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Frankfurter Dreigestirn: Luka Jovic könnte gegen Dortmund zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund

Die große Abhängigkeit

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Die Eintracht kann sich auf ihr Dreigestirn verlassen - vielleicht wird’s aber gegen Dortmund gesprengt.

Marco Russ hat dann noch einmal, sehr eindringlich und unmissverständlich, den Wert des magischen Dreigestirns herausgestellt. „Die drei da vorne sind unsere Lebensversicherung“, sagte der alte Haudegen und meinte es genauso. Sebastien Haller, Ante Rebic, Luka Jovic – man kennt, schätzt und fürchtet sie nicht nur in Deutschland, sondern gar europaweit.

Was Wunder, sie hatten bei 37 von 39 Toren der Eintracht ihre Füße oder Köpfe im Spiel, der Einfachheit halber haben sich 31 Buden gleich höchstselbst gemacht. Was Marco Russ, der im Laufe der Jahre sehr wohl stark gereifte 33-Jährige ebenfalls zum Ausdruck bringen wollte: „Die ganze Saison über sollten wir uns aber nicht auf sie verlassen.“ 19 Spiele lang und deren sechs in Europa, ging es zumindest schon mal gut, doch die Frankfurter beschleicht so langsam das mulmige Gefühl, dass es mit der Herrlichkeit nicht so weit her ist, wenn die Tormaschinen mal von diesem merkwürdigen Phänomen Ladehemmung befallen werden sollten.

Treffer am Fließband

Die Abhängigkeit von ihren Topstürmern ist für die Eintracht bislang kein Problem, weil sie verlässlich einnetzen, weil sie kaum eine Schwäche zeigen und, bis auf kleinere Wehwehchen bei Ante Rebic, auch so gut wie nie verletzt sind. Sie treffen am Fließband, natürlich gehen auch alle fünf Treffer nach der Winterpause auf ihr Konto. Gerade der Kroate Ante Rebic hat nicht nur zwei herrliche Tore erzielt, er ist ganz klar auf dem Weg zurück zu alter Stärke, er war sowohl gegen Freiburg (3:1) als auch in Bremen (2:2) der beste Frankfurter Feldspieler.

Die drei jungen Männer würden dem Klub sicher weit mehr als 150 Millionen Euro bringen, wenn er sie denn verkaufen wollte, was er freilich nicht will, denn der Verein ist zwar ein mittelgroßes Unternehmen, aber eben doch ein im sportlichen Wettkampf befindlicher Bundesligist und keine Sparkasse.

Dass die Eintracht im neuen Jahr punktemäßig absolut im Soll liegt, kann sich das Angriffstrio auf die Fahne schreiben. Dafür, dass es fußballerisch noch nicht wirklich rund läuft, können sie im Grunde wenig. Das gesamte Eintracht-Spiel hakt und klemmt, in Bremen wackelte die Abwehr bedenklich, das Mittelfeld war quasi nicht existent und die sonst so agilen Außenbahnspieler Filip Kostic und Danny da Costa blieben seltsam blass. 

Dass sich die Eintracht sehr viel schwerer tut, das Spiel und den Gegner zu dominieren, liegt auch an den Kontrahenten, die sich sehr viel besser auf die Hessen eingestellt, den Code dechiffriert und ausgelesen haben. Das, und die mentale Müdigkeit, war auch in den vergangenen beiden Jahren in der Rückserie das Problem der Eintracht. So schleppte sie sich in der zweiten Saisonhälfte immer sehr schwerfällig ins Ziel. Das soll ja in dieser Runde anders werden.

Das Dreigestirn ist nicht auszuschalten

Dass die Frankfurter nun dennoch sehr ordentlich aus den Startlöchern gekommen sind, liegt an der individuellen Klasse der drei Unterschiedspieler in vorderster Linie. Über ein ganzes Spiel hinweg sind sie nie ganz auszuschalten – zumindest nicht alle drei gemeinsam.

Das Bemerkenswerte an der Besetzung des Angriffs mit Haller, Jovic und Rebic ist ja eigentlich, dass sie, in der Theorie, in dieser Konstellation eigentlich gar nicht richtig zusammen passen. Ein klassisches System mit zwei Außen und einem zentralen Angreifer ist mit diesen Spielertypen nicht möglich, denn streng genommen bastelt Trainer Adi Hütter seine Formation aus zwei astreinen Mittelstürmern (Haller, Jovic) und einem Linksaußen (Rebic). Da ist viel Improvisationskunst gefragt, sowohl am Reißbrett als auch auf dem Platz.

Am zehnten Spieltag schickte Hütter erstmals alle drei Angreifer gemeinsam aufs Feld, es war die Auswärtspartie in Stuttgart, und die Eintracht siegte gleich standesgemäß mit 3:0. Auch in den folgenden beiden Partien gegen Schalke und in Augsburg wählte der Coach diese personelle Besetzung, sehr erfolgreich: 3:0 gegen Schalke, 3:1 in Augsburg. In insgesamt sieben Partien durfte sich das Triumvirat gemeinsam verdingen, es stehen vier Siege, ein Remis und zwei Niederlagen, gegen Wolfsburg (1:2) und in Berlin (0:1), zu Buche. Beim furiosen 2:1 gegen Leverkusen, dem zähen 2:2 in Mainz und dem am Ende einseitigen 0:3 gegen die Bayern versuchte es der Coach mit zwei Spitzen.

Ante Rebic meist hängende Spitze

Wenn Hütter alle gemeinsam von der Leine ließ, entschied er sich fast immer dafür, Ante Rebic ein bisschen zurückzuziehen, ihn als hängende Spitze einzusetzen. Das ist gewiss nicht die Paraderolle des 25-Jährigen, doch er machte das Beste daraus, versuchte, sich fallen zu lassen, um dann wieder nach ganz vorne in die Tiefe hineinzustoßen. Nur in Bremen am vergangenen Samstag beorderte der Trainer Luka Jovic hinter die beiden Stürmer – ein Schachzug, der nicht aufging und auch nur bedingt logisch erschien, denn die größte Qualität des Serben Jovic ist sein Abschluss, da ist er eiskalt und instinktsicher. Jovic kam auf dieser Position nicht wie erhofft zur Geltung, gleichwohl muss man auch sagen, dass der 21-Jährige zurzeit nicht gerade in Topform ist, weder gegen Freiburg noch in Bremen wusste er wirklich zu überzeugen. Jovic wirkt ab und an immer noch etwas phlegmatisch, hadernd, er sollte an seiner Körpersprache arbeiten. Auch die Pressingaktionen muss er entschlossener durchziehen, da sieht manches etwas halbherzig aus.

Gegen Dortmund mit Doppelspitze?

Ein bisschen was spricht also dafür, dass Hütter seine Formation am Samstag ändern und auf eine Doppelspitze umstellen wird. Die müsste dann zwingend Haller/Rebic heißen. Sebastien Haller genießt bei Hütter ohnehin einen großen Stellenwert, weil er viel arbeitet, die Bälle festmachen kann und mit seiner Physis und Präsenz ein Fixpunkt im Eintracht-Spiel darstellt. Der Franzose kam in allen 19 Ligapartien zum Einsatz, 17-mal stand er in der Startelf, genauso wie in allen sechs Europa-League-Begegnungen. Das ist kein Zufall.

Gegen den Branchenführer aus Dortmund könnte zudem ein Spieler wie Mijat Gacinovic wichtig sein. Der wieder genesene Serbe hat fast immer gute Ansätze, verhaspelt sich dann aber oft oder bringt den letzten Pass nicht zum Mann, aber er ist ein dynamischer Akteur, der gerade in den Umschaltmomenten und wenn es darum geht, den Gegner unter Druck zu setzen und zu attackieren, seine Stärken hat. „Wichtig sind die Laufwege und das Pressing“, lautet Gacinovics Credo. Und Trainer Hütter findet sowieso: „Es ist Wahnsinn, wie er arbeitet.“ Vielleicht wird das Trio Infernale also am Samstag gesprengt – an seinem Wert ändert das nullkommanull.

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