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Abgang des Sportvorstands

Eintracht Frankfurt: Das Bobic-Beben - ein brodelendes Gemisch mit Explosionsgefahr

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Nach dem Vorstoß ihres Vorstands sollte Eintracht Frankfurt rasch Ruhe reinbekommen – oder droht gar ein schmutziges Ende?

  • Fredi Bobic verlässt Eintracht Frankfurt am Ende der Saison.
  • Bei Eintracht Frankfurt herrscht wegen der Personalie Fredi Bobic Explosionsgefahr.
  • SGE-Aufsichtsrat berät über Fredi Bobic.

Frankfurt - Die Erschütterung war weithin spürbar, nicht nur im Epizentrum, sondern wie es so ein Beben nun mal an sich hat, auch darüber hinaus. Klar, in den Büros im Frankfurter Stadtwald wackelten – zumindest bildlich formuliert - die Wände am stärksten, doch auch andernorts in der Republik ließ die Skala noch erkennbare Ausschläge erkennen.

In Berlin zum Beispiel, was irgendwie logisch ist, weil es sich bei besagtem Beben natürlich nicht um ein wahrhaftiges Naturschauspiel handelte, und weil in der Kapitale an der Spree jene immense Erschütterung am Main durchaus wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde, womöglich gar weil sich eine eigene Strategie zur Entstehung des ganzen Gewackels dahinter verbarg. Man ahnt es: Es geht um Fußball, das Thema des Tages, wie es selbst der Sportinformationsdienst gestern nannte, es geht um Bundesligist Eintracht Frankfurt und den baldigen Abschied des Sportvorstands Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt: Explosionsgefahr wegen Fredi Bobic

Es ist schon eine diffuse Gemengelage, die sich rund um den aufstrebenden hessischen Klub in den vergangenen Tagen zusammengebraut hat, eine, in der es widersprüchliche Aussagen über zeitliche Abläufe gibt, in der angebliche Abmachungen über Verträge und deren Aufhebung angeführt werden, in denen ehemalige wie aktuelle Aufsichtsratschefs eine Rolle spielen. Kurzum: ein brodelndes Gemisch mit Explosionsgefahr. Droht Eintracht Frankfurt also ein schmutziges Ende der Bobic-Ära? Auszuschließen ist das nicht, gibt es doch unterschiedliche Positionen, freilich wären beide Seiten aber gut beraten, die bisher so erfolgreiche Zusammenarbeit zu einem versöhnlichen, einigermaßen stilvollen und auch angemessenen Abschluss zu bringen.

Früher bei der Hertha am Ball: Fredi Bobic als Aktiver 2004.

Eintracht Frankfurt: SGE-Bosse sind pikiert

Da wäre Fredi Bobic, der unbedingt weg will aus Frankfurt, angeblich schon seit mehr als einem Jahr, der sich von diesem Vorhaben nur wegen Corona und der darauffolgenden Schwierigkeiten abbringen ließ, aus „moralischen Gründen“, wie er es nannte. Darüber seien, so Bobic, auch stets alle Entscheidungsträger informiert gewesen, und überhaupt, überrascht dürfe darüber niemand bei der Eintracht sein. Ein gültiger Vertrag bis 2023 hin, eine Vertragsverlängerung im August 2018 her. So ist das halt, zumindest in der Welt von Fredi Bobic.

In jener von Eintracht Frankfurt mit dem im vergangenen Sommer neu gewählten Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer klingt das alles ein wenig anders, nicht ganz so selbstverständlich. Dass Bobic nicht mehr allzu lange am Main werkeln würde, dürften zwar auch Holzer und Kollegen geahnt (und gewusst) haben. Vor drei Wochen sei Bobic auf ihn, also Holzer, bezüglich einer Vertragsauflösung zugekommen. Erst vor drei Wochen wohlgemerkt. Und überhaupt, die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, eine Ablöse wollen sie bei der Eintracht für ihren Vorstand schon haben. Erfolgreiche Arbeit von Fredi Bobic hin, Dankbarkeit für dessen Schaffen her. So ist das halt, zumindest in der Welt von Eintracht Frankfurt.

Klar ist: Ein Abgang von Bobic wird nicht zu verhindern sein, das würde für beide Seiten auch keinen Sinn ergeben. Eine derart hohe Ablösezahlung wie die in diesem Fall kolportierten fünf Millionen Euro wäre dann aber schon ziemliches Neuland im deutschen Profifußball. Grundsätzlich ist mehr als unüblich, dass sich Klubs die Manager gegenseitig abwerben. Der Gladbacher Max Eberl widerstand mal dem Werben des FC Bayern, der damalige Mainzer Christian Heidel jenem aus Schalke dagegen nicht. Geld floss ob der Verdienste Heidels für die Nüllfünfer keines. Der HSV sicherte sich für eine niedrigen sechsstelligen Summe vor geraumer Zeit die Dienste des Kielers Ralf Becker, und Markus Krösche wechselte aus Paderborn für eine halbe Million Euro nach Leipzig. Peanuts im Vergleich zu dem, was die Frankfurter nun gerne für Fredi Bobic hätten.

Eintracht Frankfurt: Aufsichtsrat berät über Fredi Bobic

Am kommenden Mittwoch wird sich der 49-Jährige in einer Aufsichtsratsitzung erklären, neben Boss Holzer wird dann auch dessen Vorgänger Wolfgang Steubing, mittlerweile Ehrenvorsitzender, dabei sein und eine durchaus wichtige Rolle einnehmen. Steubing war es, der Bobic trotz einiger Widerstände im Umfeld nach Frankfurt holte, damit rückblickend betrachtet absolut richtig lag und unter dessen Führung auch die Vertragsverlängerung des Sportvorstand 2018 eingetütet wurde. Ebenso, so schilderte es Bobic, habe er eben jenem Steubing vor Corona seinen Abschiedswunsch kundgetan. Steubing war zu dieser Zeit zwar noch Aufsichtsratsvorsitzender, längst war sein Ausscheiden im darauffolgenden Sommer aber beschlossene Sache. Das wusste auch Fredi Bobic.

Gab es also ein Gentlemen’s Agreement, ein Versprechen, dass der zweifache Manager des Jahres gehen kann, wann er will – und das ohne Kosten für den neuen Arbeitgeber? Die Eintracht dementiert das. Klar ist, dass eine schriftliche Ausstiegsklausel in Bobics Vertrag nicht notiert ist und die Eintracht-Bosse ob des offensiven Vorgehens ihres Vorstands mit dessen Verkünden des Abschieds in einem TV-Interview (trotz Vertrags) irritiert, gar pikiert sind. So schnell werden sie mit Blick auf eine Ablöse nicht klein beigeben. Freilich wird in beiderseitigem Interesse liegen, die Situation nicht weiter anzuheizen. Davon hätten sowohl Bobic bezüglich seines angestrebten Wechsels, als auch die Eintracht mit Blick auf die Nachfolgersuche wenig. Ruhe – wie in den vergangenen Jahren – wäre allemal hilfreich.

Übrigens: Fußball wird auch gespielt, am Samstag im Stadtwald, wenn die Eintracht in einem wichtigen Duell den VfB Stuttgart empfängt. Das nur als Randnotiz.

Rubriklistenbild: © imago sportfotodienst

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