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Eintracht Frankfurt: Bleiben die begehrten Drei womöglich doch?

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Von: Ingo Durstewitz

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Österreich. Foto: Jan Hübner
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Österreich. Foto: Jan Hübner © Jan Huebner

Die Eintracht würde mit ihren umschwärmten Spielern Kostic, Ndicka und Kamada auch dann in die neue Saison gehen, wenn sie nicht verlängern und die Hoffnung bei Kostic wächst.

Wo auch immer der Titelträger dieser Tage aufkreuzt, herrscht ein massiver Auflauf. Als die beiden Mannschaftsbusse von Eintracht Frankfurt am Samstagabend vor dem Quartier im oberösterreichischen Windischgarsten Halt machten, sperrte die Feuerwehr schnell mal die Hauptstraße ab, um einen sicheren Empfang zu gewährleisten; Autos mussten eine Umleitung nehmen. Was soll’s? Der Verein vom Main ist seit Mai 2022 in andere Sphären vorgedrungen. „Wir merken es ja jeden Tag“, sagt Sportvorstand Markus Krösche, „wir werden überall als Europapokalsieger angekündigt. Die Wahrnehmung hat sich total verändert.“

Mit dem Triumph von Sevilla hat sich auch die Arbeit des Managers gewandelt. Er muss nun eine Mannschaft bereitstellen, die den gewachsenen Anforderungen gerecht werden kann. Da geht es zum einen um die höhere Intensität und Frequenz sowie das gestiegene Niveau der Spiele – Stichwort Champions League –, aber auch um das Ansehen innerhalb der Liga. „Unser Prestige ist ein anderes, weshalb sich auch die Herangehensweise der Gegner ändern wird.“ Die Kontrahenten würden sich gezielter, besser auf die Eintracht einstellen, wahrscheinlich defensiver spielen. Und: „Ihre Motivationslage ist eine andere.“ Die Eintracht, ab sofort gejagt. Darauf müsse das Team vorbereitet sein. Sportlich, aber auch mental. „Das ist eines unserer größten Themen.“

Bei der Zusammenstellung des Kaders stand vor allem die Variabilität im Vordergrund. „Wir müssen unberechenbar sein, der Gegner darf nicht wissen, was auf ihn zukommt“, betont Krösche. Das war in der abgelaufenen Saison ein Schwachpunkt, nicht selten liefen Spiele und Angriffsbemühungen nach Schema F ab. „Defensive Mannschaften knacken, das war nicht unsere Stärke“, sagt der Sportboss.

Gerade deshalb habe man trotz des alles überstrahlenden Europa-League-Coups nicht die Augen vor der Realität verschlossen. Platz elf in der Liga, sieglos in den letzten acht Spielen. „Es war nicht alles super, das wissen wir.“ Es gelte, die erkannten Defizite zu beheben. Vorne sollen mal zwei Spitzen spielen können, weil die „Box-Besetzung“ selten optimal war. Jetzt habe man in Kolo Muani einen Angreifer mit Speed und mutigen Dribblings hinzugewonnen, in Lucas Alario einen Abschlussstürmer. „Er hat alle 100 Minuten ein Tor gemacht.“

Dahinter dürfen Mario Götze oder Daichi Kamada für Struktur und Kreativität sorgen. Gerne auch gemeinsam. „Sie passen beide gut zusammen“, findet Krösche. „Der Fokus wird auf Mario sein, das heißt, dass die anderen mehr Luft und Raum bekommen. Gegen einen tiefen Block ist das wichtig.“

Aber wird einer wie Kamada überhaupt bleiben? Schließlich gilt er, wie Starspieler Filip Kostic und Verteidiger Evan Ndicka, als Verkaufskandidat. Alle drei gehen in ihr letztes Vertragsjahr in Frankfurt, und Krösche wollte eigentlich vermeiden, dass Leistungsträger den Klub ablösefrei verlassen. Mittlerweile ist diese Haltung ein wenig aufgeweicht. „Es ist immer noch nicht mein Ziel, aber die Rahmenbedingungen haben sich verändert, wir spielen jetzt Champions League. Manchmal müssen wir die Herangehensweise anpassen.“ Denn zum einen ist die Königsklasse ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Faktor und zum anderen müsse die Mannschaft eben auf ein höheres Level gehievt werden, um konkurrenzfähig zu sein. „Sportlicher Erfolg ist das oberste Ziel, er ist essenziell für Eintracht Frankfurt“, betont Krösche und zieht zur Veranschaulichung die 90 Minuten von Sevilla heran, alles oder nichts, hopp oder top. „Verlieren wir das Finale, sind wir Elfter in der Liga, kein internationaler Wettbewerb.“ Und jetzt? Hype, Glanz, Ruhm. „Jetzt spielen wir Champions League. Da sieht man, dass der sportliche Erfolg der größte Hebel ist.“

Aus diesem Grund würde Krösche gerne mit allen drei Spielern die kommenden Herausforderungen bestreiten. „Sie wissen, was sie an uns haben, und wir wissen, was wir an ihnen haben. Mein Ziel ist, die Mannschaft so zu halten, wie sie ist. Ob es gelingt, weiß ich nicht.“

Zumal die andere Partei bei dieser Vertragskonstellation im „Driver-Seat“ sitze, da nutzten auch keine Ultimaten oder Fristen etwas. „Wenn zwei Tage vor Transferschluss jemand um die Ecke kommt, ist es halt so.“ Dann müsse man die Situation neu bewerten. „Letztes Jahr haben wir das Angebot für Filip (zehn Millionen von Lazio Rom; Anm. d. Red.) abgelehnt. Das kann jetzt auch wieder so sein, aber ich kann nicht verlässlich sagen, ich lehne es in jedem Fall ab. Das wäre unseriös. Es geht darum, dann Lösungen zu finden.“

Am liebsten wäre es ihm, die drei würden ihre Verträge verlängern. Kostic hat ein Angebot vorliegen, aber nicht angenommen. Auch mit Kamadas Beratern habe man „schon länger Kontakt, auch über Zahlen gesprochen“. Doch wie das ausgeht, vermag der 41-Jährige nicht vorherzusagen.

Auch bei Kostic nicht. „Es ist schwierig, ein Gefühl dafür zu entwickeln. Es ist ein Stück weit seine Entscheidung, was passiert.“ Er, Krösche, habe jedoch „nicht das Gefühl, dass er auf gepackten Koffern sitzt“. Diesen Eindruck gewinnt dieser Tage niemand, der 29-Jährige hat es sichtlich genossen, in den Kreis der Kameraden zurückzukehren, ist herzlich empfangen worden und förmlich aufgeblüht. „Er hat sich unglaublich gefreut, wieder hier zu sein. Er ist mit voller Leidenschaft bei uns“, sagt Coach Oliver Glasner. „An meiner Meinung hat sich nichts geändert: Ich denke nicht, dass er in Sevilla sein letztes Pflichtspiel für die Eintracht gemacht hat.“

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