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Alles gut für die Eintracht.

Eintracht Frankfurt Europa League

Das Eintracht-Märchen geht weiter

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Eintracht Frankfurt siegt im Achtelfinale der Europa League mit 1:0 bei Inter Mailand - Luka Jovic wird zum Helden des Spiels.

Kevin Trapp, der feurige Eintracht-Torwart im grünen Sweater, brüllte seine Erlösung einfach heraus, er ballte die Fäuste und drückte jeden, der ihm in die Quere kam. Es war geschafft, es war vollbracht, die Frankfurter Reise durch Europa geht weiter. Die Eintracht hat am Donnerstagabend im Fußballtempel San Siro den Favoriten Inter Mailand in einem packenden Achtelfinalrückspiel der Europa League auf die Bretter geschickt und ihn durch einen verdienten 1:0 (1:0)-Erfolg eliminiert, sie steht damit nach dem 0:0 vor acht Tagen in Frankfurt erstmals nach 24 Jahren wieder im Viertelfinale, das heute um 13 Uhr in Nyon ausgelost und am 11. sowie 18. April ausgespielt wird. In der Schweiz werden heute übrigens schon die möglichen Paarungen bis ins Finale gezogen.

Das Goldene Tor erzielte Luka Jovic bereits nach sechs Minuten. Die Eintracht zeigte eine herausragende Leistung, ihr Gesamtauftritt ist bemerkenswert gut. Die Eintracht ist nach dem Aus der Bayern gegen Liverpool der letzte deutsche Teilnehmer im internationalen Wettbewerb, sie vertritt ihr Heimatland würdevoll und beispielhaft. Wer hätte gedacht, dass diese Mannschaft nach dem personellen Aderlass im Sommer und mit neuem Trainer dergestalt auf die Überholspur abbiegen und an allen Konkurrenten vorbeirauschen würde. Hut ab.

Ein paar Eintracht-Anhänger besudeln den Gesamtauftritt der Fans

Das Verhalten der vielen Eintracht-Fans war lange Zeit ebenso gut, doch nicht in Gänze, am Ende flog eine Leuchtrakete auf die Mailänder Tribüne. Das könnte Folgen haben, die Eintracht-Anhängerschaft ist sowieso auf Bewährung unterwegs. Einige unverbesserliche Chaoten besudeln damit den ansonsten tadellosen Gesamtauftritt. Die übrigens Fans skandierten lautstark: „Und Ihr wollt Eintracht Frankfurt sein“ und“ Ihr seid Scheiße wie der OFC.“

Am Mittag indes herrschte ausgelassene Feierstimmung in Mailand, rund 20.000 Eintracht-Fans waren mit Bus oder Bahn oder Flugzeug in die 1,4-Millionen-Metropole gereist, den berühmten Piazza del Duomo übernahmen die Gäste gleich mal komplett. Es war eine lautstarke, aber friedliche Fußballparty, und als Eintracht-Präsident Peter Fischer am frühen Nachmittag auftauchte, wurde er nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und mit einem Ständchen aus tausender Kehlen bedacht – der bunte Präsident beging am Donnerstag seinen 63. Geburtstag. „Was Schöneres kann ich mir nicht vorstellen“, sagte er.

Ins Stadion hatten es dann rund 15.000 Frankfurter geschafft, allesamt im steilen Oberrang des imposanten Stadions San Siro untergebracht, der Fanblock umfasste das halbe Stadion, es war die vielleicht längste Gäste-Tribüne der Welt. Die Anhänger aus Deutschland übernahmen stimmlich das Kommando.

Eintracht-Trainer Adi Hütter wählt Aufstellung (fast) ohne Überraschungen

Trainer Adi Hütter, der für dieses Spiel gesperrt war, hatte eine Aufstellung ohne große Überraschungen gewählt, eine kleine war aber sehr wohl dabei, nämlich, dass er im Mittelfeld Jetro Willems das Vertrauen schenkte. Der Niederländer, der zuletzt als Einwechselspieler höchst durchwachsene Vorstellungen zeigte, stand zuletzt am letzten Hinrundenspieltag gegen Bayern München in der Startformation. Das war kurz vor Weihnachten.

Die Eintracht legte los, als wolle sie Inter überrennen, schon nach drei Minuten hätte es fast im Mailänder Kasten geklingelt, doch nach einem Schuss von Filip Kostic brachte Sebastien Haller den Abpraller nicht im Tor unter, sondern schoss ihn an die Latte – allerdings wurde der Franzose von Verteidiger Cedric mit der Fußspitze entscheidend gestört.

Die Gäste ließen sich davon aber nicht aus der Bahn werfen, sie ließen Ball und Gegner laufen, traten wie ein absolutes Spitzenteam auf, mit dem ganzen Tank voller Adrenalin und Selbstvertrauen. Und nur zwei Minuten später zeigte Luka Jovic, warum sich halb Europa um ihn reißt und eine Ablösesumme in Höhe von 60, 70, 80 Millionen Euro gewiss keine Utopie ist: Nach einem Aussetzer von Stefan de Vrij spurtete der Serbe der Inter-Abwehrkante einfach davon, holte sich die Kugel und lupfte sie an dem herauseilenden Keeper Samir Handanovic vorbei an den Pfosten, von wo sie ins Tor hüpfte. 1:0. Der Brustlöser für die Eintracht, eine Führung, die Sicherheit geben sollte.

Eintracht-Pech ohne Folgen

Die Frankfurter blieben klar Chef im Ring, die Lombarden kamen in der Anfangsviertelstunde nur selten über die Mittellinie, ehe sie sich etwas berappelten. Die Eintracht aber hielt mit sehr viel Hingabe, Herz und einer taktisch höchst disziplinierten Leistung dagegen. Pech hatte sie, als Haller den Ball ins Tor schoss, dabei aber im Abseits stand (27.), und Mijat Gacinovic ist es theoretisch auch erlaubt, mal wieder ein Tor zu erzielen, sein Schüsschen hielt aber Handanovic (39.). Trotzdem ging es mit einer verdienten Führung in die Pause, und Sportdirektor Bruno Hübner befand treffend: „Wir müssen an die Leistung und die Leidenschaft der ersten Hälfte anknüpfen.“

Gesagt, getan. Die Hessen warfen sich auch im zweiten Abschnitt weiterhin in jeden Schuss, verteidigten ihr Tor mit Zähnen und Klauen, Sebastian Rode etwa biss sich mit Magenkrämpfen durch, Mijat Gacinovic gab so lange alles, ehe er doch verletzt raus musste. Es ist auch diese Aufopferung und Selbstlosigkeit, die das Team auszeichnet.

Wenn man der Mannschaft einen Vorwurf machen kann, dann den, dass sie ihre Kontermöglichkeiten gegen die nun sehr riskant spielenden Mailänder nicht konzentriert zu Ende spielte, das war teilweise schon fahrlässig, was die Recken in weiß da fabrizierten. Haller, zweimal Kostic und Jovic hätten den Deckel schon früher drauf machen können. Die Uhr aber tickte für die Eintracht, und um kurz vor elf war es dann vollbracht: Der Eintracht-Trip geht weiter, einfach immer weiter.

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