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Das neue Selbstverständnis der Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Plakat am Straßenrand: die Adlerfahren im Bergmassiv.
Plakat am Straßenrand: die Adlerfahne im Bergmassiv. © Ingo Durstewitz

Von Tag zu Tag wird deutlicher, wie sehr der Europa-League-Sieg von Eintracht Frankfurt die Wahrnehmung und das Selbstverständnis dieses Vereins verändert hat. Ein Kommentar.

Es hing, retrospektiv betrachtet, dann doch eine ganze Menge an dieser Monsterparade von Kevin Trapp in der 118. Spielminute, damals in Sevilla kurz vor Mitternacht, 18. Mai 2022, Estadio Ramón Sánchez Pizjuán. Wir erinnern uns: Rangers-Spieler Kemar Roofe passt in die Mitte zu Ryan Kent, der steht da mutterseelenallein, drei, vier Meter vor dem leeren Tor, das würde es sein: 2:1 für Glasgow, 120 Sekunden vor dem Ende. Aus der Eintracht-Traum, peng, zerplatzt wie eine Seifenblase. Doch irgendwie hechtet Keeper Trapp in die Ecke, wie eine Katze, wie eine Krake, irgendwie bekommt er noch das Knie an den Ball, und der Nachschuss zischt auch über die Torstange. Eine Parade vom anderen Stern, eine Tat für die Ewigkeit. Kevin Trapp, der Held von Sevilla. Im ultimativen Shootout hält er natürlich auch noch einen Elfer, den von Aaron Ramsey, und fünf seiner Kollegen, Christopher Lenz, Ajdin Hrustic, Daichi Kamada, Filip Kostic und Rafael Borré, behalten vom Punkt die Nerven. Eiskalt. Auch Helden. Wie alle anderen. Ein epischer Erfolg, eine magische Nacht, ein historischer Triumph: Europapokalsieger Eintracht Frankfurt.

Okay, das ist nun keine heiße Neuigkeit mehr, aber bemerkenswert. Und erst jetzt wirklich realisierbar ist, wie dieses europäische Statement die Wahrnehmung und das Selbstverständnis dieses Vereins verändert hat. Selbst in Österreich, fern der Heimat, ist Eintracht Frankfurt in aller Munde, wird nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, ja verehrt.

Eintracht Frankfurt: SGE-Fieber in Oberösterreich - Verein wird anders wahrgenommen

Auf Plakaten entlang der Landstraßen wird der Europa-League-Sieger mit der Adlerfahne im Bergmassiv begrüßt, dort, wo Kevin Trapp auftaucht, branden sofort Sprechchöre auf („Neuer auf die Bank“), Oberösterreich brüstet sich mit Trainer Oliver Glasner. Der so erstaunlich bodenständige und anfassbare Fußballfachmann erhält eine Auszeichnung nach der anderen, Landesrat Markus Achleitner schaut im Trainingscamp vorbei, und in Windischgarsten wird zu Ehren der Eintracht eine Welcome-Party geschmissen, mit Live-Mucke von „The Foxes“ – unterbrochen nur, als das Trainerteam auf die Bühne gebeten wird und später unter dem Gesang der Fans („Europas beste Mannschaft, SGE“) unzählige Autogramme schreiben muss – 700 Kilometer von Frankfurt entfernt.

Dieser Tage hat einer zu Oliver Glasner gesagt, er habe das Gefühl, Eintracht Frankfurt könne vielleicht auch den Klimawandel stoppen oder wie James Bond einfach mal kurz die Welt retten. Glasner hat gelächelt. Vielleicht hat er das auch schon gedacht. (Ingo Durstewitz)

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