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Kolo Muani und die 90. Sekunde

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Nicht so durchsetzungsstark wie in der Bundesliga: Kolo Muani.
Nicht so durchsetzungsstark wie in der Bundesliga: Kolo Muani. © afp

Die Frankfurter Offensive kommt nicht richtig in Schwung zum Auftakt der Champions League, dabei vergibt der Stürmer ganz am Anfang die Riesenchance

Ganze 90 Sekunden waren gerade gespielt im allerersten Champions-League-Spiel der Frankfurter Fußball-Historie, 90 Sekunden nur, und Randal Kolo Muani hätte sich schon eintragen können in die Liste jener, die für Eintracht Frankfurt das allererste Tor in der Königsklasse erzielt hätte. Und er wäre zu diesem Treffer gekommen wie die Jungfrau zum Kind, das Tor war ihm praktisch in den Schoß gelegt worden. Sporting kombinierte da schon eineinhalb Minuten ruhig, abgezockt vor sich hin, ließ die Eintracht laufen, eiskalt bis unter die Haarspitzen. Und dann unterlief Manuel Ugarte, von Christopher Lenz attackiert, ein hanebüchener Rückpass - viel zu kurz. Genau darauf hatte Kolo Muani gewartet, er kam an der Ball, lief allein aufs Tor zu, doch sein Schuss, vielleicht ein Ticken überhastet, parierte Lissabons Torwart Antonio Adan per Fußabwehr.

Das wäre ein Auftakt gewesen, wie gemalt, wie im Traum. 1:0 nach 90 Sekunden, da wäre viel Ballast abgefallen von den Frankfurtern, eine frühe Führung hätte ihnen perfekt in die Karten gespielt. Es sollte nicht sein. Und wer weiß, wie die Partie geendet hätte, wäre der Frankfurter Angreifer in dieser Situation erfolgreich gewesen. Es wäre ein anderes Spiel geworden, weil dann gleich das taktische Konzept der Portugiesen über den Haufen geworfen worden wäre. Ob es zum Sieg gereicht hätte, darf angesichts der spielerischen Brillanz von Sporting allerdings bezweifelt werden. Vorwürfe machte dem Franzosen niemand. „Er hat in der Situation fast alles richtig gemacht“, sagte Sportvorstand Markus Krösche. „Er hat ein bisschen Pech gehabt.“

Auch in diesem Spiel war Kolo Muani an vielen gefährlichen Situationen beteiligt. Es klappte freilich nicht sonderlich viel, nicht so wie in der Liga, in der der 23 Jahre alte Vollblutstürmer bereits auf sechs Scorerpunkte (zwei Tore, vier Vorlagen) gekommen war. Mal kam er einen Schritt zu spät, mal verhedderte sich, war aber immer anspielbar, ging die weiten Wege.

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Offensichtlich war indes auch, dass sich Kolo Muani nicht so durchsetzen konnte, wie er das in der Bundesliga schon gezeigt hat. Dazu war die Lissabonner Hintermannschaft zu ballsicher, stand zu dicht. So ging es aber allen Offensivkräften, zuletzt gegen RB Leipzig noch über den grünen Klee gelobt. Aber dafür war Sporting auch ein Gegner anderer Qualität.

Kolo Muanis Riesenchance

Jesper Lindström etwa tat sich enorm schwer. Er spielte unglücklich, traf zuweilen falsche Entscheidungen oder bei seinen Hereingaben ein Lissabonner Bein. Auch Mario Götze und Daichi Kamada schafften es nicht, am Schwungrad zu kurbeln. Der letzte Pass kam nicht, weil Sporting den Strafraum intelligent verstellte ohne zu mauern oder Beton anzurühren. Das war schon beeindruckend gut. Und doch unterliefen der Nummer drei aus Portugal Schnitzer. Gerade in der ersten Halbzeit leistete sich Sporting den einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler im Aufbauspiel. Doch die Frankfurter konnten daraus kein Kapital schlagen. Und eine größere Chance, als die von Kolo Muani nach 90 Sekunden, erhielten brave Frankfurter an diesem ernüchternden Abend nicht mehr.

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