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Daichi Kamada ist jetzte gefordert.
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Daichi Kamada ist jetzte gefordert.

Auswärtsspiel

Daichi Kamada macht den dicken Max

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der Kreativkopf bei Eintracht Frankfurt sollte sein Potenzial ausschöpfen – so wie Altmeister Max Kruse bei Union Berlin. Trainer Adi Hütter verlangt eine Steigerung vom Japaner.

  • Eintracht Frankfurt ist am Samstag (28.11.2020) zu Gast bei Union Berlin.
  • Eintracht-Trainer Adi Hütter steht vor der kniffligen Aufgabe, potenzialreiche Spieler wie Kamada passend einzusetzen.
  • Ein besonderes Augenmerk liegt bis Samstag wohl auf der Aufstellung im Mittelfeld und weiter hinten.

Vor dem Gastauftritt in Berlin-Köpenick ist der Frankfurter Mittelfeldspieler Djibril Sow tatsächlich gefragt worden, ob sein Trainer, Adi Hütter, womöglich darüber nachdenke, einen Kettenhund abzustellen, um den Berliner Topspieler Max Kruse an die Leine zu legen. Manndeckung heißt das in Fußballdeutsch, man erinnert sich dunkel an die vielen Kreisliga-Bundestrainer: „Und wenn er aufs Klo geht, gehste hinterher.“

Djibril Sow hat jetzt nicht die Marschroute der Eintracht für die samstägliche Partie bei Union preisgegeben, aber eine Sonderbehandlung für den exzentrischen 32-Jährigen schließt er aus Binnensicht eher aus. „Kruse ist sicher ein Ausnahmekönner, aber ich glaube nicht, dass wir unser Spiel auf einen Spieler des Gegners ausrichten werden.“ Da liegt er goldrichtig.

Eintracht Frankfurt hatte Union-Stürmer Max Kruse schon im Visier

Adi Hütter hat zwar gehörigen Respekt vor dem Ex-Bremer, lobt ihn als Unterschiedsspieler, „der den entscheidenden Pass spielen kann“, doch ein solches Vorgehen ist eher nicht zeitgemäß und passt nicht zu Adi Hütters Philosophie. Klar ist dessen ungeachtet, dass Kruse die Eisernen auf ein anderes Niveau gehoben hat, er war vielleicht genau der Mosaikstein, das spielerische Element, das dem seit jeher hart schuftenden Ensemble von Trainer Urs Fischer gefehlt hat.

Hütter selbst ist ein Fan des Ex-Nationalspielers, vor Beginn der letzten Saison buhlte die Eintracht daher um die Gunst des Profis. Gespräche wurden geführt, doch nie konkretisiert, weil die finanzielle Vorstellung der Kruse-Partei doch weit entfernt von der der Eintracht-Seite war. Ein Gehalt von rund sechs Millionen Euro schwebte der zuweilen etwas fülligen Offensivkraft vor – die Eintracht winkte ab, Kruse wechselte in die Türkei und landete nach heftigen Istanbuler Turbulenzen schließlich in Berlin. Die Eintracht hatte sich jetzt gar nicht mehr um den in die Jahre gekommenen Instinktfußballer bemüht.

Daichi Kamada – Rechts drückt den Mittelfeldspieler der Eintracht der Schuh

Das liegt in erster und in zweiter Linie an Daichi Kamada, der Entdeckung der vergangenen Spielzeit. Der Japaner, „Raumdeuter und Schlüsselspieler“ (Hütter), ist die Zukunft der Eintracht, mit ihm will sie mal viel Geld machen; Kreativspieler wie Kamada, gerade mal 24, sind begehrt, da würde eine Summe im zweistelligen Millionenbereich fällig. Irgendwann mal.

Unglücklicherweise kommt der Techniker mit den unberechenbaren Haken aktuell nicht ins Rollen, da ist zu viel Leerlauf im Spiel, da sind zu viele Ballverluste, zu wenige gefährliche Aktionen. FR-Urteil im Klassenbuch seiner vier letzten Auftritte: einmal „so lala“, dreimal „schwächelnd“. Das ist Luft nach oben.

Kamada profitiert von seinen Mitspielern bei der Eintracht

Umso ärgerlicher, da die Eintracht-Offensive am Tropf des Asiaten hängt. Auch Adi Hütter räumt eine gewisse Abhängigkeit ein: „Wenn er einen guten Tag hat, sind wir im Spiel nach vorne eine Klasse besser. Wenn er abgemeldet ist, fällt uns das sehr viel schwerer.“ Es wäre also mal wieder an der Zeit, dass der talentierte Zehner sein Potenzial großzügiger entfaltet.

Mit Sicherheit leidet Kamada auch darunter, dass die Angriffsbemühungen fast ausschließlich auf seinen schmalen Schultern lasten. Umso wichtiger ist es für ihn, dass Kraftpaket Filip Kostic auf links wieder zurück ist und eine weitere Trainingswoche in den Knochen hat. Das Zusammenspiel zwischen der Wuchtbrumme und dem Filigrantechniker klappte in der Vergangenheit prima. Denn Kamada braucht Mitspieler, die er in Szene setzen kann – oder die ihn in Szene setzen. Schlecht daher, dass sich nun ein anderer Freigeist für die nächsten beiden Spiele abgemeldet hat. Aymen Barkok, der Senkrechtstarter der vergangenen Wochen, hat sich das Coronavirus eingefangen. Da fällt ein ungezügelter Spielkamerad für die Offensive weg.

Hütter muss Mittelfeld und Defensive bei Frankfurt aufeinander abstimmen

Das bedeutet für Hütter, dass er erneut über die Besetzung der rechten Seite grübeln muss. Die Personalauswahl ist abhängig davon, ob er mit Viererkette spielen lassen wird oder dem alten System vertraut. Ob der eher spielerisch veranlagte und weniger wuchtig daherkommende Erik Durm in der Dreierkette dann die richtige Wahl wäre? Knifflig.

Danny da Costa war bei Hütter aber zuletzt außen vor, obwohl der Trainer von einem „zerrütteten Verhältnis“ nichts wissen will: „Ganz im Gegenteil“. Timothy Chandler spielt bisher keine Rolle, Almamy Touré ist starken Schwankungen unterworfen. Und Amin Younes? Der Ex-Nationalspieler hat zwar seine Corona-Erkrankung überwunden und das Training wieder aufgenommen, aber nach zwei Wochen Quarantäne wird er kaum eine Option sein. Komplizierte Sache so alles in allem.

Will die Eintracht oben dranbleiben, wird sie, egal wie, mal ihre Zurückhaltung bei der Zählervergabe ablegen und vollzählig punkten müssen. „Von der Qualität ist mehr drin als Platz neun oder zehn“, betont Mittelfeldmann Sow, dem die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aber schon aufgefallen ist: „Es bringt nichts, nur darüber zu reden. Wir müssen es auf den Platz bringen.“ Nächste Gelegenheit: Samstag, 15.30 Uhr, Berlin-Köpenick. (Ingo Durstewitz)

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