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Blickt auch trotz des Fehlstarts zuversichtlich über seinen Mundschutz: Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner.

Bruno Hübner

Bruno Hübner: „Wir kommen nicht in Gefahr“

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Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner stärkt Trainer Adi Hütter „zu 100 Prozent“ den Rücken, will sich keine Abstiegssorgen einreden lassen und hofft auf einen Verbleib von Filip Kostic.

Trotz des Fehl-Re-Starts und vier Niederlagen in der Liga am Stück sieht Sportdirektor Bruno Hübner von Eintracht Frankfurt keinen Grund, an Cheftrainer Adi Hütter zu zweifeln: „Wir sind hundertprozentig überzeugt von ihm.“ Trotzdem müsse man künftig besser Fußball spielen, idealerweise schon am morgigen Samstag (22.05.2020) in München beim FC Bayern (18.30 Uhr). Das dies ambitioniert ist, weiß auch der 59-Jährige. Im Video-Interview hat der ewige Optimist noch weiteres zu sagen, etwa….

...zur ernüchternden Leistung beim Re-Start:Ich war erschrocken. Wenn du beim Kaltstart schon nach 35 Sekunden zurückliegst, wenn du nach so lange Zeit so schlecht ins Spiel kommst, verunsichert das jede Mannschaft. Das ist Wahnsinn. Die beiden frühen Treffer haben uns nicht gerade aufgebaut. Es hat danach auch der Mut gefehlt, nach vorne zu spielen. Andererseits hatten wir bis ins letzte Drittel auch gute Ansätze, dort haben wir allerdings viele schlechte Entscheidungen getroffen. Vorne hat uns jedoch die Durchschlagskraft gefehlt.

…zur Hoffnung, dass die fehlenden Zuschauer in München ein kleiner Vorteil für die Auswärtsmannschaft sein könnte:Mannschaften, die fußballerisch hohe Qualität besitzen, haben bei Geisterspielen Vorteile. Trotzdem stellen wir uns der schweren Aufgaben in München. Ich denke, dass wir eine gute Leistung bringen und uns Selbstvertrauen für die kommenden Spiele holen werden.

…zur Möglichkeit, gegen die Bayern wieder zu einer Dreierkette zurückzukehren:Selbst wenn wir im jüngsten Gladbach-Spiel mit einer Achterkette gespielt hätten, hätten wir die Tore gekriegt. Die Gegentore sind keine Frage des Systems, sondern eine Frage der Einstellung und der Konzentration. Nichtsdestotrotz ist die Dreierkette für uns immer eine Option, weil wir in Makoto Hasebe einen Spieler haben, der für dieses System prädestiniert ist. Andererseits haben wir nach der Winterpause und der Umstellung auf Viererkette gute Spiele geliefert. Keine Frage: Das System ist wichtig, aber das Auftreten der Mannschaft ist das Entscheidende. Zuletzt waren wir vorne viel zu zögerlich, als Stürmer musst du einen Abschluss finden, es müssen kluge Entscheidungen treffen. Da müssen wir wieder hin

…zum Fußball, für den Eintracht Frankfurt anno 2020 eigentlich steht:Schwer zu sagen. Fakt ist: Unsere Mannschaft benötigt ein ordentliches Mannschaftstraining, wie im Winter. Das war in der Corona-Pause nicht möglich. Grundsätzlich wollen wir mutiger spielen, überzeugender auftreten, kompakt stehen wie in den ersten Spielen nach der Winterpause. Aber: Wir haben einen ausgezeichneten Trainer, Adi Hütter wird das wieder hinkriegen.

…zum Vertrauen in den Trainer Hütter, der binnen eines Jahres die dritte Krise meistern muss:Wir sind zu 100 Prozent von unserem Trainer überzeugt. Wir haben die meisten Spiele aller Bundesligaklubs absolviert, da ist es doch ganz normal, dass man immer mal wieder eine Delle bekommst. Selbst Top-Mannschaften fallen mal in ein Loch. Was man nicht vergessen darf: Wir sind weiterhin in drei Wettbewerben vertreten. Adi Hütter hat es mit seiner Ruhe, seiner sachlichen Art und seiner Erfahrung stets geschafft, uns in ruhiges Fahrwasser zu führen.

…zur akuten Sorge, möglicherweise noch mal in Abstiegsgefahr zu kommen:Als Eintracht Frankfurt muss man immer auch nach unten gucken. Wir sind aber davon überzeugt, dass es die Situation aktuell nicht hergibt, dass wir uns nach unten orientieren müssen. Wir haben noch genug Spiele und die Qualität in der Mannschaft, um die Saison aus eigener Kraft ordentlich zu Ende zu spielen. Wir werden mit Sicherheit nicht zulassen, uns eine Abstiegsgefahr reinreden zu lassen. Wir müssen unsere Leistung bringen, dann wird das nicht passieren. Wir haben ja selbst durch außergewöhnlich gute Jahre die Erwartungshaltung nach oben geschraubt, deshalb müssen wir uns kritisch mit dieser Situation auseinandersetzen. Kritische Fragen sind erlaubt. Aber: Zuletzt haben wir nur gegen die Top-Mannschaften gespielt. Wir müssen hinten raus die Punkte machen. Wir werden nicht in Abstiegsgefahr geraten.

…zum Ernst der Lage:Wir werden uns nicht stärker reden als wir sind. Realistisch ist: Wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, holen wir die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen.

…zu komplizierter gewordenen Transferaktivitäten mangels Planungssicherheit und Verlängerung der Saison:Wir wissen ja nicht einmal, ob die Saison zu Ende gespielt wird. Aber wir haben in unserem Kader eine gute Grundformation plus Korsettstangen. Viele Klubs warten jetzt erst einmal ab. Ich glaube auch, dass es längere Transferfenster gibt, eventuell sogar bis Januar. Wir sind gut aufgestellt.

….zur Sturmmisere:Für die neue Saison kommen Ragnar Ache und Dejan Joveljic zurück, da sind wir mit den drei, die wir jetzt schon haben, gut aufgestellt. Adi Hütter ist ja einer, der gerne mit zwei Stürmern spielt. Und es ist immer wünschenswert, viele Alternativen im Angriff zu haben. Unser Spiel hat sich nach dem Weggang unserer drei Topstürmer natürlich verändert, die waren nicht eins zu eins zu ersetzen. Das waren außergewöhnliche Stürmer, und mit denen gewinnst du eher mal Spiele, die auf der Kippe stehen.

…zu Makoto Hasebe:Makoto ist ein außergewöhnlicher Spieler und Mensch, er genießt einen hohen Stellenwert innerhalb des Klubs. Bei ihm haben wir stets gesagt: Wenn er von heute auf morgen merkt, dass er nicht mehr die Leistung bringt, dann kann er aufhören. Wir wollen ihn nach seiner aktiven Laufbahn an Eintracht Frankfurt binden.

…zu den Wechselgerüchten von David Abraham im Sommer:Es ist kein Geheimnis, dass David nach dem Ende seiner Karriere zurück nach Argentinien will. Da werden wir ihm keine Steine in den Weg legen, auch wenn er noch vertraglich gebunden ist an Eintracht Frankfurt. Aber da sind wir momentan noch weit entfernt. Erstens: weil wir ihn noch brauchen, zweitens weil die wirtschaftliche Situation in Argentinien prekär ist. Ich glaube, die Vereine dort haben ganz andere Probleme. Es ist überhaupt nicht sicher, ob er im Sommer geht. Wenn er bleibt, wird er sich zu 100 Prozent einbringen.

…zum Verbleib von Filip Kostic:Filip fühlt sich total wohl in Frankfurt. Und er weiß genau, was er an Eintracht Frankfurt hat. Er weiß genau, welchen Stellenwert er bei uns hat und dass seine persönliche Entwicklung mit uns zu tun hat. Er muss nicht auf Teufel-komm-raus wechseln. Ich kann mir schon vorstellen, dass Filip weiter bei uns Fußball spielt.

Aufgezeichnet von Thomas Kilchenstein

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