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Luka Jovic sichert Eintracht Frankfurt den Ausgleich gegen Borussia Dortmund.

Frankfurt - Dortmund

Giftige Eintracht hält BVB stand

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    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt präsentiert sich beim hochklassigen 1:1 gegen Tabellenführer Borussia Dortmund wie ein Spitzenteam und zeigt eine bockstarke Leistung.

Der Dortmunder Fußballgelehrte Lucien Favre zielte bei seiner Analyse der packenden Bundesligapartie in Frankfurt genau ins Schwarze, auch wenn der Schweizer seine Botschaft etwas verklausuliert rüberbrachte. „Der Inhalt des Spiels war gut“, sagte der BVB-Trainer kurz und knapp. Und er hatte Recht.

Am Ende eines hochklassigen Spiels zwischen dem Europacupanwärter Eintracht Frankfurt und dem Branchenführer der Eliteklasse stand ein 1:1 (1:1), mit dem beide Seiten gut leben konnten, weil es, so einfach ist es manchmal, die Kräfteverhältnisse absolut korrekt widerspiegelte. Das Remis war leistungsgerecht, doch nur wer die Begegnung livehaftig mitverfolgt hat, konnte einen Eindruck gewinnen, wie intensiv und rassig sie war. Es war ein Duell ohne Netz und doppelten Boden, ein harter Fight auf des Messers Schneide, ein ungeheuer packendes und dynamisches Spiel auf Augenhöhe – es war eine Toppartie, die hielt, was sie im Vorfeld versprochen hatte. „Es war ein sehr, sehr tolles Spiel mit unheimlicher Dynamik“, befand Eintracht-Trainer Adi Hütter und übertrieb damit nicht mal.

Eintracht lässt BVB kaum atmen und zeigt Urtugenden

Seine Mannschaft hatte dem Tabellenführer, der seine Spitzenposition dank des Ausrutschers der Bayern in Leverkusen sogar noch um einen Punkt ausbauen konnte und nun sieben Zähler vor dem Serienmeister von der Isar liegt, alles abverlangt, die Hessen warfen sich in jeden Ball und in jeden Schuss, sie nahmen den Westfalen über weite Strecken die Luft zum Atmen, weil sie einfach nicht locker ließen und die Kontrahenten bedingungslos über das ganze Feld jagten. Es war ein hochmodernes Fußballspiel, aber auch eines, in denen Urtugenden wie Willen und Leidenschaft im Überfluss ausgepackt wurden. „Die Mentalität und die Einstellung hat mir sehr gut gefallen, die Mannschaft hat immer versucht, nach vorne zu spielen“, sagte Hütter.

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Die Eintracht hat die Dortmunder in der Tat nicht nur mit Hochdruck bearbeitet, sondern auch guten Fußball gespielt, mit Herz und Seele dagegengehalten. „Wenn wir solch eine Leistung abrufen, können wir mit den Topteams mithalten“, bekundete der Fußballlehrer. Auch mit dieser Einschätzung lag er richtig. In dieser Verfassung zählen die Frankfurter ganz klar zu den Spitzenteams der Bundesliga. Da gibt es keine zwei Meinungen. „So müssen wir spielen“, fasste Dauerläufer Gelson Fernandes zusammen, nämlich mit unbändigem Wille, Laufbereitschaft und Kampfeslust, mit unzähligen Pressingaktionen und Dauerdruck auf den Gegner. „Eigentlich können wir ja gar nicht anders spielen“, sagte der Schweizer Routinier und folgerte: „Wenn wir keinen Powerfußball spielen, sind wir eine normale Mannschaft.“ So wie in den ersten beiden Begegnungen nach der Winterpause, als die Eintracht zwar vier Punkte holte, aber irgendetwas fehlte, das gewisse Extra, die Galligkeit, die Schärfe, der letzte Biss. Das war am Samstag anders.

Es war nicht so, dass die Hessen der Borussia überlegen waren, immer wieder blitzte die Extraklasse des Spitzenreiters auf, da ging es mit wenigen Kontakten im ICE-Tempo in Richtung des Eintracht-Kastens. „Die Dortmunder hatten die feinere Klinge“, analysierte Adi Hütter. Aber die Hausherren hielten mit ihren Mitteln dagegen. "Wir haben das Gegengift gefunden", sagte Verteidiger Evan Ndicka, der ein prima Spiel machte.

Natürlich verwertet Luka Jovic die Chance

Schon nach drei Minuten hätten die Platzherren führen müssen, doch Danny da Costa scheiterte freistehend an BVB-Torwart Roman Bürki. Und nach 26 Minuten hätte die Eintracht schon mit 0:3 in Rückstand liegen können, in der Phase nach dem 0:1 durch Marco Reus (22.) verloren die Gastgeber so ein bisschen die Orientierung, der Nationalspieler hätte das Ergebnis binnen vier Minuten höher schrauben müssen, doch zweimal vergab er beste Gelegenheiten (24./26.).

Erst langsam fand die Eintracht wieder in die Begegnung, Ante Rebic vergab zweimal (33./34.), und dann war es natürlich wieder Luka Jovic, der eine Flanke von Danny da Costa spektakulär mit langem Bein zum 1:1 verwertete. Es war ein typisches Jovic-Tor, sein 14., eines mit Instinkt und großer Klasse. Und das, obwohl der Serbe gehandicapt ins Spiel ging, er litt an einem Magen-Darm-Infekt, wurde später entkräftet ausgetauscht.

Im zweiten Abschnitt neutralisierten sich die Teams weitgehend, wobei die Eintracht den größeren Willen zeigte und ihr anzumerken war, dass sie die Partie unbedingt gewinnen wollte. „Wir hatten am Ende einiges an Ballbesitz und wollten das Ding noch für uns entscheiden“, sagte Sebastian Rode, der gegen seinen Ex-Verein ein ganz starkes Spiel machte. „Es war etwas Besonderes für mich“, sagte der Mittelfeldspieler. „Ich wollte zeigen, dass ich auch ein guter Fußballer bin.“ Das ist ihm gelungen.

Genauso wie Marin Hinteregger, der Last-Minute-Verpflichtung aus Augsburg. Der Verteidiger stand sofort für den verletzten Kapitän David Abraham in der Anfangsformation und machte seine Sache nach anfänglichen Schwierigkeiten ganz ordentlich. „Er ist im Laufe des Spiels immer stärker und stärker geworden“, urteilte Adi Hütter. „Ich bin mit seinem Debüt sehr zufrieden.“ Genauso wie mit dem ganzen Spiel, auch wenn es zum ganz großen Wurf nicht gereicht hat.

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