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Der Stratege: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche.
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Der Stratege: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche.

Markus Krösche

Eintracht Frankfurt: Breitbeinig wie Bobic – das war einmal

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Wie Sportchef Markus Krösche bei Eintracht Frankfurt eine neue Kultur des Miteinanders geschaffen hat.

Frankfurt - Nachdem der letzte Abpfiff im alten Jahr verklungen und selbst der alte Eintracht-Rivale Mainz 05 niedergerungen war, hat ein vielleicht etwas nassforscher Reporter den Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche mit seiner persönlichen Einschätzung konfrontiert, wonach er vor sechs, sieben, acht Wochen niemals im Leben an einen solchen Aufschwung bei Eintracht Frankfurt bis hinauf in die Spitzengruppe geglaubt hätte.

Markus Krösche, 41 Jahre altes Urgestein des SC Paderborn und seit Sommer in Frankfurt-Bockenheim daheim, hat nur kurz aufgeschaut und geantwortet: „Das glaube ich. Das haben Sie ja auch oft genug geschrieben.“ Dann lächelte er gnädig.

Eintracht Frankfurt: Manager Markus Krösche mit Ironie und Humor

So ist er, der gar nicht mehr so neue Manager der Eintracht, schlagfertig, mit einer Prise Ironie und hintergründigem Humor, aber sehr wohl so platziert, dass er seine Wirkung entfaltet und eine Message transportiert. In diesem Fall: Kritik am Kritiker.

Der gebürtige Hannoveraner ist gewiss kein dünnhäutiger Typ oder übermäßig empfindlich, doch wenn ihm etwas gegen den Strich geht, dann weiß er das zu artikulieren. Entweder subtil oder direkt. Nachdem die Eintracht Mitte Oktober nach einer desolaten Leistung zu Hause gegen Hertha BSC (1:2) einige Prügel bezogen hatte und auch die Neuzugänge arg gescholten wurden, ist Krösche sauer geworden. Diese Urteile seien unfair, anmaßend und den jungen Profis gegenüber nicht gerecht, weil eben vorschnell. Juvenile Fußballer brauchten nun mal Zeit, die müsse man ihnen zugestehen. Zumindest bei Jesper Lindström, dem Senkrechtstarter der letzten Wochen, hat er schon jetzt Recht behalten.

SGE-Trainer Oliver Glasner: 100 Prozent Verlass

Markus Krösche, Familienvater, ist keiner, der breitbeinig durch die Branche marschiert, er ist smart und zuvorkommend, eher analytisch veranlagt; ein Kopfmensch mit Weitsicht und entsprechender Strategie. In Frankfurt kümmert er sich, nur ein Beispiel, abseits der großen Themen auch um den darbenden Nachwuchs und dafür, dass wieder eine U23 eingeführt wird.

Der studierte Betriebswirt ist ein Teamplayer, der jede und jeden mitnehmen will, er ist um Ausgleich bemüht, behandelt alle gleich, egal, ob Cheftrainer oder Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. „Wir sprechen offen über alles. Anfangs sind wir nicht immer einer Meinung, dann diskutieren wir das aus“, sagt Coach Oliver Glasner. Für den Trainer sind gerade das Vertrauen und die Loyalität wichtig. „Jeder kann sich zu 100 Prozent auf den anderen verlassen.“ Auch in einer ersten Krise stand Krösche verlässlich zu seinem ersten Angestellten.

Markus Krösche hat sich an die „Intensität“ bei Eintracht Frankfurt gewöhnt

Das ist gerade an einem heterogenen Standort wie Frankfurt mit vielen Einflüssen und Einflüsterern nicht unwichtig. „Ich musste mich an diese Intensität gewöhnen“, sagt Krösche. Die Dimensionen der Emotionen sind andere als im beschaulichen Ostwestfalen oder dem Brauseimperium in Leipzig. Und doch hat sich Krösche nicht verbiegen müssen, er kommt authentisch rüber, öffentlich vielleicht etwas spröde und oberflächlich, aber so ist das nun mal in dieser Fußballblase, in der nicht alle, aber doch viele Worte genau seziert werden.

Krösche ist ein Mensch, der gerne Hintergründe erklärt, auch Medienvertretern. Es ärgert ihn, wenn einseitig interpretiert wird, ohne zumindest die andere Seite gehört zu haben. Seine Herangehensweise unterscheidet sich diametral von der seines Vorgängers Fredi Bobic, der nur einem kleinen Kreis vertraut hat, seine Außendarstellung bewusst über weitreichende Medien steuerte. Bobic, durchaus auch mal schroff und ruppig im Umgang, hat gerne Entscheidungen im Alleingang getroffen und dann durchgepeitscht. My way or the highway.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche ist der Gegenentwurf zu Fredi Bobic

Der Erfolg gab ihm Recht, er hat gute Arbeit abgeliefert. Markus Krösche ist der Gegenentwurf. Schon als Aktiver hat er im Herzen des Spiels agiert, auf der Sechs, er hatte den Rundumblick, war schon da das Bindeglied zwischen den Elementen. Das lässt sich auf seinen Arbeitsstil als Manager projizieren. In Frankfurt hat er eine andere Kultur des Miteinanders eingeführt.

Krösche, der mit dem Julian Nagelsmann, Trainer beim FC Bayern München, gut befreundet ist, hat ein Team um sich gebaut, dem er blind vertraut. Ole Siegel etwa, sein persönlicher Referent, oder Timmo Hardung (Leiter der Lizenzspielerabteilung), der intern wie extern einen sehr hohen Stellenwert genießt. Nagelsmann wollten seinen Spezi Hardung eigentlich von Leipzig mit nach München nehmen, doch dort ist die Stelle von Teammanagerin Kathleen Krüger besetzt. Glück für die Eintracht und Markus Krösche.

Eintracht Frankfurt: Viel Arbeit in der Pandemie für Markus Krösche

Der konnte in Frankfurt auch durch seine Philosophie punkten, denn die ist bedingungslos auf Offensivfußball ausgelegt. Mit der er auch andere mitgerissen und beeinflusst hat, Steffen Baumgart etwa, heute erfolgreiches Trainer-Unikum in Köln. Er habe diese Liebe für das Angriffsspiel von seinem damaligen Chef Krösche übernommen. „Er hat bei mir für die letzte Überzeugung gesorgt, er hat in Paderborn noch konsequenter als ich vorgelebt, wie wir Fußball spielen wollen. Irgendwann war das auch komplett meins.“

Krösche obliegt auch die Aufgabe, den bestehenden Kader zu verschlanken und zu verjüngen, was in den letzten Jahren verpasst wurde. Und auch die Gehaltsstruktur an die Gegebenheiten, sprich Corona, anzupassen. Zurzeit stehen noch zu viele gut verdienende Mitläufer im Aufgebot, die auf bestens dotierten Verträgen aus Prä-Pandemie-Zeiten sitzen. Da sollte sich ein bisschen was im Sommer begradigen lassen.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche sucht weiter nach Verstärkungen für den Kader

Und Krösche muss mit schmalem Budget den Kader verstärken und Werte für die Zukunft schaffen. Das geht nur durch Geschick, Schnelligkeit und ein gutes Auge. Und vermehrt über ablösefreie Spieler. Faride Alidou vom HSV wird spätestens im Sommer kommen, genauso wie der hochgehandelte Randal Kolo Muani vom FC Nantes. Der Stürmer, 23, wird einen Vertrag bis 2027 erhalten und ablösefrei kommen – allerdings mit einer Antrittsgage von rund fünf Millionen Euro. So läuft das heutzutage.

Krösche kann in diesen oft zähen Verhandlungen mit listigen und windigen Beratern ganz schön stur sein. Er ist nicht der Typ, der die Agenten einfängt, ihnen bei einem guten Wein hier etwas anbietet, um dort etwas zu bekommen. Wenn er genug hat, hat er genug, dann macht er dicht. Egal, wer da vor ihm sitzt. Das Verhältnis zu bestimmten Berateragenturen, mit denen die Eintracht früher gute Geschäfte machte, ist merklich abgekühlt.

Auf diesem Sektor, heißt es generell, könne Krösche, in Frankfurt erstmals an einem Brennpunkt in der ersten Reihe, noch dazu lernen. Er sei nicht so verschlagen und abgezockt, nicht wie ein Fredi Bobic, der mit allen Wassern gewaschen ist, alle Tricks und Kniffs kannte und sie auch anwendete. Was im bürgerlichen Leben positive Eigenschaften sind, wird einem im Fußball-Business als nachteilig ausgelegt. Paradox irgendwie. (Ingo Durstewitz)

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