Evan Ndicka und ein Gegenspieler
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Alles im Griff: Evan Ndicka wünscht sich mehr Einsatzzeit.

Ndicka und Tuta

Eintracht Frankfurt: David Abraham verlässt die SGE - Sein Abgang wird zur Chance 

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt gibt Rätsel auf: Wer übernimmt Abrahams Platz, was wird aus Ndicka und wie kann man das Team verjüngen?

  • Der Abgang von Kapitän David Abraham könnte sich für zwei Spieler der Eintracht als Chance erweisen.
  • Trainer Adi Hütter steht vor einem Dilemma.
  • Besonders Evan Ndicka benötigt dringend Spielzeit.

Frankfurt - Nach dem mittelprächtigen Auftritt gegen den 1. FC Nürnberg samt noch mittelprächtigerem Resultat (0:2) hat der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner zwei Grünschnäbel herausgepickt, die sich wacker geschlagen und ihre Sache gut gemacht hätten: Evan Ndicka, 21 Jahre alt, und Tuta, ebenfalls 21. Beide Youngster spielen in der Verteidigung der Eintracht, beide sind talentiert, aber fristen zumeist ein Dasein auf der Bank. Doch das könnte sich bald ändern.

Das hat in erster Linie mit dem angekündigten Abschied von Kapitän David Abraham zu tun, der Mitte Januar in seine argentinische Heimat zurückkehren wird. Sein Weggang wird eine Lücke reißen. Doch er ist auch eine Chance für die aufstrebenden Profis aus der zweiten Reihe. Der logische Nachfolger des 34-Jährigen ist der Brasilianer Tuta, weil er ebenfalls auf der rechten zentralen Abwehrseite beheimatet ist. Noch vermag aber niemand seriös zu beantworten, ob er auf Strecke gesehen das Zeug hat, um auf diesem Niveau seinen Mann zu stehen. Dafür hat er bisher einfach zu wenig gespielt, zu wenig ernsthafte Proben überstehen müssen.

David Abraham verlässt Eintracht Frankfurt: Chance für Ndicka und Tuta

Gegen Hoffenheim sprang er einmal für eine halbe Stunde ein, da machte er seine Sache ausgesprochen gut. Drei Wochen später ging er im Münchner Angriffswirbel unter, war zeitweise überfordert – aber die Bayern sind halt auch die Bayern. Trainer Adi Hütter wäre gut beraten, den talentierten Südamerikaner aufzubauen, ihm Vertrauen zu schenken und ihn quasi den Praxistest unter schärfsten Wettkampfbedingungen zu unterziehen: Nur so wird man erkennen, ob er das Potenzial hat und sich freischwimmen kann – oder eben nicht. Keine Option ist, im Winter auf dem Transfermarkt zuzuschlagen, einen gestandenen Spieler zu holen und den eigenen Talenten damit wieder die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Das ergibt keinen Sinn.

Zumal es auf der anderen Seite der zentralen Deckung äußerst knifflig zugeht, dort sitzt nämlich ein Spieler draußen, der seine Befähigung schon unter Beweis gestellt und vor dem eine verheißungsvolle Zukunft liegt: Evan Ndicka. Der Franzose hat das Pech, dass in Martin Hinteregger eine Abwehrkante vor ihm in der Hierarchie steht, die Hütter über die Maßen schätzt. Zu Recht. Der 28-Jährige, sagt der Coach, habe das Zeug dazu, bei einem Champions-League-Klub zu verteidigen.

David Abraham verlässt Eintracht Frankfurt: Werte schaffen mit Talenten

Das ist ein Luxusproblem, klar, doch eines, das irgendwie gelöst werden muss. Das ist schwierig genug. Denn Hütter ist kein Trainer, der einen Linksfuß (wie Ndicka und Hinteregger) auf die andere Seite beordert, und in der Dreierkette ist nun mal nur ein Platz auf links zu vergeben. Die einzige Option: Hütter stellt Hinteregger in die Abwehrzentrale, dann könnte Ndicka nach links an seine Seite rutschen. Nachteil: In diesem Fall wäre kein Platz mehr für Makoto Hasebe, den Strategen, Aufbauspieler und antizipatorisch besten Fußballer. Auf den fast 37 Jahre alten Japaner wollte Hütter bisher nicht verzichten. Er fühlt sich am besten, wenn Hinteregger und Hasebe gemeinsam hinten zu Werke gehen: „Dann weiß ich, dass unser Spielaufbau besser ist.“

Oder aber Hasebe rückt vor ins Mittelfeld, auf die Sechserposition, auf der er fußballerisch groß geworden ist, als er noch jünger war. Im Testspiel gegen Nürnberg agierte der Routinier auf dieser Position, und es erscheint nicht abwegig, dass Hütter ihn auch in der Bundesliga mal nach vorne zieht. Eine Dauerlösung ist das natürlich nicht.

Für den jungen Ndicka ist die Situation unbefriedigend. Er kommt jetzt langsam in ein Alter, in dem er spielen muss, um sich weiterzuentwickeln, besser und konstanter zu werden. Der französische U-21-Nationalspieler bringt vieles mit, er ist schnell, ruhig, für sein Alter erstaunlich abgeklärt, allein seine Spieleröffnung ist ausbaufähig.

David Abraham verlässt Eintracht Frankfurt: Evan Ndicka braucht Spielzeit

Und: Er ist einer der Spieler, den die Frankfurter teuer verkaufen könnten. Beim Verteidiger, dessen Marktwert 22,5 Millionen Euro beträgt, liegen die Transferrechte komplett bei der Eintracht, es gibt also keine Partizipationen von Dritten wie es heutzutage üblich ist. Aber um Akteure in den Markt zu geben, müssen sie auch spielen und sich zeigen können.

Hütter würde generell gerne jüngere Spieler entwickeln und einbauen, aber er muss auch, profan gesagt, Ergebnisse liefern. Und was tun, wenn er die Älteren einfach als besser erachtet? Schwierige Gemengelage.

Klar ist auch, dass der Verein mit seinen Spielern Werte schaffen will und muss. Das ist Teil der Klubpolitik, die Eintracht sieht sich als gehobener Ausbildungsverein. Dazu müsste sie aber ihre Strategie wieder der Philosophie anpassen, denn die Altersstruktur passt so gar nicht in dieses Raster. Die Eintracht stellt die älteste Bundesligamannschaft mit einem Schnitt von fast 30 Jahren. Das passt auch intern nicht jedem. Eine Verjüngung ist vonnöten, will man die Grundidee beibehalten, denn mit 30-Jährigen lässt sich kein großes Geld mehr machen. Schon bei Filip Kostic und Martin Hinteregger, beide 28, werden die Preise langsam fallen.

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