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David Abraham, Täter.

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David Abraham: Es wird nicht schlimmer, nur hysterischer

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Eintracht-Kapitän David Abraham wird zu Recht lange gesperrt. Das ist aber kein Grund für die allgemeine Hysterie um die angebliche Verrohung der Sitten. Der Kommentar.

Am Ende erinnerte es ein wenig ans Hornberger Schießen. Erst viel Getöse um die Verhandlung von Eintracht Frankfurts Kapitän David Abraham vor dem Sportgericht des DFB gegen seine lange Sperre, dann die Sitzung selbst, und am Schluss bleibt alles wie es war. Das Pulver verschossen, bevor der Gegner die Stadtmauer erreicht hat. Man hätte es sich sparen können. Und es gab im Vorfeld nicht wenige, die sich das genau so gedacht hatten.

Überhaupt sollte es jetzt mal gut sein mit dieser ganzen Geschichte und dem medialen Aufriss darum. David Abraham hat einen kapitalen Bock geschossen, sein Opfer Christian Streich nicht all zu viel dazu beigetragen der Kugel aus dem Weg zu gehen, alle sehen ihre Fehler ein und geloben es nie wieder zu tun. 

David Abraham und Christian Streich bleiben entspannt

Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Aufregung der Öffentlichkeit um diesen Fall in keinem Verhältnis zu der der direkt Beteiligten steht. Die hatten sich nämlich schon unmittelbar nachdem sich die erste Hektik gelegt hatte wieder ganz toll lieb.

Es wurde im Verfahren gegen den Eintracht-Kapitän wie auch schon zuvor medial auf die angebliche Vorbildfunktion der Profifußballer hingewiesen, dass die Sitten immer mehr verrohen und es im Fußball genau wie in der Gesellschaft allgemein immer schlimmer werden würde. Da gilt es natürlich ein Zeichen zu setzen.

David Abraham ist harmlos im Vergleichzu Berti Vogts oder Werner Lorant

Wahrscheinlich aber hat sich am Verhalten der Kicker auf den Plätzen dieser Republik in den letzten Jahren gar nicht so verändert. Es ist nicht viel schlimmer geworden. Im Gegenteil. Auf dem Platz geht es, zumindest was den Profifußball anbelangt, wesentlich gesitteter zu als noch vor ein paar Jahren. Einer mit der Spielweise eines Berti Vogts zum Beispiel würde heutzutage in jedem zweiten Spiel vom Platz fliegen, einer wie Werner Lorant wahrscheinlich nach ein paar Einsätzen eine lebenslange Sperre erhalten. Über das, was aktuell im Umfeld der Innenminister der Länder als nicht zu tolerierende Gewalt in Zusammenhang mit Fußballspielen angeprangert wird, hat man vor noch gar nicht so langer Zeit nicht einmal berichtet. Und dies, obwohl es weitaus übler zuging als in diesen Tagen.

Natürlich ist es leicht, den Medien die Schuld an dieser allgemeinen Hysterie zu geben. Die Szene zwischen Abraham und Streich war tagelang im Fernsehen zu sehen, keine Zeitung konnte es sich leisten, nicht in aller epischen Breite über den Fall zu berichten. Experten wurden gesucht, und wenn keine gefunden wurden, weil es keinen Experten für solch einen Fall gibt, der noch dazu offensichtlich und glasklar war, dann wurde halt derjenige zum Fachmann, der irgendwann mal irgendwo einen Ball über irgendeinen Rasen getreten hatte. Da wurde heftig am Rad gedreht, zu heftig wahrscheinlich.

Eintracht Frankfurt sollte auf die Berufung verzichten

Aber zur medialen Aufregung gehört natürlich auch das, was auf den verschiedenen Plattformen des Netzes zu lesen war. Egal ob in Foren, auf Facebook oder Twitter war die Hysterie nicht weniger groß als in den traditionellen Medien. Am Leben gehalten von den Fans, die eigentlich gar nicht mehr darüber reden wollten.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich mal ein wenig lockerer zu machen. Das betrifft alle, auch Eintracht Frankfurt, die auf eine mögliche Berufung gegen das Urteil verzichte sollte. Lasst es gut sein. Und damit zurück zum Sport.

Im Spiel gegen den FC Arsenal darf Abraham auflaufen. Wer das Spiel nicht im TV verfolgen kann, hat die Möglichkeit, ganz entspannt unseren Live-Ticker zu lesen. Mit uns verpassen Sie nichts von dem Schicksalsspiel der Eintracht. 

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