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Geht gerade abwärts für ihn: Gladbach-Traienr Adi Hütter.
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Geht gerade abwärts für ihn: Gladbach-Traienr Adi Hütter.

Glasner fordert Hütter

Eintracht zu Gast in Gladbach: brisantes Wiedersehen mit Adi Hütter

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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt

Oliver Glasner fordert mit Eintracht Frankfurt seinen Vorgänger Adi Hütter. Der steckt mit Mönchengladbach in der Krise, hat davon in seiner Karriere aber schon einige überwunden.

Frankfurt - Beim jüngsten Frankfurter Fußballfest, dem furiosen 5:2 gegen Bayer Leverkusen, übermannte Oliver Glasner für einen Moment die Vorsicht. Es war nach dem 1:2-Anschlusstreffer, Tuta hatte getroffen und Rafael Borré im Sauseschritt den Ball aus dem Netz geholt, die Eintracht-Profis wollten den Rückstand aufholen, gleich, am besten sofort. In diesem Moment also hob Oliver Glasner beschwichtigend beide Arme, tippte mit den Zeigefingern an die Stirn, schrie und winkte seine Spieler zurück, jetzt nur nicht überziehen, nicht im Übereifer in einen Konter rennen. Dabei kann Glasner auch impulsiv: In Piräus etwa knallte er einmal, sauer über ein schlampiges Abspiel, den Ball wütend auf die Tribüne und faltete seine Mannschaft am Seitenrand zusammen. Gegen Leverkusen siegte dagegen kurz die Ratio: Trainer denken eben gleich weiter, an die nächste Szene, was nun kommen mag.

Wenig später schob Glasner seine Profis schon wieder mit eindeutigen Handbewegungen nach vorne, sie waren im Flow. Dieser Moment aber verdeutlichte eines: An der Seitenlinie beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt hat sich einiges verändert. Adi Hütter, Glasner-Vorgänger und Gegner an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/live im TV und Livestream) mit Borussia Mönchengladbach, hätte wohl nicht derart gehandelt. Drauf, drauf, drauf, stets nach vorne, lautet seine Maxime. Selbst wenn es reihenweise Gegentreffer hagelt.

Eintracht Frankfurt: Hütter überlässt nichts dem Zufall

Nun ist Adi Hütter aus Vorarlberg beileibe kein Greenhorn im Geschäft, der 51-Jährige weiß, wie die Branche tickt. Er ist ein Vollprofi, auf Wirkung und Außendarstellung bedacht, hat sich mit eiserner Disziplin und Beherrschung an die Spitze des Klubfußballs geboxt. Hütter überlässt nichts dem Zufall, umgibt sich mit Sportpsychologen, holt sich in Medienfragen Tipps von Profis, hat einen eigenen Werbevertrag (für Wärmepumpen) an Land gezogen und ist sogar Buchautor. Der Titel des Werks: „Teamgeist: Wie man ein Meisterteam entwickelt.“

Geht gerade aufwärts für ihn: Eintracht-Trainer Oliver Glasner.

Dafür muss er in diesen Tagen natürlich einigen Spott einstecken. Von einem Meisterteam ist seine Borussia so weit entfernt wie ein Querdenker von einer Corona-Impfung. Die jüngsten Resultate: 1:4 gegen Köln, 0:6 gegen Freiburg, 1:4 gegen Leipzig. Auch die Gesamtbilanz ist nicht gut, 18 Punkte, 19:28 Tore, Platz 13, nur zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang, und das ohne europäische Zusatzbelastung. Das war ganz anders geplant. Am Niederrhein brennt der Baum vor Weihnachten lichterloh – Heilsbringer Hütter, 7,5 Millionen Euro schwer, sucht ausgerechnet vor dem brisanten Wiedersehen mit seiner Ex den Rettungsschlauch.

In und um Frankfurt herum gibt es nicht wenige, die diese Entwicklung mit einer gewissen Schadenfreude verfolgen, weil sie Hütter für eine gnadenlose Ich-AG halten, der sich über den Verein stellt und nur sein eigenes Wohl im Auge hat. Sein Herumgeeier und sein kassiertes Treuebekenntnis („Ich bleibe“) rund um seinen Abgang am Main werden ihm bis heute schwer übelgenommen. Da ist etwas zerbrochen in der lange Zeit so harmonischen Beziehung. Daran ändert auch Hütters leicht zu durchschauendes Manöver nichts, als er unlängst via Interview seinen Weggang fadenscheinig zu begründen suchte und den Eintracht-Verantwortlichen eine Mitschuld gab („Dann wurde der Spieß umgedreht“).

Eintracht Frankfurt: Hütter in Mönchengladbach in der Krise

Der erfahrene Mann aus Hohenems in Österreich hätte ahnen können, dass er mit der Art des kommunizierten Wechsels viele, wenn nicht alle Sympathien verspielen wird, auch Anerkennung, die er sich in drei Jahren durch hervorragende Arbeit erworben hat. Dadurch ist er für Mönchengladbach interessant geworden, das mit dem Offensivliebhaber nach Europa stürmen wollte. Nun fragen sie sich bei der Borussia eher bang, ob Hütter Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Hütter, so viel vorneweg, kann Krise. In Frankfurt. Aber auch am Niederrhein?

Auch Oliver Glasner hat bei der Eintracht eine erste Krise durchleben müssen. Es hat anfangs überhaupt nicht hingehauen, der Start in die Saison missriet komplett, es dauerte bis zum siebten Spieltag bei Bayern München, ehe der erste Sieg eingefahren wurde, ansonsten: viele Unentschieden, viel Tristesse, wenig spielerische Glanzlichter. Oliver Glasner und die Eintracht - das passte anfangs nicht. Nach neun Spielen und Niederlagen gegen Berlin und Bochum hatten die Hessen acht Punkte. Es stimmte hinten und vorne nicht. Das ist jetzt anders: „Wir haben uns gefunden“, sagt der Fußballlehrer aus Oberösterreich. Die fußballerische Weiterentwicklung ist frappierend, die Eintracht im Dezember ist eine andere Eintracht als die im September. Trainer und Mannschaft mussten erst zueinander finden. Zuletzt gab es aus fünf Pflichtspielen vier Siege. Der Trend zeigt klar nach oben.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Glasner-Mannschaften schwer in die Gänge kommen. Das war etwa beim VfL Wolfsburg anfangs so, als die Spieler sich gar überfordert fühlten sowohl physisch als auch mental, weil der 47-Jährige taktisch hohe Ansprüche stellt. Viel hilft viel: Eintracht Frankfurt zählt zu den fittesten Teams in der Liga, hatte bisher wenige Verletzte zu beklagen. „Unsere Trainingssteuerung ist vielleicht nicht so schlecht“, sagt Glasner, der in Frankfurt selbst während der anfänglichen Stotterphase stets die absolute Rückendeckung der Führungsetage spürte.

Eintracht Frankfurt: Keine Trainerdiskussion in Mönchengladbach

In Gladbach hält Borussia-Manager Max Eberl eine Trainerdiskussion für absurd, natürlich, er hat tief in die Tasche gegriffen für seinen Wunschkandidaten, die Erwartungshaltung war entsprechend hoch. Eberl wollte genau diesen Trainer, Fußball im Wildwest-Stil, Hauruck und Rambazamba. Dafür steht Adi Hütter, das ist sein Modell. Es ist attraktiv, es hat aber seine Kehrseiten. Hütter-Fußball ist brachial, nicht ausgetüftelt, ist offensiv, selten stabil und defensiv zuverlässig. Pikanterie am Rande: Sollte es gegen die Eintracht die nächste Pleite setzen, würde es verdammt eng für Adi Hütter.

In Frankfurt hat Glasner einiges probiert, ehe er seine Formation fand. Die von ihm bevorzugte Viererkette war, mangels Linksverteidiger, bald obsolet, ohnehin fühlt sich die Mannschaft in einer Dreierkette wohler. Es brauchte einen ruhenden Pol wie Makoto Hasebe und eine unfassbare Powermaschine wie Filip Kostic, die das Spiel zum Laufen brachten. Dazu legt Glasner, deutlich mehr als sein Vorgänger, Wert auf ein gutes Defensivspiel, die Hessen kassieren weniger Gegentore. „Das hilft dir, stabil zu bleiben“, sagt der gebürtige Salzburger und das gibt den Mentalitätsspielern zudem die Chance, die Dinge gegebenenfalls in der Nachspielzeit zu regeln - hohe Rückstände wären kontraproduktiv.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner will strukturierten Fußball

Defensiv stark, schwer zu schlagen und trotzdem mittlerweile vorne torgefährlich. 14 verschiedene Torschützen in allen Pflichtspielen zeugen von einer gewissen Unberechenbarkeit. Glasner ist sehr strukturiert, durchdacht, er liebt die Detailarbeit, auch via Video, und erklärt viel. Und er scheint Spieler besser zu machen, Djibril Sow ist da nur das leuchtendste Beispiel. Von einer Krise spricht in Frankfurt keiner mehr.

Auch Adi Hütter weiß Krisen zu managen, in Frankfurt hatte er in jeder Saison knifflige Situationen zu überstehen – und zog sich und das Team (fast) jedes Mal aus dem Schlamassel, auch dann, als er auf der Kippe stand. Das Verhältnis zu Sportvorstand Fredi Bobic war lange nicht so gut, wie es beide, gerade zum schlechten Schluss hin, nach außen glauben machen wollten. Ein 2:0-Erfolg beim FC Augsburg, genau vor einem Jahr, rettete Hütter den Job.

Eintracht Frankfurt: Hütter hat Spuren hinterlassen

Danach startete die Eintracht – wegen Hütters kluger Umstellung auf zwei Zehner hinter der Tormaschine André Silva – fulminant durch und schien unaufhaltsam der Königsklasse entgegenzuschießen. Bis zu jenem Tag im April, als durchsickerte, dass sich Hütter der Borussia anschließen würde. Von da an war nichts mehr, wie es vorher einmal war.

Der angekündigte Weggang stürzte die Eintracht und ihren angezählten Coach fast ins Chaos. Es war eine verfahrene Situation, die selbst der erprobte Krisenmanager Hütter nicht mehr stoppen konnte – weil er sie selbst ausgelöst hatte. Hütter, ein guter Trainer, aber durchaus autoritär, mitunter ruppig und knallhart in seinen Entscheidungen und im Umgang (mal Evan Ndicka oder Danny da Costa fragen), hat erst seine Glaubwürdigkeit und dann die Mannschaft verloren. Und die Eintracht – trotz Rekordsaison – die Champions-League. Dass das Scheitern auf den letzten Metern mit dem Wechsel-Wirrwarr zusammenhing, steht bei der Eintracht intern wie extern fest – nur für Adi Hütter nicht.

Der kühle Vorarlberger hat in Frankfurt Fußspuren hinterlassen, keine Frage, doch er hat sie selbst verwischt, fast bis zur Unkenntlichkeit.

Oliver Glasner, der seinen Abgang in Wolfsburg im Sommer so ungleich eleganter moderierte, ist drauf und dran, neue, größere zu treten.

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