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Alles bleibt beim Alten: David Abraham muss für seine Tat büßen.

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Eintracht Frankfurt und David Abraham: Die Chance verpasst

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David Abraham bleibt gesperrt. Am ersten Urteil im schriftlichen Verfahren hat sich also nichts geändert. Ein Kommentar.

Frankfurt - Nach vier Stunden Verhandlung hat der Richter Hans Lorenz dem Frankfurter Spieler David Abraham die Leviten gelesen. „Vereinsschädigend“ habe er sich verhalten, dem „Image von Eintracht Frankfurt geschadet“, als er den Freiburger Trainer Christian Streich „vorsätzlich“ wie beim Eishockey zu Boden gecheckt habe. Die Strafe, sieben Wochen keine Bundesliga, dazu 25 000 Euro, liege angesichts der Schwere der Tat noch im unteren Bereich. Das Gericht sei Abraham und der Eintracht entgegengekommen. Es hätten auch zwei Spiele mehr werden können.

Eintracht Frankfurt hätte sich Einspruch sparen können

Am ersten Urteil im schriftlichen Verfahren hat sich also nichts geändert. Hätte man sich dies zusätzliche Verfahren aus hessischer Sicht nicht lieber sparen sollen? Es wäre ganz sicher besser gewesen. Natürlich steht es jedem Verurteilten frei, gegen ein Urteil Berufung einzulegen, falls er sich ungerecht behandelt fühlt, das ist sein gutes Recht. Andererseits sind sechs Spiele Sperre ohnehin im unteren Bereich des Strafenkatalogs angesiedelt, Tätlichkeiten können Sanktionen bis zu sechs Monaten nach sich ziehen. Und einen gegnerischen Trainer zu Boden zu rammen, ist ein Vergehen, das es in der Bundesliga, in der die Sitten rau sind, noch nicht gab. Eintracht Frankfurt hat gleich zwei Chancen verpasst: Die erste Gelegenheit wäre gewesen, das Urteil zu akzeptieren, die zweite, wenigstens während der Verhandlung reinen Tisch zu machen.

Abraham hätte diese Bühne nutzen können, sich aufrichtig, vor allem ohne irgendwelche juristische Winkelzüge und seltsame Laufwege, zu erklären und zu entschuldigen. Er hätte dem Gericht und der Öffentlichkeit den netten Menschen David Abraham näher bringen können, der in der hektischen Schlussphase des Spiels für einen Moment die Contenance verloren hatte. Danach hätte die Eintracht ihren Einspruch zurückziehen können. Das hätte Stil gehabt, das hätte Format bewiesen. Ähnlich wie das Verhalten beider Klubs nach dem Vorfall, denen ein „vorbildliches Konfliktmanagement“ bescheinigt wurde. Stattdessen wurde um ein Spiel mehr oder weniger gezankt.

Eintracht Frankfurt: Unrühmliche Rolle von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann

Eine unrühmliche Rolle in diesem Verfahren hat sicher DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann vom badischen Verband gespielt, der das erste Urteil als „komisch“ abqualifizierte und damit unpassenden Druck aufgebaut hatte. Richter Lorenz vergaß bei der Urteilsbegründung nicht, auf die Vorbildfunktion von Profis vor dem Hintergrund anhaltender Gewaltattacken in den Amateurligen hinzuweisen. „Was oben passiert, findet seine Wiederholung an der Basis“, sagte er. Vorbildlich war das nicht.

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