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Bezieht klar Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit: Eintracht-Spieler Danny da Costa.

Eintracht-Profi klagt über Rassismus

Danny da Costa: „Ich bin dunkelhäutig, aber deswegen bin ich kein wildes Tier“

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Profi Danny da Costa spürt den zunehmenden Rassismus im Stadion und dem alltägliche Leben am eigenen Leib: „Daran habe ich schon zu knabbern“.

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Danny da Costa ist keiner, der sich öffentlich gern in den Vordergrund spielt. Der Fußballer von Eintracht Frankfurt ist keiner, der brisante Themen offensiv angeht, aber zu den jüngsten rassistischen Ausfällen in Deutschland möchte der frühere deutsche U21-Nationalspieler, wenn er um seine Meinung gebeten wird, auch nicht schweigen. Denn der Sohn eines Angolaners und einer Kongolesin, hat etwas zu sagen, er bezieht klar Stellung. Und ist betroffen: Selbst als prominenter Bundesligaspieler, ohnehin privilegiert, hat der dunkelhäutige Danny da Costa Rassismus am eigenen Leib erfahren müssen, im Stadion, aber auch im alltäglichen Leben. Der 26-Jährige ist in Neuss geboren, im Leverkusener Stadtteil Opladen groß geworden, in Leverkusen besuchte er das Landrat-Lucas-Gymnasium. Wenn er, der seit zweieinhalb Jahren nach Stationen bei Bayer Leverkusen und FC Ingolstadt für Eintracht Frankfurt spielt, kein Profifußballer geworden wäre, hätte er sich ein Informatik-Studium vorstellen können. Der Fußballer, der 94 Erstligaspiele und 66 Zweitligaspiele bestritten hat, hat alle DFB-Auswahlmannschaften ab der U17 bis zur U21 durchlaufen. Er besitzt neben der deutschen auch die angolanische Staatsbürgerschaft.

Herr da Costa, Sie haben mal bei uns in einem früheren Interview gesagt, dass Sie das Problem Rassismus im Fußball als nicht so schwerwiegend erachten. Jetzt gab es aber gerade mehrere abstoßende Vorfälle, etwa gegen den Berliner Jordan Torunarigha, den Würzburger Leroy Kwadwo oder ganz aktuell gegen den deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea in England. Haben Sie sich getäuscht?

Grundsätzlich ist es im Fußball so, dass die Zuschauer keinen Unterschied machen, ob da einer dunkelhäutig ist, Türke, Spanier oder welche Nationalität auch immer. Natürlich gibt es Vorfälle, aber das sind Idioten, die gibt es leider überall. Sie fühlen sich dann in der Gruppe stark. Wichtig ist, dass es hier nicht unter den Tisch gekehrt wird. Die Mehrheit steht sehr wohl auf und sagt: Das geht nicht. Es wird vernünftig dagegen vorgegangen. Und das sind wichtige Zeichen. Zivilcourage ist ganz wichtig, das hinterlässt Eindruck und bleibt in den Köpfen hängen.

Wäre ein Spielabbruch ein probates Mittel?

Ich glaube nicht, man bestraft dann 50 000 Menschen, weil eine Gruppe von, sagen wir, zehn Leuten, sich daneben benimmt. Und ganz ehrlich: Wer Affenlaute macht, weil da ein paar Dunkelhäutige rumlaufen, der interessiert sich doch nicht großartig dafür, was auf dem Platz passiert, dem ist das doch egal.

Eintracht Frankfurt: Danny da Costa rassistisch beschimpft

Danny da Costa war selbst im August 2013 Opfer übelster rassistischer Beschimpfungen während eines Zweitligaspiels zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Ingolstadt. „Immer, wenn ein Ball in meiner Nähe kam, gab es Affenlaute. Permanent. Das war natürlich ein Scheißgefühl“, sagte er damals dem Sportinformationsdienst. Bei Einwürfen hätten sie „mehrere Male“ sogar „Nigger“ und „schwarzes Schwein in meine Richtung gerufen“. Da Costa hatte zunächst „relativ lange“ versucht, die Rufe zu ignorieren, doch sie hörten nicht auf. „Als es mir zu viel wurde und zu nahe ging“, sei er zu Schiedsrichter Florian Meyer gegangen und habe ihn darauf hingewiesen. Es habe dann eine Stadiondurchsage gegeben, danach war es ruhiger geworden. „Für mich sind das totale Vollidioten, die sich eine perfekte Bühne suchen. Ich empfinde das als totaler Schwachsinn.“ Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes nahm damals Ermittlungen auf. Der Vorfall machte überregional Schlagzeilen, nachdem da Costas Teamkollege Ralph Gunesch sich auf seinem Facebook-Profil dazu geäußert und den für die Beleidigungen Verantwortlichen einen „IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes“ bescheinigt hatte. Der TSV 1860 München entschuldigte sich daraufhin bei da Costa.

Spüren Sie inzwischen Rassismus auch im Alltag?

Manchmal, ja. Es ist nicht so, dass ich auf der Straße offen beleidigt werde oder mir Affenlaute entgegen gebrüllt werden, aber es gibt kleine Sachen, die unheimlich wehtun und hart sind.

Erzählen Sie mal.

Als ich neulich spazieren war, kam jemand auf mich zu, sah mich, drehte sich um, versteckte sich und ging erst dann weiter, als ich an ihm vorbei war. Daran habe ich schon zu knabbern. Natürlich bin ich dunkelhäutig, aber deswegen bin ich doch kein wildes Tier und stürme auf Leute zu. So etwas aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen, ist das Schwierige.

Eintracht Frankfurt: Präsident Peter Fischer aktiv gegen rechts

Befassen Sie sich generell mit dem spürbaren Rechtsruck?

Eher aus der Distanz. Zum einen, weil ich gar nicht verstehen kann, wie man so denken kann. Und zum anderen, weil ich mich damit nicht rund um die Uhr beschäftigen möchte, das würde mich einfach fertig machen und mir zu viel Energie rauben. Aber es gibt genügend Menschen, die aufstehen und dagegen aktiv vorgehen. Das ist das, worauf man aufbauen kann. Auch hier bei der Eintracht kämpft Peter Fischer aktiv und bei jeder Gelegenheit gegen die Rechten. Darauf kann man stolz sein. So sollte es insgesamt in Deutschland aussehen.

Die Entwicklung scheint eher in die falsche Richtung zu gehen.

Es ist eine Entwicklung, die nicht beruhigend ist. Die jüngsten Wahlergebnisse tendieren in diese Richtung, das verstehe ich nicht. Man muss doch nur ein paar Jahrzehnte zurückgehen, da fing es auch mit einer Unzufriedenheit im Land an. Und dann brauchte man jemanden, den man dafür beschuldigen konnte. Es ist erschreckend zu sehen, dass es wieder in so eine Richtung geht, dass man unzufrieden ist und man sich jemanden sucht, dem man dafür die Schuld geben kann. Und als erstes sucht man sich jemand, der anders aussieht. Darüber sollten die Leute mal nachdenken, ob das der richtige Weg ist. Die Geschichte hat gezeigt, welch fürchterliche Folgen das haben kann.

Fühlen sich mittlerweile unsicher im eigenen Land?

Aufgrund der aktuellen Ereignisse wie jetzt in Hanau macht man sich Gedanken um seine eigene Sicherheit. Solche Attentate sind immer schrecklich und bewegen ein ganzes Land. Man kann sich nur wünschen, dass es nie wieder zu so etwas kommen wird und die Entwicklung im Land wieder in die andere Richtung geht. (dur/kil)

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