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Eintracht Frankfurt – Das Überangebot in der Abwehr

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Von: Thomas Kilchenstein

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Europapokalsieger: Almamy Touré (von links), Martin Hinteregger, Evan Ndicka und Tuta.
Europapokalsieger: Almamy Touré (von links), Martin Hinteregger, Evan Ndicka und Tuta. © Sven Simon / Imago Images

Eintracht Frankfurt hat momentan elf Spieler für die Verteidigung im Kader – bahnt sich da ein Systemwechsel an?

Frankfurt – Es sind spannende Wochen, die vor dem Sportvorstand Markus Krösche liegen, arbeitsreiche sowieso, aber auch knifflige, komplizierte, weil es so viele Unbekannte gibt. Dinge, die passieren können und eine an sich kluge Planung leicht über den Haufen werfen können. Es geht, natürlich, um die Zusammenstellung des künftigen Kaders von Eintracht Frankfurt, der gewisse Kriterien erfüllen muss, nämlich einerseits so gut zu sein, um die Gruppenphase in der Champions League „überstehen zu können“, wie Krösche ein erstes Saisonziel schon ausgegeben hat, und der andererseits auch bestimmte finanzielle Parameter nicht übersteigen sollte.

Erschwerend kommt hinzu, dass Krösche derzeit nicht weiß, wer von den absoluten Leistungsträgern (Filip Kostic, Evan Ndicka, Daichi Kamada) auch zum Bundesligastart Anfang August noch dabei sind. Diese Imponderabilien machen das Unterfangen, die Mannschaft zu verstärken, momentan nicht so einfach. Da ist es gut, dass schon eine gewisse Vorarbeit geleistet wurde, gute Deals werden ja nicht nur auf den letzten Drücker getätigt.

Eintracht Frankfurt:

Ohnehin will Eintracht Frankfurt tunlichst vermeiden, unter Zugzwang zu geraten, etwa im Falle Kostic. Zwar ist im Augenblick noch völlig offen, ob Trainer Oliver Glasner für die kommende Saison mit dem 29 Jahre alten Linksaußen rechnen kann. Was Kostic vorhat, entscheidet der Spieler (respektive sein Berater), das wird davon abhängen, wie viel Gehalt der potenzielle neue Arbeitgeber (Juventus Turin, womöglich) gewillt ist zu zahlen. Eine baldige Entscheidung, so oder so, wird jedenfalls angestrebt.

Ähnlich sieht es bei Verteidiger Evan Ndicka aus, der ebenfalls umschwärmt und noch ein Jahr Vertrag hat, der aber offenbar nicht sonderlich erpicht ist, die Eintracht unbedingt jetzt schon verlassen zu wollen. Er ist Stammkraft in Frankfurt, anerkannt und geachtet, zudem jung und gut genug, auch im kommenden Jahr noch einen Champions-League-Klub finden zu können - mit dem Nebeneffekt, womöglich für die (ablösefreie) Unterschrift ein stattliches Handgeld einstreichen zu können. Krösche spricht da von „einem Prozess“ und davon, „wie sich Spieler ihre nähere Zukunft vorstellen“.

Elf Verteidiger im Kader von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt freilich hat darauf reagiert, und gerade in der Abwehr ordentlich zugelegt. Mit den „Alten“ Martin Hinteregger, Tuta, Evan Ndicka, Makoto Hasebe, Almamy Touré, Timothy Chandler, Christopher Lenz und den Neuen Aurelio Buta, Jerome Onguene, Hrvoje Smolcic stehen zehn Verteidiger im Kader, dazu kommt Erik Durm, der noch abgegeben werden soll. Das ist nicht gerade wenig, fast ein Überangebot. Das bietet immerhin Möglichkeiten.

Die Hessen könnten sich deutlich breiter aufstellen, könnten viel variabler auftreten. Vor allem könnten sie künftig in einer Vierer-Abwehrkette agieren. Das haben in den zurückliegenden Jahren alle Trainer schon mal versucht, Adi Hütter, auch Glasner, der ohnehin dieses System bevorzugt. Am Ende kehrten die Frankfurter aber stets zur Dreierkette zurück. In diesem System fühlten sich die Spieler am sichersten, zudem kam diese taktische Konzeption der Spielart ihres Besten, Filip Kostic, am ehesten entgegen: Er hatte den ganzen linken Flügel frei, konnte mit seiner Qualität und mit viel Anlauf seine Seite beackern. Es war dies das Erfolgsgeheimnis der Eintracht, gib Kostic den Ball, da wird schon was Vernünftiges rauskommen. Aber eben auch ausrechenbar und anfälliger.

Eintracht Frankfurt: Kommt ein neues System?

Eine Viererkette verleiht einem Team Stabilität, es macht es zudem flexibler, eine Hintermannschaft mit Buta. Tuta, Hinteregger, Lenz ist denkbar, Onguene und Smolcic sind ebenfalls in der Innenverteidigung einsatzbereit. Dass auch auf Touré mittlerweile Verlass ist, hat er bewiesen, als es darauf ankam. Und bei Hasebe gibt es ohnehin kaum Diskussion. Trainer Glasner könnte in einer 4-4-2-Formation agieren, auch dies eine Variante, die der Coach erfolgreich beim VfL Wolfsburg hat spielen lassen. Zumal die Eintracht ja, anders als in dieser Saison, über Stürmer zu verfügen scheint, die diesen Namen auch verdienen, Rafael Borré, Randal Kolo Muani und womöglich sogar Lucas Alario (aus Leverkusen) versprechen eine gewisse Qualität. Diese entsprechend in Position zu bringen, wird eine der Aufgaben in der Vorbereitung sein. Und zwei Systeme - 3-4-2-1 oder 4-4-2 - reibungslos zu beherrschen, ist ja auch nicht verkehrt.

Bedarf besteht weiterhin im zentralen Mittelfeld, da ist eine Verstärkung dringend geboten, insbesondere dann, wenn Kamada den Klub verlassen sollte. Mit Sow, Rode und Jakic wären die Hessen zu dünn besetzt. Da eine pfiffige Lösung zu finden, die passt, ist eine weitere knifflige Aufgabe für den Sportvorstand. (Thomas Kilchenstein)

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