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Timothy Chandler von Eintracht Franfkurt
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Für Eintracht Frankfurt reichte es gegen den FSV Mainz 05 lediglich zu einem Remis.

SGE unter Druck

Eintracht Frankfurt benötigt Mini-Neuanfang vor dem ultimativem Ende - mit Trainer Adi Hütter

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht sollte trotz des Theaters um Adi Hütter alle Kräfte für den Schlussspurt um die Champions League mobilisieren – und zwar gemeinsam mit dem Trainer.

Frankfurt – Die Vorbereitung auf das vorletzte Bundesligaspiel als Cheftrainer von Eintracht Frankfurt ist für Adi Hütter gewiss keine stinknormale. Nein, auf den 51-Jährigen ist in den vergangenen Tagen einiges eingeprasselt, nichts Gutes oder Aufbauendes, die tabellarische Herabstufung von vier auf fünf und damit heraus aus den Champions-League-Rängen wird an seiner Person festgemacht, fast ausschließlich.

Eintracht Frankfurt: Hütter hat sich angreifbar gemacht

Draußen, vor den Toren des unzugänglichen Stadions im Stadtwald, ist ein Sturm der Entrüstung aufgezogen. Würde man die Fans abstimmen lassen, ob der Österreicher zwei Spieltage vor Saisonende noch von seinen Aufgaben entbunden gehörte, würde die Zustimmung wohl fast so hoch ausfallen wie die von Peter Fischer bei den turnusgemäßen Präsidentschaftswahlen, rund 99 Prozent also. Ob das fair ist oder nicht, darum geht es in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr. Der Österreicher hat sich angreifbar gemacht und gibt eine denkbar unglückliche Figur ab – das reicht.

Auf die Beine, Herr Trapp: Auch der Eintracht-Keeper ist gefordert.

Für Adi Hütter ist das eine ungewohnte Situation, der öffentlich oft so jovial daherkommende Fußballlehrer ist in seiner Karriere meistens mit einem großen oder gar historischen Erfolg abgetreten. In Bern hat er den Young Boys zum Abschied den ersten Meistertitel nach 32 Jahren geschenkt. Die Menschen lagen Adi Hütter zu Füßen.

So hatte er das in Frankfurt auch geplant. Doch zuweilen sind Wunschvorstellung und Realität nicht deckungsgleich. Sehr wahrscheinlich hat der Coach vor vier Wochen, als er verkündete, zukünftig lieber Borussia Mönchengladbach anleiten zu wollen, selbst nicht im Ansatz damit gerechnet, dass seine Mannschaft aus den vier folgenden Spielen nur noch einen Sieg holen und acht Punkte auf Verfolger Borussia Dortmund einbüßen würde. Ein fußballerisches Schreckensszenario. Auch die Verantwortlichen waren damals vorsichtig optimistisch, dass der anstehende Wechsel an exponierter Position das Team aktuell nicht in seinen Grundfesten erschüttern würde. Sie bauten dem scheidenden Trainer sogar noch eine Goldene Brücke und milderten seinen Wortbruch („Ich bleibe“) ab, schließlich habe er das im Sinne des Vereins gesagt, um keine Unruhe entstehen zu lassen. In Wahrheit waren die Funktionäre not amused.

Eintracht Frankfurt: Trainer ist mit im Boot

Nun sind es noch zwei Partien, noch zehn Tage bis zum Finale gegen den SC Freiburg – bis dahin muss die Mannschaft zumindest die Resthoffnung auf die Königsklasse am Leben erhalten und zuvorderst ihre Partie am Samstag beim Sang- und Klanglos-Absteiger FC Schalke 04 um jeden Preis gewinnen, was in der derzeitigen Situation leichter erscheint als es tatsächlich ist. Das ist eine Aufgabe, die ein schlummerndes Lachnummer-Potenzial freilegen könnte: Gewinnen die Hessen, ist es das normalste der Welt. Lassen sie Punkte liegen, brennt der Baum lichterloh.

Von daher wäre es jetzt geboten, die Mannschaft auf die letzten Spiele einzuschwören, also einen Mini-Neuanfang kurz vor dem ultimativen Ende zu initiieren. Das geht nur mit dem Trainer, das ist klar, auch wenn dieser nicht nur eine Lame Duck ist, sondern auch an Glaubwürdigkeit und Standing verloren hat. Da es aber kein Signal aus der Mannschaft gab, wonach sie eine weitere Zusammenarbeit mit dem Coach kritisch sehe, ist Adi Hütter mit im Boot – so geschwächt er auch sein mag.

Von daher wäre es ratsam, wenn die Verantwortlichen ein vertrauliches Gespräch mit ihm suchen würden, um ihm ultimativ zu verdeutlichen, was auf dem Spiel steht und was sie jetzt von ihm erwarten. Denn klar ist, dass Hütters Auftreten und die maximal ungeschickten Aussagen („An mir liegt es nicht“, „vielleicht hat die Mannschaft über ihre Verhältnisse gespielt“) den Herren im Führungszirkel nicht gefallen haben.

Insofern wäre es angezeigt, den durchaus sturen Übungsleiter nach einer Erklärung zu fragen, weshalb er den Unterschiedsspieler Amin Younes konsequent auf der Bank schmoren lässt. Nicht, um in des Trainers Hoheitsgebiet zu funken, sondern um eine plausible Antwort zu bekommen und ihm gleichzeitig zu verdeutlichen, dass man seinen Umgang mit Younes genau beobachte. Auch intern versteht die Nichtberücksichtigung nämlich niemand.

Einen solchen Austausch müsste zwangsläufig einer der beiden Vorstände anregen, die über den 30. Juni hinaus im Amt sind und denen der Verein am Herzen liegt. Also entweder Vorstandssprecher Axel Hellmann oder Finanzboss Oliver Frankenbach, der in Zeiten des großen Vakuums in der Sportlichen Leitung auch für fußballerische Belange verantwortlich zeichnet.

Es sollte also ein Impuls von außen kommen, ein Signal an die Mannschaft, wonach man es eben nicht laufen lässt, sondern die kleine Chance auf die Champions League noch ergreifen will. Alles andere wäre fahrlässig.

Eintracht Frankfurt: Das Team steht in der Pflicht

Und auch das Team steht in der Pflicht, denn den Abgang des Trainer als alleinigen Grund für das Abrutschen vorzuschieben, wäre zu billig. Führungskräfte wie Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Makoto Hasebe oder Sebastian Rode müssen das Team aufrütteln – bezeichnend, dass zuletzt die Mainzer Mannschaft samt Entourage sehr viel lauter und engagierter war. Impulse von innen und außen vermisste man bei der Eintracht, die so kurz vor dem Ziel merkwürdig leidenschaftslos wirkte. Gerade jetzt müssen die gestandenen Profis das regeln, was sie regeln wollten, aber nicht geregelt haben. Sie müssen den Druck gemeinsam schultern – und eine neue Mentalität des Jagens entwickeln. Viel Zeit bleibt nicht.

Und vielleicht sollte der Trainer auf den letzten Metern wieder mehr Feuer und Courage vorleben. Zuletzt wirkte er ziemlich distanziert. Es geht um nicht weniger als seinen guten Ruf in Frankfurt, den er sich durch herausragende Arbeit in drei Jahren aufgebaut hat und in sechs Wochen zu verspielen droht. (Ingo Durstewitz)

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