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Eintracht Frankfurt testet zum Abschluss des Trainingslagers: Buta wirbelt, Tuta humpelt

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Von: Ingo Durstewitz

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Aurelio Buta (ganz rechts) macht furios und mit einem Tor auf sich aufmerksam. Foto: Jan Hübner
Aurelio Buta (ganz rechts) macht furios und mit einem Tor auf sich aufmerksam. Foto: Jan Hübner © Jan Huebner

In zwei Spielen gegen Lech Posen hält sich Eintracht Frankfurt schadlos, freut sich über ihren Rechtsverteidiger und muss gegen Schalke und ihren brasilianischen Abwehrspieler ersetzen.

Frankfurt - Es ist geschafft. Für die Berufsfußballer von Eintracht Frankfurt ist die intensivste Phase der Vorbereitung vorüber, das Trainingslager in Dubai endet an diesem Samstag, dann bringt eine Boeing 777 die Entourage aus dem Hessischen zurück ins Herz von Europa. Nach zehn langen Tagen.

Der Countdown hat begonnen, in einer Woche wird es ernst, dann stellt sich das Tabellenschlusslicht Schalke 04 im Waldstadion vor – die Eintracht will dann den Grundstein für eine erfolgreiche Rest-Spielzeit legen, die den Klub noch einmal einen Schritt näher an die absolute Spitze heranbringen soll. „Wir wollen wieder eine außergewöhnliche Saison spielen“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Wir wollen unsere Grenzen verschieben, wir müssen noch mal besser werden.“ Das Ziel ist klar umrissen, Platz vier verteidigen, „mit aller Macht“, wie der Manager entschlossen sagt. Platz vier bedeutet Champions League. Die Eintracht hat die Königsklasse lieben gelernt. Ob es aber auch so weit kommt, wenn man 27. Mai die Saison abgepfiffen wird? Das lässt sich seriös nicht prophezeien, außer die Glaskugel gilt ab sofort als verlässliches Medium.

Kann Eintracht Frankfurt die herausragende Form aus dem alten Jahr ins neue mitnehmen?

Vor den Frankfurtern liegen einige Imponderabilitäten: Keiner weiß, wo sie steht, wie sie aus der Winterpause starten wird. Kann die Mannschaft ihre herausragende Form aus dem alten Jahr konservieren? Oder schmiert sie, wie 2022, wieder ab? Platz sechs nach der Hinserie, Rang elf nach 34 Spielen – allerdings überstrahlt und ganz weit in den Schatten gestellt durch den monumentalen Europa-League-Titel von Sevilla. „Vor einem Jahr haben wir die Herausforderung noch nicht lösen können“, sagt Krösche. „Jetzt sind wir einen Schritt weiter.“ Was zu bewiesen wäre.

In Dubai ist die Mannschaft körperlich ertüchtig worden, vieles, was im Winterschlaf eingerostet war, ist reaktiviert worden. Trainer Oliver Glasner bat sein Team fast ausnahmslos zweimal täglich auf den Trainingsplatz, die Intensität war hoch. Eingerahmt wurde das Programm von drei fordernden Testspielen. In Abu Dhabi besiegten die Frankfurter RB Leipzig mit 4:2 und auch einen Tag vor der Abreise hielt sich die Eintracht schadlos. Am Freitag holte sie in gleich zwei Partien gegen den polnischen Meister Lech Posen einen 1:0-Erfolg und ein 2:2-Remis. Das ist okay.

Eintracht Frankfurt: Tuta verletzt sich bei Testspiel gegen Lech Posen

Abwehrmann Tuta wird die Begegnung jedoch in keiner allzu guten Erinnerung behalten. Der Brasilianer, im Training und auch gegen Leipzig in prächtiger Verfassung, ist in der Anfangsphase des ersten Spiels im Rasen hängengeblieben und zog sich eine noch nicht näher definierte Sprunggelenksverletzung zu. Tuta humpelte mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Feld und wurde anschließend ins Krankenhaus gebracht. Unschöne Geschichte. Fürs Schalke-Spiel wird er ausfallen. Da könnte die Stunde von Almamy Touré schlagen, der schon im Endspurt der vergangenen Saison zu überzeugen wusste.

Für Tuta kam Luca Pellegrini ins Spiel, das die Eintracht mit ihrer derzeit stärksten Besetzung bestritt. Interessant: Den Libero gab nicht etwa Oldie Makoto Hasebe oder WM-Fahrer Kristijan Jakic, sondern Hrvoje Smolcic. Ein Fingerzeig für die Partie gegen Schalke? Glasner hatte angekündigt, „spielspezifisch“ aufstellen zu wollen. Gegen raue, körperbetonte Kontrahenten könne der robuste Smolcic die Nase vorn haben. Keine Frage, dass der Aufsteiger genau solch ein Gegner sein wird.

Andererseits: Gerade gegen einen eher aufs Zerstören ausgerichteten Widersacher ist Hasebe mit seiner Spielstärke und strategischen Gabe prädestiniert. Das sollte der Trainer dringend ins Kalkül ziehen und bedenken. Schon in der zurückliegenden Spielzeit verzichtete er zu oft und ohne Not auf einen fitten Makoto Hasebe. Das hatte die Mannschaft ganz sicher nicht besser gemacht. Auch zu Beginn der aktuellen Saison saß der Japaner draußen. Erst als Glasner ihm wieder das Vertrauen schenkte, setzte die Trendwende ein. Daran sollte sich der Trainer erinnern.

Eintracht Frankfurt: Aurelio Buta dreht auf

Trotz Bestbesetzung hatte die Eintracht gegen den polnischen Conference-League-Teilnehmer ihre liebe Mühe. So richtig rund lief der Motor nicht, er stotterte ganz schön. Was gewiss, wie auch Glasner befand, der Müdigkeit nach anstrengenden Trainingstagen geschuldet war. „Wir können sehr vieles besser machen“, monierte der Fußballlehrer, ohne aber zu streng in seinem Urteil zu sein. Dass es dennoch zu einem Sieg reichte, lag daran, dass die grundsätzliche Qualität des Ensembles trotz schwerer Beine immer wieder aufblitzt. Der Siegtreffer von Daichi Kamada kurz nach der Pause war ein Paradebeispiel für die spielerische Klasse des Teams: Nach schönem Direktspiel kam der Ball zu Mario Götze, der in den Rückraum passte, wo Randal Kolo Muani den Ball geschickt passieren ließ und Kamada locker einschoss. Ein Tor, wie man es aus der Bundesliga kennt. Und doch musste sich das Team bei Torwart Kevin Trapp bedanken, der den knappen Erfolg mit ein, zwei guten Paraden festhielt.

In der zweiten Begegnung, die die Eintracht unter anderem mit Kapitän Sebastian Rode, Kristijan, Jakic, Makoto Hasebe und Rafael Borré bestritt, avancierte dann plötzlich einer aus der zweiten Garde zum Man oft Match, einer, der bisher noch nicht ein einziges Pflichtspiel für den Klub absolviert hat: Aurelio Buta. Der Außenverteidiger, ewig lange am Knie verletzt, wirbelte auf der rechten Seite, als hätte es die lange Zwangspause gar nicht gegeben.

Oliver Glasner lobt Mentalität der Mannschaft von Eintracht Frankfurt

Der 25 Jahre alte Portugiese, von Royal Antwerpen gekommen, bereitete die erste gute Chance durch Christopher Lenz vor und auch den Anschlusstreffer durch Mittelstürmer Lucas Alario (39.). Da lag die Eintracht schon mit 0:2 hinten, Ex-Lilie Artur Sobiech (8.) sowie Nika Kvekveskiri (22.) hatten die Polen in Führung geschossen. Und Buta war es auch, der im zweiten Abschnitt aufdrehte, nach einer feinen Kombination über Nachwuchsmann Mehdi Loune, der insgesamt einen sehr guten Eindruck hinterließ, Borré und Jakic nagelte Buta den Ball unter Mithilfe eines polnischen Abwehrbeins zum Ausgleich ins Netz (78.).

„Er hat es gut gemacht. Es war ein weiterer Schritt. Für ihn ist es wichtig, Rhythmus aufzunehmen, nachdem er lange raus war“, sagte Sportchef Krösche. „Uns geht es darum, dass er gesund bleibt und sich an die Intensität gewöhnt. Er ist auf einem guten Weg.“

Coach Glasner lobte, ganz generell, die Mentalität des Teams, zog aber ein durchwachsenes Fazit: „Fußballerisch und in Sachen Kompaktheit haben wir noch einiges vor uns.“ Viel Zeit ist nicht mehr.

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