Waldau hatten. Die Kugel ließ sich schwer nur kontrollieren, vor allem beim Direktspiel, häufig hoppelte der Ball, das lähmte durchaus das Kombinationsspiel, und ein bisschen muss es für die Eintracht-Profis wie Kulturschock vorgekommen sein.

Vor einer knappen Woche noch ließen sie das Bällchen auf dem bestens gepflegten und gehegten Rasenteppich von Tottenham rollen. Aber mit solchen Widrigkeiten muss ein Bundesligist zu Recht kommen. Taten sie dann letzten Endes auch.

Trainer Glasner, der die Stammkräfte Evan Ndicka, Jesper Lindström und Daichi Kamada zunächst auf der Bank ließ, wollte trotz der sehr durchwachsenen Vorstellung des Favoriten kein Wasser in den frischen Wein gießen. Angesichts des satten Pensums, das die Eintracht zu bewältigen hatte und noch haben wird, wolle er „ein bisschen Nachsicht walten lassen“, sagte er. „Wir hatten bereits das 17. Pflichtspiel, die Hinserie ist für uns eigentlich rum, Mitte Oktober.“

Eintracht Frankfurt: In der zweiten Halbzeit zu wenig

Dass sein Team in der zweiten Halbzeit, nach der frühen 2:0-Führung, einen Gang zurückgeschaltet und praktisch „mit halber Kraft“ gespielt hatte, „kann ich nachvollziehen“. Immerhin habe man kaum etwas zugelassen, selbst bei Standards, die große Schwäche der Frankfurter ansonsten, habe man sehr konzentriert agiert. Im Grunde hatten sich die Frankfurter den alten Spruch zu eigen gemacht, wonach ein gutes Pferd nur so hoch springt, wie es muss. „Klar, wir müssen das Spiel vorher zumachen, in der zweiten Halbzeit war es zu wenig“, sagte Christopher Lenz, „aber wir wollten weiterkommen, egal wie.“

Dabei hatten die Hessen die Partie im erstmals seit 16 Jahren wieder ausverkauften Stadion in Degerloch nach knapp 20 Minuten schon vorentschieden. Erst nutzte Randal Kolo Muani (11.), der dieses Mal, anders als am Samstag gegen Bayer Leverkusen, mit seinem einzigen Schuss aufs Tor seine allererste Chance zur Führung. Ein einfacher Doppelpass mit Rafael Borré reichte, der Lupfer über Kickers-Torwart Ramon Castellucci war sehenswert. Und kurz darauf köpfte Hrvoje Smolcic eine Ecke von Mario Götze (17.) zum 2:0 ins die Maschen. Es war übrigens sein allererster Startelfeinsatz. „Bei den Toren“, sagte Stuttgarts Ünal, „haben die Frankfurter ihre Klasse aufblitzen lassen.“ Kurz darauf visierte Borré allein vor dem Stuttgarter Tor nur den Innenpfosten an. Ein drittes Tor hätte für Ruhe gesorgt. Es sollte für eine sehr lange Zeit die letzte halbwegs gelungene Frankfurter Aktion bleiben.

Eintracht Frankfurt wenig souverän

Denn spätestens, nachdem sich nach der Halbzeitpause die Rauchschwaden verzogen hatten, die beide Lager initiierten, hatten die Hessen gegen der Oberligisten aus Baden-Württemberg mehr und mehr die Kontrolle über dieses Pokalspiel verloren. Nicht dass es besonders brenzlig wurde vor dem Tor von Kevin Trapp, der 24 Stunden zuvor noch im feinen Zwirn in Paris bei der Gala des Ballon d’Or zugegen war und erst am Spieltag zur Mannschaft gestoßen war.

Dazu war der Fünftligist bei allem Eifer dann doch zu harmlos, aber ein klein wenig mehr Souveränität hätte man dann doch erwarten können. Es entwickelte sich bald ein sehr zähes Spiel, in dem die Kickers ihr Herz in beide Hände nahmen, und die Frankfurter defensiv zwar sehr konzentriert zu Werke gingen, die Partie aber nur noch in bester Beamtenmanier verwalteten.

Es dauerte allen Ernstes bis zur 75. Minute, ehe Eintracht Frankfurt mal wieder einen halbwegs nennenswerten Angriff vor das Kickers-Tor brachte. Sebastian Rode war von dem sehr beflissenen Faride Alidou in Szene gesetzt worden, sein Schuss wurde indes abgeblockt. Das war es dann auch. Ohne sich gegen den Fünftligisten mit Ruhm zu bekleckern, hat es Eintracht Frankfurt geschafft, im DFB-Pokal zu überwintern. Alles andere wäre auch eine große Peinlichkeit gewesen.

Immerhin gab es auf Stuttgarter Seite zumindest einen großen Gewinner: Spielführer Kevin Dicklhuber wurde nicht nur zum Mann des Spiels gekürt, er sicherte sich auch das Dress von Mario Götze. Er hatte ihn während des Spiels, kurz nach dem 1;0, gefragt, ob man hinterher die Trikots tauschen könne, Götze hatte sofort zugesagt, „total nett“, fand das Dicklhuber, „total bodenständig, gar nicht abgehoben“. Dafür bestand auch kein Grund. Auch Glasner legt Wert auf eine stets respektvollen Umgang: „Wir dürfen nie von oben herab kommen.“ (Thomas Kilchenstein/Ingo Durstewitz)

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